Pakete ab 23 kg: DHL fordert Zwei-Personen-Zustellung gesetzlich
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 03:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der deutschen Logistikbranche hat die Debatte um den Arbeitsschutz und die physische Belastung von Zustellern im Juli 2026 eine neue Dynamik erhalten. Im Zentrum der Diskussion steht die Frage, ab welchem Gewicht Pakete nicht mehr von einer Person allein zugestellt werden dürfen. Während Branchenführer eine gesetzliche Verpflichtung zur Zwei-Personen-Zustellung für schwere Sendungen fordern, offenbaren die Reaktionen der Wettbewerber und Gewerkschaften tiefgreifende Differenzen über die praktische Umsetzung und die ökologischen Folgen solcher Regulierungen.
Gesundheitliche Belastung als Treiber der Reformforderungen
Die Forderung nach einer Verschärfung der gesetzlichen Vorgaben wird maßgeblich durch die gesundheitliche Situation des Personals begründet. DHL-Vorständin Nikola Hagleitner sprach sich im Juli 2026 für eine verbindliche Regelung aus, nach der Pakete mit einem Gewicht von über 23 kg zwingend von zwei Personen zugestellt werden müssen. Als wesentliches Argument dienen interne Daten zur Mitarbeitergesundheit: Demnach betrifft jede dritte Krankmeldung bei DHL Muskel- oder Skelettkrankheiten.
Die Belastung durch schwere Sendungen gilt als Hauptursache für diese Krankheitsbilder, die langfristig zu einem hohen Krankenstand und frühzeitigem Ausscheiden aus dem Beruf führen können. In der Analyse der logistischen Abläufe zeigt sich zudem, dass technische Lösungen derzeit nur begrenzt Abhilfe schaffen. Laut Hagleitner seien technische Hilfsmittel, wie beispielsweise Exoskelette, für die spezifischen Anforderungen im Zustellalltag ungeeignet. Diese Einschätzung rückt organisatorische Maßnahmen, wie die personelle Doppelbesetzung bei schweren Lasten, stärker in den Fokus der politischen Debatte.
Die gesundheitliche Belastung der Mitarbeiter ist oft ein direktes Resultat fehlender oder lückenhafter Analysen der Arbeitsbedingungen. Mit diesen kostenlosen Vorlagen und Checklisten erstellen Sifas und Arbeitgeber rechtssichere Gefährdungsbeurteilungen, die auch vor Aufsichtsbehörden standhalten. Rechtssichere GBU-Vorlagen jetzt kostenlos herunterladen
Brancheninterne Konflikte und ökologische Bedenken
Die Vorschläge stoßen innerhalb der Branche jedoch nicht auf ungeteilte Zustimmung. Der Wettbewerberverband BPEX lehnte die Forderung nach einer verpflichtenden Zwei-Personen-Zustellung ab. Die Kritik stützt sich vor allem auf zwei Kernpunkte: den akuten Personalmangel und die Umweltbilanz. Ein flächendeckender Einsatz von zwei Zustellern pro Fahrzeug für schwere Sendungen würde laut BPEX die ohnehin knappen Personalressourcen weiter überlasten. Zudem wird vor einer schlechteren CO2-Bilanz gewarnt, da die logistische Komplexität und der Ressourcenverbrauch pro zugestelltem Paket steigen würden.
Dieser Interessenkonflikt zwischen dem Gesundheitsschutz der Beschäftigten einerseits und der wirtschaftlichen sowie ökologischen Effizienz andererseits prägt die aktuelle Auseinandersetzung. Während DHL auf eine gesetzliche Vereinheitlichung setzt, um Wettbewerbsnachteile durch einseitige Schutzmaßnahmen zu vermeiden, sehen andere Marktteilnehmer darin eine Gefährdung der logistischen Leistungsfähigkeit.
Divergierende Positionen von Gewerkschaften und Politik
Zusätzlicher Druck entsteht durch die Forderungen der Gewerkschaften. Verdi plädiert für noch strengere Grenzwerte und fordert eine generelle Gewichtsobergrenze von 20 kg für die Ein-Personen-Zustellung. Im Gegensatz zu den diskutierten Vorschlägen der Logistikunternehmen lehnt die Gewerkschaft Ausnahmeregelungen strikt ab, um eine lückenlose Sicherheit für die Zusteller zu gewährleisten.
Neben der physischen Belastung führen auch unklare Arbeitsanweisungen häufig zu Sicherheitsrisiken und rechtlichen Problemen für Unternehmen. Dieser kostenlose Ratgeber inklusive Word-Vorlage hilft Ihnen, rechtssichere Betriebsanweisungen in wenigen Minuten zu erstellen und Bußgelder zu vermeiden. Kostenlose Word-Vorlage für Betriebsanweisungen sichern
Der politische Rahmen für diese Neuregelungen bleibt unterdessen unklar. Die Ampel-Koalition hatte bereits im Vorfeld eine 20-kg-Regelung auf den Weg gebracht. Die Umsetzung scheiterte jedoch bislang an Detailfragen, insbesondere da die Bedingungen für possible Ausnahmen nie abschließend geklärt wurden. Damit steht die Gesetzgebung vor der Herausforderung, eine Balance zwischen den Arbeitsschutzinteressen, den Forderungen der Gewerkschaften und den betriebswirtschaftlichen Realitäten der Logistikunternehmen zu finden. Die aktuellen Forderungen aus der Branche im Juli 2026 verdeutlichen, dass der Handlungsbedarf bei schweren Sendungen weiterhin als hoch eingestuft wird.
Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und Märkten ohne Gewähr; Änderungen jederzeit möglich. Börsengeschäfte können zu hohen Verlusten führen. Unsere Beiträge werden ganz oder teilweise automatisiert mit Unterstützung von AI erstellt und geprüft.
