Parkinson-Therapie, Phase-3-Studie

Parkinson-Therapie: Phase-3-Studie mit rund 175 Patienten geplant

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 19:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bezisterim zeigte in einer Phase-2-Studie bei Parkinson mögliche Vorteile; weitere Forschungsarbeiten untersuchen Immunwege und Long-Covid.
Ein Labormikroskop und eine Petrischale auf einer weißen Oberfläche in einer sterilen, klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die gezielte Reduktion von Entzündungsprozessen im Gehirn neue therapeutische Perspektiven bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Parkinson sowie bei Long-Covid eröffnen könnte. Verschiedene klinische und präklinische Studien untersuchen Mechanismen, die über die reine Symptombehandlung hinausgehen und direkt an entzündlichen Signalwegen ansetzen.

Klinische Studien testen neue Wirkstoffe bei Parkinson

Das Unternehmen Biovie hat Daten seiner Phase-2-Studie SUNRISE-PD (NCT06757010) vorgelegt, an der 57 Patienten mit früher Parkinson-Krankheit teilnahmen. Untersucht wurde die Gabe von zweimal täglich 20 mg Bezisterim im Vergleich zu Placebo über einen Zeitraum von zwölf Wochen. Der Wirkstoff Bezisterim (NE3107) zielt auf Hirnentzündungen und die Insulinsensitivität ab.

In der Gesamtkohorte der Studie zeigten 25 Prozent der Behandelten unter Bezisterim eine klinisch bedeutsame Verbesserung des Composite Benefit Score (CBS), verglichen mit 4 Prozent in der Placebogruppe. Eine Verschlechterung trat bei 14 Prozent der Patienten unter Bezisterim und bei 46 Prozent unter Placebo auf.

Schwere unerwünschte Ereignisse wurden nicht verzeichnet; neben motorischen und nichtmotorischen Symptomen verbesserten sich auch Werte einer Schlafskala. In einer Subgruppe von 27 Patienten mit Thrombozytenwerten über 230 Mrd./l ergaben sich signifikant bessere MDS-UPDRS-Scores für motorische und nichtmotorische Symptome sowie beim CBS gegenüber Placebo.

Die Ergebnisse wurden auf der 151. Jahrestagung der American Neurological Association in San Diego vorgestellt. Biovie plant eine Phase-3-Studie mit rund 175 Patienten und hat dafür ein Beratungstreffen mit der US-Arzneimittelbehörde FDA beantragt.

Einen präventiven Ansatz verfolgt die Yale-geführte PRISMS-Studie. Sie untersucht den Einsatz von Adalimumab gegen Placebo über zwei Jahre bei Personen im Alter von 50 bis 80 Jahren, die an einer bestätigten REM-Schlafverhaltensstörung (RBD) sowie Geruchsverlust leiden.

Bis zu 90 Prozent der RBD-Fälle gehen im Verlauf in Parkinson oder eine verwandte Hirnerkrankung über; Studienleiter Jesse Cedarbaum beziffert diese Übergangsrate auf 6 Prozent pro Jahr über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren.

Da frühere Analysen erhöhte weiße Blutkörperchen im Nervenwasser bei RBD nachwiesen, steht der TNF-Signalweg im Fokus der Untersuchung, für die an 15 Standorten in den USA und Kanada der erste Teilnehmer eingeschlossen wurde.

In einer an der University of California, San Francisco (UCSF) durchgeführten Pilotstudie erhielten 12 Parkinson-Patienten im Alter von 40 bis 75 Jahren (Mittelwert 63,2 Jahre, 5 Frauen, Stadien 1 bis 3 nach Hoehn & Yahr) zwei Dosen Psilocybin im Abstand von zwei Wochen in Kombination mit Psychotherapie.

