Parkinson-Studie: Kognitiver Rückgang sinkt bei viel Bewegung auf 0,007 Punkte
Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 17:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Regelmäßige körperliche Aktivität gilt in der Neurologie seit langem als wichtige Säule zur Unterstützung von Patientinnen und Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen.
Eine im Fachjournal Neurology veröffentlichte Beobachtungsstudie eines Forschungsteams um Ryu von der University of Cincinnati liefert nun detaillierte Einblicke in den Zusammenhang zwischen dem zeitlichen Umfang von Bewegung und dem langfristigen Verlauf von Parkinson.
Die Untersuchung zeigt, dass ein höherer zeitlicher Trainingsaufwand eng mit einem gebremsten Abbau motorischer sowie geistiger Fähigkeiten verknüpft ist.
Deutliche Effekte bei mehr als acht Wochenstunden
Für die Analyse begleiteten die Wissenschaftler der University of Cincinnati 294 Personen mit leichtem bis mittelschwerem Parkinson und einem Durchschnittsalter von 66 Jahren über einen Zeitraum von bis zu sieben Jahren. Dabei erfassten sie die motorischen Symptome über die gesamte Beobachtungszeit von bis zu sieben Jahren, während kognitive Leistungen über bis zu fünf Jahre dokumentiert wurden.
Die Teilnehmenden wurden anhand ihrer selbstberichteten wöchentlichen Aktivität in drei Gruppen eingeteilt: bis zu vier Stunden, vier bis acht Stunden sowie mehr als acht Stunden Bewegung pro Woche.
Die Auswertungen verdeutlichen erhebliche Unterschiede je nach zeitlichem Umfang. Bei den kognitiven Fähigkeiten, gemessen anhand des Montreal-Cognitive-Assessment-Tests auf einer Skala von 0 bis 30, verzeichneten Personen mit höchstens vier Stunden Bewegung pro Woche einen durchschnittlichen jährlichen Rückgang von 0,478 Punkten.
In der Gruppe mit vier bis acht Wochenstunden fiel das Minus mit 0,090 Punkten bereits spürbar geringer aus. Bei Patientinnen und Patienten mit mehr als acht Stunden Aktivität pro Woche verringerte sich der Wert jährlich lediglich um 0,007 Punkte.
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Ein ähnliches Muster zeigte sich bei den motorischen Fähigkeiten. Auf einer Skala von 0 bis 132, bei der höhere Werte für schwerere Beeinträchtigungen stehen, verschlechterte sich der Symptomwert in der Gruppe mit bis zu vier Stunden Aktivität jährlich um 0,143 Punkte.
Bei einer Aktivität von vier bis acht Stunden sank der Wort hingegen um 0,225 Punkte pro Jahr, und bei mindestens acht Stunden wöchentlicher Bewegung verringerte er sich jährlich um 0,783 Punkte.
Auffällig war dabei ein weiteres Ergebnis der Arbeitsgruppe: Nach Berücksichtigung der reinen Aktivitätsdauer wies die Trainingsintensität keinen eigenständigen statistischen Zusammenhang mit den Krankheitsverläufen auf.
Einordnung der Befunde und laufende Studien
Die Autoren der University of Cincinnati weisen darauf hin, dass es sich um eine Beobachtungsstudie mit selbstberichteten Angaben zur Bewegung handelt. Die Daten belegen somit statistische Assoziationen, liefern jedoch keinen strikten Beweis für eine ursächliche Wirkung.
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Auch andere Analysen, die sich auf Daten der Parkinson's Progression Markers Initiative (PPMI) stützen, thematisieren Zusammenhänge zwischen Bewegung und dem kognitiven Verlauf, ohne jedoch vergleichbar spezifische Effektgrößen auszuweisen.
In der Praxis variieren die Empfehlungen zur Trainingsgestaltung. Die Parkinson-Stiftung rät Betroffenen zu einem Richtwert von mindestens 2,5 Stunden Bewegung pro Woche. Ein Forscher empfiehlt als Trainingsplan vier Einheiten pro Woche von jeweils etwa 30 Minuten bei 80 bis 85 Prozent der altersberechneten maximalen Herzfrequenz, berechnet als 220 minus Lebensalter.
Weitere Erkenntnisse zur Rolle von hochintensivem Training werden von der laufenden SPARX 3-Studie erwartet, deren Ergebnisse für das Jahr 2029 prognostiziert sind. Die aktuellen Daten aus Cincinnati unterstreichen derweil die Bedeutung eines kontinuierlichen und zeitlich ausgedehnten Bewegungspensums im Alltag.
