Palliativmedizin: Neue S3-Leitlinie mit 15 aktualisierten Themenbereichen
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 12:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Sommer 2026 bringt fĂŒr die medizinische Versorgung Ă€lterer Menschen zahlreiche Neuerungen. Aktualisierte Fachinformationen, neue Leitlinien und gesetzliche Anpassungen betreffen sowohl die medikamentöse Therapie als auch organisatorische AblĂ€ufe.
Umstellung bei SchilddrĂŒsenprĂ€paraten
Zum 1. August 2026 wurde das Levothyroxin-PrĂ€parat Eferox umgestellt. Bei unverĂ€ndertem Wirkstoff enthĂ€lt das Medikament nun MaisstĂ€rke als Hilfsstoff. Bei sensiblen Patienten empfehlen Fachleute eine Kontrolle des TSH-Werts nach der Umstellung, da geringfĂŒgige Ănderungen der BioverfĂŒgbarkeit die Stoffwechsellage beeinflussen könnten. Zudem sollten Patienten auf Symptome einer Unter- oder Ăberfunktion achten.
Auch fĂŒr Dimenhydrinat-PrĂ€parate wie Vomex A gelten aktualisierte Fachinformationen (Stand August 2026). In der Geriatrie ist besondere Vorsicht geboten: Gegenanzeigen wie Engwinkelglaukom, Prostatahyperplasie oder Parkinson-Erkrankungen treten in dieser Altersgruppe hĂ€ufiger auf. ZusĂ€tzlich weisen die Hersteller auf das Risiko einer QT-Zeit-VerlĂ€ngerung im EKG sowie auf VorsichtsmaĂnahmen bei Leber- oder Niereninsuffizienz hin.
Neue Palliativ-Leitlinie veröffentlicht
Im Juli 2026 erschien Version 3.0 der S3-Leitlinie Palliativmedizin fĂŒr Patienten mit nicht heilbaren Krebserkrankungen. Die unter FederfĂŒhrung der Deutschen Gesellschaft fĂŒr Palliativmedizin (DGP) erstellte Richtlinie enthĂ€lt Aktualisierungen in 15 Themenbereichen â darunter die Behandlung von Atemnot, Tumorschmerz, Depressionen und Schlafstörungen.
Neu aufgenommen wurden Kapitel zur UnterstĂŒtzung von Angehörigen sowie zur SpiritualitĂ€t. Ziel der Ăberarbeitung: Die LebensqualitĂ€t der Betroffenen durch evidenzbasierte Entscheidungshilfen verbessern, insbesondere in der Sterbephase und beim Umgang mit TodeswĂŒnschen.
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Erleichterungen bei eRezepten, strengere Regeln bei Cannabis
Seit dem 30. Juli 2026 dĂŒrfen Arztpraxen eRezepte direkt an die heimversorgende Apotheke ĂŒbermitteln â sofern ein Heimversorgungsvertrag vorliegt. Die bis Ende 2028 befristete Ausnahme vom Zuweisungsverbot lĂ€uft ĂŒber den KIM-Dienst (Kommunikation im Medizinwesen). Ab 2029 sollen dann alle Pflegeheime vollstĂ€ndig an den eRezept-Fachdienst angeschlossen werden.
Parallel dazu gelten verschĂ€rfte Regeln fĂŒr Cannabis-Verordnungen: CannabisblĂŒten sind seit Ende Juli nicht mehr zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung erstattungsfĂ€hig. Ein Anspruch besteht nur noch auf Fertigarzneimittel oder Extrakte. Vor Behandlungsbeginn ist in der Regel eine Genehmigung erforderlich â Ausnahmen vom Genehmigungsvorbehalt gelten unter bestimmten Bedingungen fĂŒr Fachgruppen wie Allgemeinmedizin, Neurologie oder Psychiatrie.
Neue Therapien in der Pipeline
Auch in Forschung und Zulassung tut sich einiges, was fĂŒr die geriatrische Versorgung relevant werden könnte:
KardiovaskulĂ€re PrĂ€vention: Der Ausschuss fĂŒr Humanarzneimittel (CHMP) gab eine positive Stellungnahme fĂŒr Evolocumab zur PrimĂ€rprĂ€vention bei Erwachsenen mit hohem Risiko fĂŒr Herzinfarkte oder SchlaganfĂ€lle ab. Studien zeigten eine deutliche Senkung schwerwiegender kardiovaskulĂ€rer Ereignisse.
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Augenheilkunde: Die US-Gesundheitsbehörde FDA genehmigte im Juli 2026 mit Lytenava die erste spezifische Bevacizumab-Formulierung fĂŒr die feuchte Makuladegeneration (nAMD). Der Marktstart wird noch vor Ende des Jahres erwartet.
Adipositas: Eine Semaglutid-Tablette (Wegovy) wurde in der EU zugelassen. Studienergebnisse deuten auf einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von ĂŒber 16 Prozent hin. Ab September 2026 soll das Medikament in Deutschland verfĂŒgbar sein â eine Kassenattestierung bei Adipositas ist derzeit allerdings nicht vorgesehen.
ErnĂŒchterung bei Antihistaminika
DĂ€mpfende Nachrichten gibt es fĂŒr den Einsatz von Antihistaminika bei atopischen Ekzemen: Eine Ende Juli im BMJ veröffentlichte Metaanalyse von 47 Studien zeigt, dass diese Medikamente bei Neurodermitis kaum wirken. Bei Ă€lteren PrĂ€paraten der ersten Generation warnen Experten zudem vor kognitiven Risiken. Der Fokus sollte daher verstĂ€rkt auf modernen topischen Therapien oder Biologika liegen.
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