PayPal, Krise

PayPal in der Krise: Apple Pay überholt Zahlungsriesen

28.05.2026 - 07:09:22 | boerse-global.de

PayPal verliert Marktanteile an Apple Pay und Fintechs. Neuer Chef Lores setzt auf KI und eine Dreiteilung des Konzerns.

Devon Energy Gains Favor on Wall Street Following Strategic Update - Foto: über boerse-global.de
Devon Energy Gains Favor on Wall Street Following Strategic Update - Foto: über boerse-global.de

Das Wachstum des Kerngeschäfts ist nahezu zum Erliegen gekommen, während Apple Pay, Shopify und eine Reihe von Fintechs kräftig Marktanteile abgreifen. Unter neuer Führung soll nun eine radikale Wende gelingen.

Wachstum auf dem Tiefpunkt

Die nackten Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im ersten Quartal 2026 legte PayPals umsatzstärkstes Geschäftsfeld, der Branded Checkout, nur noch um magere zwei Prozent zu. Zwar stieg der Konzernumsatz auf 8,44 Milliarden Euro (von 7,76 Milliarden im Vorjahr), doch der Gewinn je Aktie sank leicht von 1,29 auf 1,21 Euro.

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Der einstige Pionier des Online-Bezahlens hat seinen Vorsprung verspielt. Laut Daten der Schweizer Großbank UBS hielt PayPal 2019 noch einen Marktanteil von neun Prozent – Apple Pay kam auf drei Prozent. Bis 2025 hatte Apple den Rivalen überholt. Hinzu kommen Angreifer wie Shopify, Klarna, Affirm, Cash App, Zelle und die europäische Bankeninitiative Wero.

Die Börse hat längst ihr Urteil gefällt: PayPals Aktie verlor in den vergangenen zwölf Monaten rund 40 Prozent an Wert, über fünf Jahre gerechnet sogar etwa 80 Prozent. Am Dienstag fiel das Papier im Abendhandel um 0,7 Prozent auf 37,69 Euro. Zum Vergleich: Im Oktober 2025 hatte die Aktie noch bei 70,78 Euro notiert – im Februar dieses Jahres fiel sie zwischenzeitlich auf 32,42 Euro.

Neuer Chef, neue Strategie

Auf den wachsenden Druck reagiert PayPal mit einem Führungswechsel. Im Februar übernahm Enrique Lores, zuvor bei HP, den Chefposten von Alex Chriss. Lores hat den Konzern in drei eigenständige Divisionen aufgeteilt und setzt verstärkt auf künstliche Intelligenz – sie soll künftig quer durch alle Services integriert werden.

In Analystenkreisen halten sich zudem hartnäckige Gerüchte über eine mögliche Übernahme des Zahlungsdienstleisters Stripe. Offiziell bestätigt ist nichts. Am 28. Juli 2026 will PayPal seine Zahlen für das zweite Quartal vorlegen – dann wird sich zeigen, ob die Neuausrichtung erste Früchte trägt.

Apples geschlossenes Ökosystem als Trumpf

Während PayPal umstrukturiert, zieht Apple unbeirrt seine Kreise. Der iPhone-Konzern profitiert von seiner geschlossenen Systemarchitektur – eigene Prozessoren, eigenes Betriebssystem, eigene Bezahlschnittstelle. Der Bank-of-America-Analyst Wamsi Mohan hob das Kursziel für Apple von 330 auf 380 Euro an und empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf.

Mohan sieht im iPhone das künftige zentrale Gateway für KI-gestützte Aufgaben. Die Branche blickt gespannt auf die Entwicklerkonferenz WWDC am 8. Juni 2026. Dort wird erwartet, dass Apple den Sprachassistenten Siri zu einem deutlich leistungsfähigeren KI-Agenten ausbaut. Die Führungsetage des Konzerns bezeichnete zuletzt den Mac Mini und den Mac Studio als ideale KI-Plattformen – die Nachfrage steige schneller als erwartet.

Europäische Konkurrenz greift an

In Deutschland und Europa formiert sich mit Wero ein neuer Herausforderer. Das von großen europäischen Banken mit 750 Millionen Euro gestützte Bezahlsystem hat vor allem den deutschen Markt im Visier. „Wir haben derzeit 7,2 Millionen Nutzer“, sagt Wero-Chefin Martina Weimert. „Bis Ende 2026 sollen es zwölf Millionen sein.“ Die Gewinnschwelle peilt das Unternehmen für 2030 an – das Rezept: hohe Marktdurchdringung und geringe Wechselkosten für die Kunden.

Sicherheitsrisiken im Zahlungsverkehr

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Der wachsende Wettbewerb hat auch eine Schattenseite. Sicherheitsforscher registrierten in den ersten vier Monaten dieses Jahres einen Anstieg von NFC-Relay-Angriffen auf Android-Smartphones um 188 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Mehrere Banking-Trojaner und Schadsoftware-Pakete zielen gezielt auf Finanz- und Kryptowährungs-Apps ab. Organisierte Cyberkriminelle haben in diesem Jahr bereits hohe Verluste verursacht.

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