Passkeys, MFA

Passkeys statt MFA: Microsoft und Singpass setzen auf phishing-resistente Authentifizierung

Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 20:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de

KI-gestützte Phishing-Angriffe steigen um 1200 Prozent, Mobilgeräte besonders betroffen. Experten empfehlen Passkeys als Schutz.

KI-Phishing explodiert: 1200 Prozent mehr Angriffe im Jahr 2026
Ein modernes Smartphone-Display zeigt eine sichere biometrische Authentifizierung mit einem digitalen Schlüsselsymbol. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Bedrohungslage durch Cyberkriminalität hat sich im bisherigen Jahresverlauf massiv verschärft. Aktuelle Daten belegen, dass die Zahl der durch künstliche Intelligenz (KI) unterstützten Phishing-Angriffe um 1200 Prozent gestiegen ist. Laut Analysen von Cisco Talos war Phishing im zweiten Quartal 2026 für über 50 Prozent aller registrierten Sicherheitsvorfälle verantwortlich, während dieser Anteil im ersten Quartal noch bei etwa 33 Prozent gelegen hatte.

Wachsende Gefahr für Mobilgeräte und spezialisierte Angriffsformen

Besonders im mobilen Sektor beobachten Experten eine drastische Zunahme der Aktivitäten. Die Zahl der Phishing-Ereignisse auf Mobilgeräten stieg seit Januar 2025 um 380 Prozent, wobei die Klickraten auf schädliche Links um 110 Prozent zunahmen. Inzwischen enthalten etwa 86 Prozent der Angriffe KI-Elemente, die zur Personalisierung oder Automatisierung genutzt werden. Zudem wurde auf fast jedem zehnten Gerät Spyware identifiziert, was einer Vervierfachung entspricht.

Neben klassischen E-Mail-Angriffen rückt Voice Phishing (Vishing) verstärkt in den Fokus. Hier verzeichneten Analysten einen Zuwachs von 442 Prozent im Vergleich des zweiten Halbjahres 2024 zum ersten Halbjahr. Auffällig ist laut Berichten, dass Mitarbeiter deutlich häufiger auf Vishing-Anrufe hereinfallen als auf betrügerische E-Mails. In einer Kampagne über Microsoft Teams gelang es Angreifern, bereits 17 Stunden nach dem Erstkontakt Ransomware zu platzieren.

Herausforderungen in Microsoft-Umgebungen und neue Angriffsvektoren

Ein Schwerpunkt der Kriminellen liegt auf dem Missbrauch von Authentifizierungsdaten, was in 65 Prozent der untersuchten Incident-Response-Fälle eine Rolle spielte. Insbesondere das sogenannte Device-Code-Phishing nimmt zu: Innerhalb von nur vier Wochen wurden rund 7 Millionen solcher Angriffe registriert, wovon 99 Prozent gezielt gegen Microsoft-Umgebungen gerichtet waren. Dabei werden Nutzer oft über manipulierte Webdienste oder Phishing-as-a-Service-Plattformen wie Logokit getäuscht, die in Echtzeit personalisierte Seiten erstellen.

Zudem warnen Sicherheitsbehörden vor der Gruppe Storm-2945 (auch als Midnight Blizzard bekannt), die seit Anfang Mai weltweit Hotel-WLANs kompromittiert. Durch die Manipulation von DNS- und HTTP-Anfragen werden Nutzer auf gefälschte Anmeldeseiten umgeleitet, um Microsoft-365-Zugangsdaten zu entwenden. Auch Sicherheitslücken in bestehender Software werden aktiv ausgenutzt. Die Gruppe TA488 nutzt seit Ende Juli eine Schwachstelle in Outlook Web Access (CVE-2026-42897), um Anmeldedaten und Tokens zu stehlen, obwohl ein entsprechender Patch bereits im Juni bereitgestellt wurde.

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Prävention durch Passkeys und technologische Aufrüstung

Da klassische Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) zunehmend durch Echtzeit-Phishing ausgehebelt wird, raten Experten und Behörden wie das LKA Schleswig-Holstein verstärkt zum Einsatz von Passkeys und FIDO2-Sicherheitsschlüsseln. Diese Verfahren gelten als phishing-resistent, da sie an legitime Domains gebunden sind und nicht einfach durch gefälschte Webseiten abgegriffen werden können.

Die Industrie reagiert auf diese Entwicklung: Microsoft hat Ende Juli die Edge-Version 151.0.4129.59 veröffentlicht, die eine Passkey-Synchronisierung für Unternehmen einführt. Auch auf staatlicher Ebene werden solche Technologien implementiert. In Singapur führt der Dienst Singpass seit Juli 2026 Passkeys ein, um finanzielle Verluste durch Identitätsdiebstahl zu minimieren, die im Jahr 2025 fast 40 Millionen US-Dollar betrugen.

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In Deutschland erhöhen laut aktuellen Marktdaten 64 Prozent der Unternehmen ihre Investitionen in die Cybersicherheit. Dabei investieren 55 Prozent gezielt in den Schutz vor Phishing. Ein Drittel der Unternehmen gibt an, dass der notwendige Schutz vor KI-gestützten Angriffen ein wesentlicher Treiber für die Budgeterhöhungen sei. Neben technologischen Lösungen betonen Organisationen wie der Weiße Ring die Bedeutung von Präventionsmaßnahmen, wie der Verwendung starker Passwörter und der regelmäßigen Kontrolle von Kontoauszügen auf betrügerische Abbuchungen.

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