Passivrauchen, Milliarden

Passivrauchen: 2,71 Milliarden Menschen gefÀhrdet, 1,66 Millionen TodesfÀlle

Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 02:11 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine globale Analyse beziffert die Folgen des Passivrauchens auf 1,66 Millionen vorzeitige TodesfÀlle und 44,8 Millionen verlorene Lebensjahre.

Passivrauch belastet 2,71 Milliarden Menschen weltweit
Eine trĂŒbe, atmosphĂ€rische Szene in einem Innenraum mit diffusem Licht, das Staubpartikel in der Luft sichtbar macht. Illustration mit AI erstellt.

Umfangreiche statistische Auswertungen im Rahmen der Studie „Global Burden of Disease 2023“, die in der Fachzeitschrift The Lancet Public Health veröffentlicht wurde, verdeutlichen die anhaltend hohe GesundheitsgefĂ€hrdung durch Passivrauch. Den Ergebnissen zufolge waren im Jahr 2023 weltweit rund 2,71 Milliarden Menschen dieser Belastung ausgesetzt.

Besonders betroffen zeigten sich vulnerable Gruppen: Etwa 767 Millionen Kinder unter 15 Jahren atmeten unfreiwillig Tabakrauch ein. Die gesundheitlichen Konsequenzen sind gravierend und trugen im Erfassungszeitraum zu schÀtzungsweise 1,66 Millionen vorzeitigen TodesfÀllen sowie dem Verlust von 44,8 Millionen gesunden Lebensjahren (DALYs) bei.

Demografische Entwicklung und regionale Schwerpunkte

Die Analyse, welche Daten aus 204 LĂ€ndern fĂŒr den Zeitraum von 1990 bis 2023 umfasst, zeichnet ein differenziertes Bild der globalen Exposition. Zwar sank die altersstandardisierte Expositionsrate seit 1990 um 22,2 %, was einem RĂŒckgang der Quote von 43,6 % auf 33,9 % im Jahr 2023 entspricht.

Dennoch blieb die absolute Zahl der betroffenen Personen aufgrund des weltweiten Bevölkerungswachstums stabil beziehungsweise stieg leicht an – von 2,38 Milliarden im Jahr 1990 auf den aktuellen wert von 2,71 Milliarden.

Regional zeigen sich deutliche Unterschiede. Die höchste Belastung verzeichneten die Gebiete SĂŒdostasien, Ostasien und Ozeanien, wo die Expositionsrate bei 48,4 % lag.

Zudem weisen die Daten darauf hin, dass Frauen ĂŒberproportional hĂ€ufig von den negativen Folgen des Passivrauchens betroffen sind. Trotz internationaler BemĂŒhungen zum Nichtraucherschutz leben laut dem Bericht weiterhin 70 % der Weltbevölkerung in Regionen ohne umfassende gesetzliche Rauchverbote.

Systemische Risiken und die Rolle von Nikotin

ErgĂ€nzende Erkenntnisse lieferte eine Übersichtsarbeit in Nature Reviews Cardiology. FĂŒr das Jahr 2023 wird die Zahl der aktiven Raucher weltweit auf eine Milliarde beziffert. WĂ€hrend der direkte Tabakkonsum fĂŒr 5,81 Millionen TodesfĂ€lle verantwortlich gemacht wird, unterstreicht die Arbeit die zusĂ€tzliche Gefahr durch Passivrauch mit ebenfalls 1,66 Millionen Opfern.

Medizinisch stehe fest, dass Nikotin unabhĂ€ngig von der Darreichungsform BlutgefĂ€ĂŸe schĂ€dige, etwa durch die Verursachung endothelialer Dysfunktion und oxidativen Stress. Experten betonen in diesem Zusammenhang, dass kein nikotinhaltiges Produkt als risikofrei eingestuft werden könne. Der sogenannte „EU Safe Hearts Plan“ fordere vor diesem Hintergrund bereits eine strengere Regulierung von Nikotin an sich.

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Auswirkungen auf die reproduktive Gesundheit

Ein aktueller Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) befasst sich zudem mit den Auswirkungen auf die FertilitĂ€t. Rauchende Frauen weisen demnach ein 1,4-fach erhöhtes Risiko fĂŒr InfertilitĂ€t auf; bei Passivrauchexposition steige dieses Risiko um den Faktor 1,2. Ein Rauchstopp könne das Risiko fĂŒr ehemalige Raucherinnen hingegen um 25 % senken.

Auch alternative Produkte stehen in der Kritik. Laut einer US-Studie ist die Nutzung von E-Zigaretten mit einer um 20 % verringerten FertilitĂ€t assoziiert. Bei MĂ€nnern werden zudem Erektionsstörungen und Ejakulationsprobleme als Folgen des Konsums angefĂŒhrt. Besonders deutlich zeige sich die Belastung in der Reproduktionsmedizin: Zigarettenrauch könne den Erfolg von In-vitro-Fertilisationen (IVF) halbieren.

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Nationale Trends am Beispiel Österreichs

In Österreich zeigen sich spezifische Entwicklungen beim Konsumverhalten und der Gesetzgebung. WĂ€hrend der Anteil der klassischen Zigarettenraucher von 24 % im Jahr 2012 auf 16 % im Jahr 2024 zurĂŒckging, stieg die Nutzung alternativer Nikotinprodukte im selben Zeitraum auf 17 % an.

Das Einstiegsalter hat sich zudem massiv nach unten verschoben: Lag es in den 1930er-Jahren noch bei 20 Jahren, liegt es seit den 2000er-Jahren bei durchschnittlich 15 Jahren. Aktuell rauchen bereits 7 % der unter 15-JĂ€hrigen.

Um die Umweltbelastung und gesundheitliche Risiken fĂŒr Kinder zu reduzieren, gelten in Österreich seit August Verbote fĂŒr das Wegwerfen von Zigarettenstummeln auf SpielplĂ€tzen. VerstĂ¶ĂŸe können hier mit Geldstrafen von bis zu 2.000 Euro geahndet werden. Neben den allgemeinen Gesundheitsrisiken wurden bei Kindern weltweit zudem 5,2 Millionen Atemwegsinfektionen registriert, die in direktem Zusammenhang mit der Passivrauchexposition stehen.

Mehr zum Thema bei Kurier: „Passivrauchen: Fast 1,7 Millionen TodesfĂ€lle im Jahr 2023“

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