Gehtraining, Operation

pAVK-Therapie: Gehtraining schlĂ€gt Operation – neue Leitlinie

Veröffentlicht: 19.06.2026 um 12:12 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Die aktualisierte S3-Leitlinie priorisiert strukturiertes Gehtraining vor operativen Eingriffen bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit.

pAVK-Therapie: Neue Leitlinie setzt auf Gehtraining statt OP
Nahaufnahme von Beinen und FĂŒĂŸen einer Person, die auf einem Weg geht, um die Bewegung beim Gehtraining darzustellen. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Bei der Behandlung der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) setzen Ärzte kĂŒnftig verstĂ€rkt auf konservative Methoden. Strukturiertes Gehtraining gilt bei der sogenannten Schaufensterkrankheit als vorrangige Therapieoption.

Leitlinien priorisieren konservative Maßnahmen

pAVK-Patienten haben oft schlechtere Überlebensraten als Menschen mit koronarer Herzkrankheit. Dabei leidet nur etwa jeder zehnte Betroffene unter den typischen Symptomen der Claudicatio intermittens.

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Die aktuelle S3-Leitlinie schreibt bei diesen Patienten ein primĂ€res Gehtraining ĂŒber drei bis sechs Monate vor. Erst danach kommt eine operative Wiederherstellung der GefĂ€ĂŸdurchlĂ€ssigkeit (Revaskularisation) in Betracht. Ausgenommen sind Patienten mit einer kritischen ExtremitĂ€tenischĂ€mie (CLTI) – sie benötigen sofortige operative Eingriffe.

Die Herausforderung: Viele Patienten halten das Training nicht durch, und spezielle GefĂ€ĂŸsportgruppen sind oft Mangelware. Die Angiologin Gesine Dörr betont in aktuellen FachbeitrĂ€gen, dass Ärzte Patienten trotz dieser HĂŒrden konsequent zum GefĂ€ĂŸtraining motivieren mĂŒssen.

Schmerz als TherapieschlĂŒssel

Die IntensitĂ€t der Belastung entscheidet ĂŒber den Erfolg. Eine Studie aus Chicago zeigt: Nur Gehtraining, das bewusst in den schmerzhaften Bereich hineinfĂŒhrt, verlĂ€ngert die schmerzfreie Gehstrecke signifikant. Schmerzfreie Übungseinheiten erzielten dagegen kaum Effekte.

Der Trend zu bewegungsorientierten Therapien zeigt sich auch anderswo. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat am 18. Juni die Anforderungen fĂŒr Disease-Management-Programme (DMP) bei chronischem RĂŒckenschmerz aktualisiert. Auch hier steht die Förderung körperlicher AktivitĂ€t im Zentrum.

Medikamente im Zusammenspiel

Die konservative Therapie der pAVK wird durch ein striktes medikamentöses Management ergÀnzt. Standard sind Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS oder Clopidogrel sowie eine aggressive Senkung der LDL-Cholesterinwerte auf unter 55 mg/dl.

Auch GLP-1-Rezeptoragonisten werden zunehmend relevant. Eine auf dem ENDO-Kongress vorgestellte Studie zeigt jedoch: Die körperliche AktivitĂ€t sinkt bei Patienten nach Beginn einer GLP-1-Therapie im Durchschnitt. FĂŒr das pAVK-Management bedeutet das eine zusĂ€tzliche Herausforderung – der positive Medikamenteneffekt darf nicht durch Bewegungsmangel konterkariert werden.

Digitale Helfer in Sicht

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Um die Therapietreue zu steigern, gewinnen digitale Angebote an Bedeutung. Spezialisierte Apps fĂŒr pAVK-Patienten stehen zwar noch nicht flĂ€chendeckend zur VerfĂŒgung, andere Bereiche zeigen bereits funktionierende Modelle.

Eine große Krankenkasse bietet ab Juli in Berlin und Brandenburg ein kombiniertes Konzept aus Physiotherapie und App-UnterstĂŒtzung fĂŒr Arthrose-Patienten an. Der bundesweite Rollout ist geplant. Solche hybriden AnsĂ€tze könnten kĂŒnftig auch die VersorgungslĂŒcken beim Gehtraining fĂŒr pAVK-Patienten schließen.

Kommunale Initiativen ergĂ€nzen das Angebot. In Berlin-Spandau gibt es von Mai bis Oktober wöchentliche Walking-Termine fĂŒr Senioren. Die gelenkschonende AusdauerstĂ€rkung leistet einen Beitrag zur primĂ€ren und sekundĂ€ren PrĂ€vention von GefĂ€ĂŸerkrankungen.

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