Parkinson-Nachsorge: DigiRehaPD erhĂ€lt 100.000 Euro fĂŒr Bewegungstherapie
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDas Projekt DigiRehaPD, das eine digital gestĂŒtzte und personalisierte Bewegungstherapie nach einer Parkinson-Komplextherapie erforscht, erhĂ€lt den Innovationspreis 2026 der Parkinson Stiftung in der Kategorie Klinische Forschung.
Wie das Uniklinikum Erlangen in einem Bericht vom 19. Oktober 2026 darlegte, ist die Auszeichnung mit einer zweijĂ€hrigen Förderung von rund 100.000 Euro dotiert. Das Vorhaben setzt an einer zentralen Schnittstelle der Versorgung an: der dauerhaften Aufrechterhaltung körperlicher AktivitĂ€t nach dem Ăbergang von der stationĂ€ren Behandlung in das hĂ€usliche Umfeld.
Telemedizinische UnterstĂŒtzung zur Sicherung von MobilitĂ€t
In Deutschland bieten ĂŒber 200 Kliniken die multimodale Parkinson-Komplextherapie an, bei der Betroffene meist zwei bis drei Wochen, mindestens jedoch sieben Tage, stationĂ€r behandelt werden.
Um die dort erzielten Therapieerfolge im Alltag zu stabilisieren, untersucht DigiRehaPD in einer prospektiven Studie 56 Parkinson-Patienten. Dabei absolvieren 28 Personen in der Interventionsgruppe eine sechsmonatige telemedizinische Nachsorge ĂŒber das System ParkinsonGoâą der Portabiles HealthCare Technologies GmbH, wĂ€hrend 28 Teilnehmende in der Kontrollgruppe die Standard-Nachsorge durchlaufen.
Ziel der Projektleitung um Prof. Dr. Heiko GaĂner und Dr. Sabine Stallforth ist eine klinisch relevante Verbesserung von MobilitĂ€t und LebensqualitĂ€t. An dem Projekt sind zudem die Parkinsonklinik Krankenhaus Rummelsberg und die Parkinson Selbsthilfegruppe Erlangen beteiligt.
Klinische Evidenz zum Nutzen kontinuierlichen Trainings
Die Notwendigkeit strukturierter Nachsorgekonzepte deckt sich mit internationalen Forschungsergebnissen. Einem Ăberblicksbeitrag zufolge gelten Ausdauer- und komplexes Bewegungstraining als die derzeit einzigen erwiesenen Strategien, um den motorischen Abbau messbar abzumildern und NeuroplastizitĂ€t ĂŒber BDNF anzuregen.
Fachleute empfehlen mindestens 3 bis 5 Tage pro Woche je 30 bis 45 Minuten AktivitÀt in Kombination aus Ausdauer-, Kraft- und Gleichgewichtstraining, darunter Radfahren, schnelles Gehen, Tai Chi, Yoga oder Tanz.
Parallel dazu befinden sich medikamentöse Therapien wie Alpha-Synuklein-Immuntherapien, etwa Prasinezumab, sowie GLP-1-Rezeptoragonisten in der PrĂŒfung. Eine Meta-Analyse in PLOS One untersuchte die spezifischen Effekte von Tai Chi auf Balance, Ganggeschwindigkeit und SchrittlĂ€nge im Vergleich zu anderen aktiven Therapien.
Den Einfluss des AktivitĂ€tsumfangs quantifizierte eine Untersuchung der University of Cincinnati. Beim jĂ€hrlichen RĂŒckgang im kognitiven 30-Punkte-Test verzeichnete die am wenigsten aktive Gruppe mit bis zu vier Stunden pro Woche ein Minus von 0,478 Punkten, die mittlere Gruppe mit vier bis acht Stunden 0,090 und die aktivste Gruppe mit ĂŒber acht Stunden 0,007 Punkte.
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Auf einer 132-Punkte-Bewegungsskala, auf der höhere Werte eine stÀrkere BeeintrÀchtigung anzeigen und der Ausgangswert im Schnitt bei 23 lag, betrug die jÀhrliche VerÀnderung +0,143 bei niedriger AktivitÀt, -0,225 bei mittlerer und -0,783 bei hoher AktivitÀt.
Intensivere Belastungen brachten nach Adjustierung um die GesamtaktivitĂ€tszeit keinen Zusatznutzen. Die Beobachtungsstudie erlaubt keinen Kausalnachweis, zudem war die Stichprobe zu 98,3% weiĂ.
ErgĂ€nzende Trainingsformen und versorgungsrechtliche HĂŒrden
Dass auch kurze, gezielte Interventionen messbare Effekte erzielen, zeigte die PARKEX-Studie von Magaña et al. in Barcelona (PLOS One 2026, NCT05963425) bei 24 Erkrankten im Stadium 2 nach Hoehn und Yahr.
Nach 12 Wochen verkĂŒrzte sich die Dauer im Timed Up and Go gegenĂŒber keiner Bewegung um -2,07 Sekunden (95%-KI -3,13 bis -1,28) bei Krafttraining und um -2,43 Sekunden (-3,46 bis -1,48) bei Krafttraining mit Denkaufgaben. Im einminĂŒtigen Chair-Stand-Test schnitten beide Trainingsgruppen mit median 31 beziehungsweise 19 mehr Wiederholungen signifikant besser ab (p=0,003).
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Zwischen den Trainingsgruppen gab es keine signifikanten Unterschiede bezĂŒglich Gehen (p=0,47) oder Aufstehen (p=0,19); Stimmung und LebensqualitĂ€t verĂ€nderten sich nicht signifikant. Zu den Limitationen gehörten rund 8 Personen pro Gruppe, Ausgangsunterschiede, das Fehlen einer Aufmerksamkeitskontrolle und das Ausbleiben eines Langzeit-Follow-ups.
Technologische UnterstĂŒtzung wird unterdessen auch an der Lehigh University erprobt, wo ein Team um Rui Hua am College of Health eine Virtual-Reality-Plattform mit Wearable-Sensoren zur objektiven Erfassung von Gangstörungen und Freezing of Gait in Alltagsszenarien wie TĂŒren und Fluren entwickelt.
Die Studie, gefördert durch CDAT und I-DISC in Kooperation mit Good Shepherd Rehabilitation und der Oregon State University-Cascades, prĂŒft zudem sensorische Cues zur Schritt-Synchronisation.
WĂ€hrend der Nutzen von Bewegung wissenschaftlich breit dokumentiert ist, bestehen bei der Erstattung teils erhebliche Barrieren: In Frankreich erstattet die Assurance maladie Ă€rztlich verordnete angepasste körperliche AktivitĂ€t bei Parkinson selbst mit neurologischer Verordnung nicht, wĂ€hrend klassische physiotherapeutische Rehabilitation ĂŒbernommen wird.
