Pankreaskrebs: Daraxonrasib verdoppelt Überlebenszeit auf 13,2 Monate
21.06.2026 - 02:04:19 | boerse-global.de
Der Wirkstoff Daraxonrasib zeigt in einer Phase-III-Studie beeindruckende Ergebnisse gegen metastasiertes Pankreaskarzinom. Die tägliche Pille des US-Unternehmens Revolution Medicines zielt auf spezifische KRAS-Genmutationen ab – und die sind bei über 90 Prozent aller Bauchspeicheldrüsentumore nachweisbar.
Lebensverlängerung um Monate
Die groß angelegte Studie mit 500 Patienten verglich Daraxonrasib mit herkömmlicher Chemotherapie. Die Ergebnisse, präsentiert Ende Mai auf der ASCO-Jahrestagung in Chicago, sprechen eine klare Sprache: Das mediane Gesamtüberleben stieg auf 13,2 Monate – fast doppelt so lang wie in der Chemotherapie-Gruppe mit 6,6 bis 6,7 Monaten.
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Auch die Zeit ohne Krankheitsfortschritt verlängerte sich deutlich: von 3,5 Monaten unter Chemotherapie auf 7,3 Monate mit dem neuen KRAS-Inhibitor. Bei knapp jedem dritten Patienten (31,6 Prozent) bildete sich der Tumor zurück. In der Vergleichsgruppe gelang das nur bei 11,2 Prozent.
Weniger Nebenwirkungen, höhere Therapietreue
Die Pille ist nicht nur wirksamer, sondern auch besser verträglich. Schwere Nebenwirkungen traten bei 61,8 Prozent der Daraxonrasib-Patienten auf – unter Chemotherapie waren es 69,6 Prozent. Besonders deutlich wird der Unterschied bei den Therapieabbrüchen: Nur 1,2 Prozent der Patienten brachen die orale Behandlung ab, in der Chemotherapie-Gruppe waren es 11,2 Prozent.
Die US-Arzneimittelbehörde FDA reagierte bereits: Seit Mai 2026 gewährt sie einen vorzeitigen Zugang zu dem Medikament. Patienten können Daraxonrasib jetzt schon einsetzen, noch vor der endgültigen Marktzulassung.
Warum dieser Durchbruch so wichtig ist
Bauchspeicheldrüsenkrebs zählt zu den aggressivsten Krebsarten überhaupt. In Deutschland registrieren Ärzte jährlich rund 20.000 Neuerkrankungen. Die Fünfjahresüberlebensrate liegt bei Männern bei 6,4 Prozent, bei Frauen bei 7,6 Prozent. Europaweit ist das Pankreaskarzinom die vierthäufigste Krebstodesursache.
Das Potenzial von Daraxonrasib reicht aber weit über Bauchspeicheldrüsenkrebs hinaus. RAS-Mutationen finden sich in etwa 20 Prozent aller Krebserkrankungen weltweit. Aktuell läuft die Prüfung des Wirkstoffs auch bei Lungen-, Darm-, Eierstock- und Gebärmutterkrebs.
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Forschung macht weitere Fortschritte
Parallel zu den klinischen Erfolgen liefert die Grundlagenforschung neue Erkenntnisse. Wissenschaftler der Universität Köln veröffentlichten im Juni 2026 in Nature Communications Ergebnisse zur sogenannten Nekroptose bei KRAS-Mutationen. Sie identifizierten das Protein Caspase-8 als Schutzschild – dessen Manipulation könnte neue therapeutische Ansätze eröffnen.
Noch weiter gehen spanische Forscher. Im Frühjahr 2026 berichteten sie über experimentelle Erfolge in Mausmodellen. Eine Kombination aus Daraxonrasib, dem Lungenkrebsmittel Afatinib und dem Protein-Abbau-Wirkstoff SD36 führte zur vollständigen Tumorrückbildung. Allerdings: Diese Ergebnisse sind rein experimentell und noch nicht für klinische Studien am Menschen vorgesehen.
