PayPal lehnt 53-Milliarden-Übernahme ab: Stripe-Angebot zu niedrig
Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 05:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Zahlungsdienstleister PayPal hat ein feindliches Übernahmeangebot in Höhe von 53 Milliarden Euro abgelehnt. Der Verwaltungsrat des US-Unternehmens bewertete die Offerte des Konkurrenten Stripe und des Finanzinvestors Advent International als zu niedrig.
Angebot deutlich unter den Erwartungen
Das am 21. Juli eingereichte Barangebot bewertete jede PayPal-Aktie mit 60,50 Euro. Das entspricht einem Aufschlag von rund 28 bis 30 Prozent auf den damaligen Börsenkurs. Doch der PayPal-Verwaltungsrat, beraten von Goldman Sachs und Evercore, signalisierte: Das reicht nicht. Intern strebt das Gremium offenbar einen Preis von etwa 70 Euro pro Aktie an.
Die Zurückweisung kommt zu einem kritischen Zeitpunkt. Nach einem Höchststand von rund 360 Milliarden Euro Marktkapitalisierung im Jahr 2021 hat PayPal massiv an Wert verloren. Im Februar dieses Jahres rutschte die Aktie auf ein 52-Wochen-Tief von 38,46 Euro. Die Übernahmespekulationen trieben den Kurs zuletzt um rund 16 Prozent nach oben.
Bietergemeinschaft mit ehrgeizigen Plänen
Das Konsortium aus dem in Dublin ansässigen Zahlungsdienstleister Stripe und Advent International plant eine paritätische Beteiligung. Die Finanzierung sieht rund 17 Milliarden Euro Eigenkapital vor – unter Beteiligung des Finanzdienstleisters Block – sowie etwa 50 Milliarden Euro an zugesagten Bankkrediten.
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Branchenbeobachter sehen das Hauptinteresse von Stripe an PayPals etablierter Infrastruktur für digitale Vermögenswerte. Besonders begehrt: das Stablecoin-Netzwerk PYUSD mit einem aktuellen Volumen von rund 2,9 Milliarden Euro. Ein Zusammenschluss der beiden Unternehmen würde einen Zahlungsgiganten schaffen, der jährlich schätzungsweise 3,7 Billionen Euro abwickeln könnte – mit über 439 Millionen aktiven Konten.
Wettbewerb um digitale Währungen verschärft sich
Der Zeitpunkt der Offerte ist kein Zufall. Nur vier Tage vor der offiziellen Ablehnung durch den PayPal-Verwaltungsrat brachte Visa eine konkurrierende Stablecoin-Plattform auf den Markt. Zudem hat Visa kürzlich PayPals PYUSD in sein eigenes Abwicklungssystem integriert – ein deutliches Zeichen für den strategischen Wert des Assets, das Stripe erwerben will.
PayPal unter Druck: Führungswechsel und Marktverluste
Das Übernahmeangebot trifft PayPal in einer schwierigen Phase. Unter CEO Enrique Lores, der im März 2026 die Führung übernahm, kämpft das Unternehmen um seine Marktposition. Es ist bereits der dritte Chef innerhalb von vier Jahren. Besonders schmerzhaft: Apple Pay hat PayPal im heimischen US-Markt überholt und führt mit rund zehn Prozentpunkten Vorsprung.
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Die Quartalszahlen zeigen zumindest erste Stabilisierungstendenzen. Im ersten Quartal 2026 stieg der Nettoumsatz um sieben Prozent auf 8,35 Milliarden Euro. Das gesamte Zahlungsvolumen wuchs um elf Prozent auf 463,96 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn pro Aktie lag bei 1,34 Euro.
Ausblick: Kommt ein verbessertes Angebot?
Der Verwaltungsrat nannte auch regulatorische Hürden und Finanzierungsfragen als Gründe für die Ablehnung. Analysten von Morgan Stanley halten einen Verkauf dennoch für den wahrscheinlichsten Weg, um den Aktionären einen angemessenen Wert zu bieten.
Alle Blicke richten sich nun auf die Quartalszahlen für das zweite Quartal 2026. Sie dürften entscheiden, ob Stripe und Advent International mit einem verbesserten Angebot zurückkommen – oder ob PayPal seinen Weg als eigenständiges Unternehmen fortsetzt.
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