Patientensteuerung, Reinhardt

Patientensteuerung: Reinhardt plant Hausarzt-Pflicht ab 2028

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 13:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Klaus Reinhardt wirbt für ein verbindliches Hausarztmodell ab 2028, während Honorarkürzungen und neue Vergütungsregeln bevorstehen.

Gesundheitssystem: Hausarztmodell und neue Finanzierungspläne
Ein heller, leerer Warteraum einer modernen Arztpraxis mit minimalistischem Mobiliar und natürlichem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Diskussion um eine effizientere Steuerung von Patientenströmen im deutschen Gesundheitssystem hat Ende August 2026 neue Impulse erhalten. Im Zentrum steht der Vorschlag von Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt, den direkten Zugang zu Fachärzten durch ein System von Anreizen und Nachteilen zu regulieren.

Hintergrund dieser Initiative ist die hohe Inanspruchnahme medizinischer Leistungen in Deutschland, die laut aktuellen Daten bei durchschnittlich 9,7 Arzt-Patienten-Kontakten pro Jahr und 220 stationären Fällen pro 1000 Einwohner liegt.

Vorschlag für ein gestuftes Versorgungssystem ab 2028

Der Entwurf des Bundesärztekammer-Präsidenten sieht die Einführung eines verbindlichen Primärversorgungssystems vor, das für das Jahr 2028 angestrebt wird. In diesem Modell soll der Hausarzt als erste Anlaufstelle fungieren und die weitere Behandlung koordinieren.

Patienten, die diesen Weg einhalten, könnten durch kürzere Wartezeiten bei Fachärzten belohnt werden. Umgekehrt fordert Reinhardt Konsequenzen für Versicherte, die ohne Überweisung direkt einen Facharzt aufsuchen. Diese müssten in einem solchen Fall längere Wartezeiten in Kauf nehmen.

Unterstützung erhält dieser Vorstoß vom Hausärzteverband, der ebenfalls klare Konsequenzen für die Umgehung der hausärztlichen Ebene fordert. Damit solle eine gezieltere Patientensteuerung erreicht werden.

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Kritisch äußerten sich hingegen Patientenschützer Ende August 2026. Sie bemängeln die geforderten Einschränkungen für Patienten bei der Wahl ihres Facharztes. Reinhardt selbst positionierte sich zudem gegen eine generelle Krankschreibungspflicht ab dem ersten Tag der Arbeitsunfähigkeit, um die Praxen nicht zusätzlich zu belasten.

Finanzielle Rahmenbedingungen und Honorarentwicklungen

Die strukturellen Änderungswünsche fallen in eine Zeit erheblicher finanzieller Diskrepanzen in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Nach Angaben der Bundesregierung haben sich die Ausgaben der GKV im Zeitraum von 2010 bis 2025 verdoppelt, während die Einnahmen lediglich auf das 1,8-Fache stiegen. Trotz dieser Entwicklung sieht die Regierung die Versorgungsqualität durch bisherige Sparpakete nicht gefährdet.

Für das Jahr 2027 prognostiziert die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) jedoch spürbare Honorareinbußen für Mediziner. Demnach müssten Fachärzte mit einem Rückgang von 29.937 Euro rechnen.

Für Haus- und Kinderärzte wird ein Minus von 2.403 Euro erwartet, während im Bereich der ambulanten Operationen Einbußen von 3.629 Euro pro Arzt im Raum stehen. Auch die Vergütung für die elektronische Patientenakte (ePA) soll laut KBV um 7.465 Euro sinken.

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Parallel dazu bereitet die Finanzkommission Gesundheit Strukturreformen vor, die in einem für den 18. Dezember angekündigten Bericht konkretisiert werden sollen. Geplant ist eine Abkehr von der rein arztzentrierten Honorierung hin zu einer teamorientierten Vergütung. In diesem Rahmen könnten künftig auch sogenannte Physician Assistants in Primärversorgungszentren stärker eingebunden werden, um das System zu entlasten.

Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel in ländlichen Regionen

Neben der Patientensteuerung bleibt die Personalgewinnung ein zentrales Thema. Die Bundesärztekammer fordert hierfür eine verstärkte Gewinnung ausländischer Mediziner. Regionale Initiativen wie der Südwestfälische Praxisbörsentag in Meschede, der für den 9. September 2026 geplant ist, versuchen zudem, Ärzte gezielt für ländliche Gebiete zu begeistern.

Erfolge zeigen sich bereits bei speziellen Ausbildungsprogrammen. In Sachsen haben Ende August 2026 insgesamt 19 Absolventen eines bereits 2013 gestarteten Modellprojekts ihre Facharztausbildung begonnen. Das Programm, an dem insgesamt 250 Teilnehmer beteiligt sind, verpflichtet die angehenden Mediziner zur späteren Tätigkeit als Landarzt außerhalb der Ballungszentren wie Dresden oder Leipzig.

Für die stationäre und sektorenübergreifende Versorgung einigten sich der GKV-Spitzenverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft und die Private Krankenversicherung auf eine neue Vergütungsstruktur ab Januar 2027. Diese sieht für entsprechende Einrichtungen eine Strukturpauschale von 182.734 Euro pro Bett und Jahr sowie eine Sachkostenpauschale von 95 Euro pro Belegungstag vor. Der Fokus dieser Regelung liegt vor allem auf den Fachbereichen Innere Medizin und Geriatrie.

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