PayPal baut Krypto-Sparte auf: PYUSD soll Kerngeschäft werden
Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 10:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
PayPal baut sein Geschäft radikal um: Der Zahlungsriese macht Stablecoins zum zentralen Baustein seiner Zukunft. Nach durchwachsenen Quartalszahlen will das Unternehmen mit einer neuen Krypto-Sparte und milliardenschweren Einsparungen wieder in die Erfolgsspur finden.
Der US-Zahlungsdienstleister hat nach der Vorlage seiner Geschäftszahlen für das zweite Quartal 2026 eine eigene Abteilung namens Payment Services & Crypto gegründet. Sie soll das wachsende Digital-Asset-Geschäft bündeln und vorantreiben. Für den deutschen Markt ist das relevant: PayPal ist auch hierzulande einer der meistgenutzten Online-Bezahldienste – und die Weichenstellungen in den USA dürften bald auch europäische Kunden betreffen.
Solide Zahlen, aber sinkende Margen
Im zweiten Quartal 2026 verarbeitete PayPal ein Gesamtzahlungsvolumen von umgerechnet rund 448 Milliarden Euro – ein Plus von zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg auf etwa acht Milliarden Euro, ein Zuwachs von fünf Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie lag mit 1,38 Dollar über den Erwartungen der Analysten, die lediglich mit 1,28 Dollar gerechnet hatten.
Doch es gibt einen Wermutstropfen: Die bereinigte operative Marge fiel um 248 Basispunkte auf 17,4 Prozent. Ein Grund für den Strategiewechsel. CEO Enrique Lores kündigte deshalb einen mehrjährigen Transformationsplan an. Bis Ende 2026 sollen 400 Millionen Dollar eingespart werden, bis 2029 sogar 1,5 Milliarden Dollar. Der Fahrplan sieht eine organisatorische Verschlankung bis 2027 vor, gefolgt von effizienterem Marketing bis 2028. Ab 2029 soll dann Künstliche Intelligenz breit zum Einsatz kommen.
Inmitten dieser Neuaufstellung lehnte PayPal übrigens ein Übernahmeangebot von Stripe und Advent ab, das das Unternehmen mit 60,50 Dollar je Aktie bewertet hatte.
PYUSD: Rückschlag und Neustart zugleich
Stablecoins sind zum wichtigsten Wachstumsfeld des Konzerns geworden. Die Umlaufmenge des eigenen Stablecoins PYUSD lag Mitte Juli 2026 bei rund 2,8 Milliarden Dollar. Das ist ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Höchststand von vier Milliarden Dollar im März dieses Jahres.
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Um die Akzeptanz zu steigern, ging PayPal am 9. Juli eine Partnerschaft mit Paxos ein und brachte PYUSD auf das Polygon-Netzwerk. Damit ist der Stablecoin nun in 70 Märkten verfügbar. Bereits seit Dezember zahlt YouTube US-amerikanische Content-Ersteller über PYUSD aus. Trotz eines Nettoverlusts von 81 Millionen Dollar bei Krypto-Investitionen im zweiten Quartal hält das Unternehmen an seiner Strategie fest.
DeFi-Infrastruktur als Rückgrat
Für die nötige Liquidität setzt PayPal auf neue dezentrale Finanzstrukturen. Das Protokoll Spark aus dem Sky-Ökosystem hat sich zum B2B-Dienstleister für große Tech-Firmen entwickelt – darunter PayPal und auch der Handelsplattform-Betreiber Robinhood.
Spark hat kürzlich rund 150 Millionen Dollar an Stablecoin-Liquidität in Uniswap-v4-Pools verschoben und dabei USDS mit USDT und PYUSD gepaart. Das ist Teil einer sogenannten Stablecoin-FX-Schicht, die gemeinsame Liquidität bündeln soll. In den ersten 30 Tagen als Backend-Anbieter hat Spark Stablecoin-Swaps im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar vermittelt – das entspricht rund 30 Prozent des Stablecoin-zu-Stablecoin-Volumens auf Uniswap.
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Der Wettbewerb verschärft sich: Robinhood sammelte kürzlich 200 Millionen Dollar in nur 24 Stunden für seinen Earn-Vault ein, der über Sparks Infrastruktur Renditen auf den USDG-Stablecoin bietet. Spark verwaltet derzeit außerbörsliche Kredite von 260 Millionen Dollar und will diese bis Jahresende auf eine Milliarde Dollar steigern.
Branche blickt optimistisch in die Zukunft
Die Erwartungen an das Geschäft mit Onchain-Finanzen sind hoch. Spark-CEO Sam MacPherson prognostiziert, dass Onchain-Zahlungen bis 2030 ein Volumen von drei Billionen Dollar erreichen könnten. Auch die Großbank Standard Chartered rechnet damit, dass die gesamten DeFi-Vermögenswerte bis Ende des Jahrzehnts auf 2,7 Billionen Dollar anwachsen.
Für PayPal ist der Schwenk hin zur Krypto-Infrastruktur mehr als ein Experiment: Es ist der Versuch, die sinkenden Margen zu stabilisieren und sich ein Stück vom Kuchen des wachsenden digitalen Zahlungsmarkts zu sichern – während der Konzern gleichzeitig sein Effizienzprogramm bis 2029 vorantreibt. Ob der Plan aufgeht, wird sich zeigen. Die Richtung aber ist klar: PayPal soll beim Geld der Zukunft ganz vorn mitspielen.
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