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Bei 9 Teilnehmenden sank der Entzündungsindex (SMD) einen Tag nach der ersten Dosis auf -0,72, nach der zweiten Dosis auf -0,60 und nach 30 Tagen auf -0,62. Die Werte für IL-6, IL-8 und CRP lagen am Tag nach der ersten Dosis signifikant niedriger, während IL-10 anstieg; zudem verringerte sich der Mitochondrienstress-Marker GDF15 nach jeder Dosis signifikant, während FGF-21 nicht signifikant erhöht war.

Die in JAMA Psychiatry publizierte Studie weist methodische Limitationen auf, darunter ein offenes Design, das Fehlen einer Kontrollgruppe und eine kleine Stichprobengröße.

Immunologische Schnittstellen und zelluläre Mechanismen

Erkenntnisse zu den Wegen des Immunsystems liefert eine in Nature Neuroscience veröffentlichte Untersuchung um David Holtzman von der Washington University in St. Louis. Demnach werden CD8+ T-Zellen über konventionelle dendritische Zellen des Typs 1 (cDC1s) aktiviert und können in das Gehirn einwandern, wo sie zu Neuroinflammation und Neurodegeneration beitragen.

Bei Tau-Mäusen reduzierte das experimentelle Ausschalten von cDC1-Funktionen oder das Stören der Kreuzpräsentation die Entzündungs- und Degenerationszeichen deutlich, und die Zahl der einwandernden CD8+ T-Zellen sank erheblich, während die Tau-Menge im Gehirn weitgehend unbeeinflusst blieb.

Da diese Aktivierung vermutlich in tiefen Halslymphknoten außerhalb des Gehirns erfolgt, könnten künftige Wirkstoffe möglicherweise nicht zwingend die Blut-Hirn-Schranke überwinden müssen.

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Eine Übersichtsarbeit des Huashan Hospital der Fudan University beschreibt die Rolle des cGAS–STING-Signalwegs bei Alterungsprozessen: Gelangt geschädigte nukleäre oder mitochondriale DNA ins Zytoplasma, wird die zytosolische dsDNA durch cGAS erkannt, woraufhin cGAMP STING aktiviert und Entzündungskaskaden auslöst.

Durch nachlassende Autophagie-Lysosom-Clearance kann daraus eine chronische Entzündung entstehen, die mit Krankheiten wie Parkinson oder Alzheimer verknüpft ist. Klinisch belegte Therapien existieren hierfür bislang nicht.

An der TU Braunschweig untersuchen Forschende im Rahmen eines durch die VolkswagenStiftung mit rund 2,2 Millionen Euro geförderten Projekts (Laufzeit vom 1. Januar 2027 bis 31. Dezember 2029) die Hypothese, ob reaktivierte latente Herpesviren in Nervenzellen neurodegenerative Prozesse begünstigen.

Cytomegalieviren sind bei rund 70 Prozent der Erwachsenen latent vorhanden; ob dieser Mechanismus tatsächlich eine Rolle spielt, ist wissenschaftlich noch offen.

Entzündungsreaktionen bei Long-Covid

Auch bei fortbestehenden Beschwerden nach Infektionen stehen Entzündungsmuster im Mittelpunkt wissenschaftlicher Analysen. Eine im Fachjournal Frontiers in Pharmacology erschienene Übersichtsarbeit italienischer und israelischer Institute hebt hervor, dass der JAK/STAT-Signalweg akute Zytokinstürme bei Covid-19 mit anhaltenden Long-Covid-Symptomen wie Fatigue, Gelenkschmerzen oder kognitiven Beeinträchtigungen verbindet. JAK-Inhibitoren werden in der Literatur als mögliche Behandlungsansätze diskutiert.

Zudem stellten Forschende der University of Dundee bei Patienten mit sehr schweren Langzeitfolgen eine veränderte Zusammensetzung des Mikrobioms in Mund und Lunge fest. Diese ging mit einer Häufung milchsäureproduzierender Bakterien und Entzündungszeichen im Blut einher, wobei unklar bleibt, ob diese Veränderungen vor der Infektion bestanden oder durch sie ausgelöst wurden.

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