Parkinson-Studie mit 313 Teilnehmern: Biomarker weisen auf frühes Risiko hin
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 16:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehrere aktuelle Studien liefern neue Hinweise darauf, wie sich neurodegenerative Erkrankungen wie Parkinson und Alzheimer früher erkennen und möglicherweise durch entzündungshemmende Wirkstoffe beeinflussen lassen. Im Zentrum stehen biologische Marker, die Jahre vor dem Auftreten klassischer Symptome messbar sein könnten, sowie neue Substanzen, die in präklinischen Modellen Entzündungsprozesse im Gehirn dämpfen.
Biomarker sollen Parkinson-Risiko Jahre im Voraus anzeigen
Eine Analyse im Fachjournal Annals of Clinical and Translational Neurology untersuchte 313 Teilnehmer in einem prodromalen Stadium, also vor dem Auftreten klinischer Parkinson-Symptome. Dabei wurden die Marker miR-7-5p und NDEV-alpha-Synuclein gemessen. Im Verlauf der Nachbeobachtung entwickelten 79 der Teilnehmer, umgerechnet 25,2 Prozent, eine klinische Parkinson-Erkrankung.
Jede Einheit Anstieg des Baseline-log-miR-7-5p-Werts war mit einem 1,60-fach erhöhten Risiko für eine sogenannte Phänokonversion verbunden, bei Werten oberhalb eines datenabgeleiteten Schwellenwerts stieg das Risiko auf das 4,46-Fache, allerdings beruhte dieser Teilbefund nur auf 101 Teilnehmern mit 18 Konversionen und gilt als explorativ.
Positive Ergebnisse im sogenannten AlphaSyn-SAA-Test waren mit einem 3,62-fach erhöhten Risiko assoziiert, die Kombination aus positivem AlphaSyn-SAA-Befund und erhöhtem miR-7-5p-Wert mit einem 4,31-fachen Risiko.
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Frühere Arbeiten hatten bereits gezeigt, dass 86 Prozent der sporadischen prodromalen Patienten AlphaSyn-SAA-positiv waren, gegenüber deutlich niedrigeren Anteilen bei Trägern bestimmter genetischer Varianten. Angesichts der weltweit projizierten Zunahme der Parkinson-Prävalenz um 76 Prozent bis 2050 gewinnt die Suche nach solchen Frühmarkern an Bedeutung.
Ergänzend dazu gilt die REM-Schlaf-Verhaltensstörung (RBD) als einer der wichtigsten klinischen Vorboten einer beginnenden Parkinson-Erkrankung. Laut Dr. Michael Sommerauer vom Universitätsklinikum Bonn entwickeln 80 bis 95 Prozent der Betroffenen mit RBD innerhalb von 10 bis 15 Jahren Parkinson oder eine Parkinson-Demenz. Nach Angaben des Universitätsklinikums Bonn beginnt die Erkrankung meist deutlich vor den ersten motorischen Beschwerden.
Neue Wirkstoffkandidaten gegen Hirnentzündungen
Auf Wirkstoffseite haben Forscher der Chinese University of Hong Kong (CUHK) durch molekulares Editing aus dem Ginkgo-Wirkstoff Bilobalid den synthetischen Kandidaten BB56 entwickelt, der auf dem Vorläufer BB10 aus dem Jahr 2024 aufbaut.
In präklinischen Experimenten mit kultivierten Mikroglia-Zellen und Larvenzebrafischen mit induzierter Hirnentzündung band und hemmte BB56 das Enzym Prolyl-Endopeptidase, reduzierte die Produktion entzündlicher Moleküle und dämpfte entzündungsbezogene Signalwege sowie die Überaktivierung von Mikroglia. Für die Substanz wurden Patentanmeldungen in China, den USA und über die Weltorganisation für geistiges Eigentum eingereicht.
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Eine weitere Untersuchung identifizierte in einem Screening von 1200 klinisch genutzten Molekülen den Wirkstoff Chlorhexidin als stärksten Hemmer der Promotor-Aktivität von BACE1, einem Enzym, das an der Bildung von Amyloid-Plaques beteiligt ist.
In Zellmodellen senkte die Substanz dosisabhängig das Verhältnis bestimmter Spaltprodukte des Amyloid-Vorläuferproteins, ohne Zelltoxizität zu verursachen. Bei Mäusen mit Alzheimer-typischen Genmutationen verbesserte eine achtwöchige orale Gabe die Leistung in Gedächtnistests und reduzierte die Plaque-Last in Kortex und Hippocampus, ohne Körpergewicht oder Bewegungsfähigkeit zu beeinträchtigen.
Grenzen der aktuellen Erkenntnisse
Auch bei entzündungshemmenden Lipidprozessen gibt es neue Beobachtungen: Laborstudien zu Cannabidiol (CBD) an Nervenzellen zeigten Veränderungen in der Zusammensetzung bestimmter Fettmoleküle, auch in Zellmodellen mit einer Alzheimer-relevanten Genvariante.
Die beteiligten Forscher betonen jedoch ausdrücklich, dass bislang kein Beleg dafür vorliegt, dass CBD Alzheimer behandeln oder verhindern kann, da die Versuche nur an kultivierten Zellen stattfanden und die Übertragbarkeit auf den Menschen offen ist.
Insgesamt deuten die verschiedenen Forschungsstränge darauf hin, dass sich das Feld der neurodegenerativen Entzündungsforschung in zwei Richtungen bewegt: der Entwicklung sensitiverer Biomarker für eine frühere Diagnose und der Suche nach Wirkstoffen, die Entzündungsprozesse im Gehirn gezielt abschwächen können.
Viele der Befunde stammen jedoch aus kleinen Studien oder präklinischen Modellen, weshalb größere, unabhängige Untersuchungen nötig sind, bevor daraus klinische Anwendungen entstehen können.
