Parkinson-Therapie: Wöchentliches Tischtennis verbessert Motorik messbar
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 11:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Tischtennis gewinnt als therapeutische und leistungssportliche Disziplin für Menschen mit neurodegenerativen Erkrankungen zunehmend an Bedeutung. Ein Beispiel für diese Entwicklung ist Bettina Lahn aus Fulda, die beim KSV Niesig aktiv ist.
Die 61-Jährige startet als Anfängerin bei der PingPongParkinson-Weltmeisterschaft in Hannover, die vom 26. bis zum 30. September 2026 ausgetragen wird. Lahn, die seit etwas mehr als einem halben Jahr Tischtennis spielt und sich zusätzlich mit einer Virtual-Reality-Brille vorbereitet, ist eine von schätzungsweise 400.000 Parkinson-Erkrankten in Deutschland.
Rekordbeteiligung bei den Titelkämpfen in Hannover
Das Turnier im Sportpark Hannover markiert die siebte Auflage des Wettbewerbs und ist nach der Premiere 2021 in Berlin die zweite Austragung auf deutschem Boden.
Bei der Veranstaltung zeichnet sich ein deutlicher Zuwachs ab: Berichten zufolge sind 800 beziehungsweise 813 Parkinson-Erkrankte aus 35 Ländern gemeldet – so viele Teilnehmende wie nie zuvor. Ein Jahr zuvor waren bei den Titelkämpfen in Italien etwas mehr als 300 Aktive aus 26 Nationen angetreten.
Gespielt wird an 90 Tischen in drei Hallen. Neben Einzelkonkurrenzen stehen Doppel- und Mixed-Wettbewerbe auf dem Programm, wobei die Aktiven nach ihrem individuellen Handicap in Leistungsklassen eingeteilt werden. An allen fünf Turniertagen werden Partien über den offiziellen YouTube-Kanal von PingPongParkinson im Livestream übertragen.
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Von lokalen Stützpunkten zur internationalen Bühne
Im Teilnehmerfeld treffen Neulinge auf erfahrene Akteure. So tritt Thorsten Flues von der DJK Avenwedde als elffacher Weltmeister zur Titelverteidigung an. Der Stützpunkt aus Avenwedde ist insgesamt mit sieben Sportlern in Hannover vertreten, darunter eine ehemalige Profispielerin. Auch aus anderen Regionen reisen Delegationen an: Andrea Köster nimmt gemeinsam mit drei weiteren Spielern aus dem Kreis Kleve an den Weltmeisterschaften teil.
Parallel dazu wächst die Vereinslandschaft an der Basis. Der TTV Rees-Groin wurde für sein Projekt „PingPongParkinson“ mit dem von der Stadt Rees und Westenergie vergebenen LokalStars-Award ausgezeichnet, der mit 500 Euro dotiert ist. In der dortigen Gruppe trainieren Teilnehmende unter Anleitung einer ausgebildeten Trainerin mit angepasster Intensität.
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Der Verein plant, das Sportangebot künftig auch für Menschen mit anderen Langzeiterkrankungen zu öffnen; bei einer Bewerbung bis zum 31. Mai besteht im Regionalentscheid die Aussicht auf ein Preisgeld von bis zu 5.000 Euro.
Wissenschaftliche Einordnung und therapeutischer Nutzen
Hinter der sportlichen Bewegung steht auch ein medizinischer Ansatz. Erste Studien und Befragungen deuten darauf hin, dass regelmäßige Aktivität am Tischtennistisch messbare Effekte erzielen kann.
Wer über einen Zeitraum von sechs Monaten mindestens einmal wöchentlich trainiert, zeigt Verbesserungen bei Motorik, Gleichgewicht und der Bewältigung von Alltagsaufgaben. Gleichwohl betonen Fachleute, dass die Datenlage bislang begrenzt ist und der Sport nicht als Ersatz, sondern als flankierende Maßnahme zu Medikamenten und Physiotherapie verstanden werden sollte.
