Palantir: 1,4% Steuerquote und 12 Millionen Euro LĂŒcke in Europa
Veröffentlicht am: 02.09.2026 um 06:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn einer aktuellen Analyse vom 31. August 2026 hat der Verfassungsblog die technischen KapazitĂ€ten und die rechtlichen Implikationen der Software âGothamâ des US-Unternehmens Palantir untersucht.
Das System ermöglicht eine umfassende Auswertung von Massendaten sowie den Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz zur Erstellung von Risikoprognosen. Experten kritisieren dabei insbesondere potenzielle Eingriffe in die informationelle Selbstbestimmung und sehen den Grundsatz der Zweckbindung von Daten gefĂ€hrdet.
Technisches Potenzial und rechtliche Bedenken
Die Software Gotham ist darauf ausgelegt, Daten aus unterschiedlichen Quellen zusammenzufĂŒhren und mittels maschinellem Lernen eigenstĂ€ndige Risikofaktoren zu identifizieren.
Laut dem Bericht des Verfassungsblogs lĂ€sst sich das System technisch flexibel auf zusĂ€tzliche Datenquellen erweitern. Diese weitreichenden Analysefunktionen stoĂen jedoch auf verfassungsrechtliche Vorbehalte. Kritiker mahnen an, dass die automatisierte Erstellung von Risikoprofilen die Grenzen der zulĂ€ssigen Datenverarbeitung durch staatliche Stellen ĂŒberschreiten könnte.
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Bereits im Februar 2026 hatte sich Katharina Dröge von den GrĂŒnen kritisch zum Einsatz der Software geĂ€uĂert. In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage verwies sie darauf, dass ihre Partei den Einsatz von Palantir-Produkten fĂŒr falsch halte.
Als BegrĂŒndung wurden unter anderem Berichte ĂŒber MissbrauchsfĂ€lle in den USA im Zusammenhang mit der Einwanderungsbehörde ICE angefĂŒhrt. WĂ€hrend ein Bundestagsbeschluss den Einsatz auf Bundesebene ablehnt, existiert in Baden-WĂŒrttemberg eine Zwischenlösung unter parlamentarischer Kontrolle, wobei langfristig eine europĂ€ische Alternative angestrebt wird.
Akzeptanz und Einsatz in Schweden
Im Gegensatz zur Debatte in Deutschland herrscht in anderen europÀischen Staaten eine andere politische EinschÀtzung vor. Am 31. August 2026 wurde bekannt, dass sich die Schwedendemokraten gegen einen Stopp von Beschaffungen bei Palantir aussprechen. Die Partei verwies auf ihr Vertrauen in bestehende Gesetze.
In Schweden arbeitet das Unternehmen bereits mit einer begrenzten Anzahl von Behörden zusammen. Die schwedischen StreitkrĂ€fte (Försvarsmakten) bestĂ€tigten eine Kooperation, und Berichten zufolge nutzt auch die Polizei die Technologie. WĂ€hrend andere schwedische Parteien PrĂŒfungen oder einen sofortigen Stopp fordern, bezeichnete Justizminister Gunnar Strömmer die Technik als ethisch neutral.
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Finanzkennzahlen und regulatorische Entwicklungen in Europa
Neben den ethischen und rechtlichen Fragen rĂŒcken auch die GeschĂ€ftsmodelle und Steuerpraktiken des Unternehmens in den Blickpunkt der Ăffentlichkeit. Ein Bericht des EUobserver vom 1. September 2026 beleuchtet die wirtschaftliche PrĂ€senz von Palantir in Europa.
Das Unternehmen hÀlt im Vereinigten Königreich VertrÀge im Gesamtwert von 670 Millionen Britischen Pfund (rund 782 Millionen Euro), wovon fast die HÀlfte auf den staatlichen Gesundheitsdienst NHS entfÀllt.
FĂŒr das GeschĂ€ftsjahr 2025 wies Palantir einen Vorsteuergewinn von 1,66 Milliarden US-Dollar (ca. 1,43 Milliarden Euro) aus. Die effektive Steuerquote lag laut dem Bericht bei lediglich 1,4 Prozent. In Europa wird die daraus resultierende SteuerlĂŒcke auf mindestens 12 Millionen Euro geschĂ€tzt.
Parallel zu diesen Zahlen plant die EU-Kommission eine Reform der Vergaberegeln. Ein bekannt gewordener Entwurf deutet jedoch darauf hin, dass eine ursprĂŒnglich vorgesehene Möglichkeit, Unternehmen aufgrund von Steuervermeidung von öffentlichen AuftrĂ€gen auszuschlieĂen, aus dem Papier entfernt wurde. Dies könnte die Position von Dienstleistern wie Palantir bei kĂŒnftigen Ausschreibungen im europĂ€ischen Raum weiter festigen.
