PC-Krise, Speicherpreise

PC-Krise: Speicherpreise bremsen Windows-11-Umstieg und Verkäufe

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 04:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Weltweite PC-Lieferungen sanken im dritten Quartal um 21 Prozent; hohe Komponentenpreise belasten Hersteller und verzögern Upgrades.
Eine menschenleere, industrielle Produktionshalle mit leeren Werkbänken, die einen Produktionsstillstand symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Explodierende Preise für Speicherbausteine und Prozessoren bremsen die Umstellung auf moderne Betriebssysteme massiv. Wie aus aktuellen Branchenberichten hervorgeht, stocken die Upgrades auf Windows 11 spürbar infolge massiver Teuerungen bei Schlüsselkomponenten. Marktbeobachter rechnen erst für die Jahre 2028 oder 2029 mit einer nachhaltigen Entspannung der Lieferketten.

Stagnation beim Betriebssystemwechsel

Die Verteilung der Betriebssysteme spiegelt die Zurückhaltung der Nutzer wider. Laut Zahlen von StatCounter lief Windows 10 im September 2026 weltweit noch auf 27,7 Prozent der Windows-PCs, nachdem der Wert im Februar 2026 bei 26,45 Prozent gelegen hatte. Der Marktanteil von Windows 11 sank im selben Zeitraum leicht von 72,57 Prozent im Februar auf 71,5 Prozent im September 2026.

Auch Daten der Gaming-Plattform Steam unterstreichen die Zähigkeit des Marktes: In der Hardware-Umfrage vom September 2026 legte Windows 11 um 0,37 Prozentpunkte auf 71,34 Prozent zu, während Windows 10 um 0,71 Prozentpunkte auf 23,61 Prozent anstieg. Demnach können lediglich rund 2,8 Prozent der Windows-10-Rechner technisch nicht auf die neuere Version aufgerüstet werden.

Die Konsequenzen treffen die Hersteller empfindlich. Microsofts Finanzchefin Amy Hood bezifferte im Earnings Call vom 28. Oktober 2026 den Einbruch des Windows-OEM-Umsatzes mit PC-Herstellern für das dritte Quartal 2026 auf 27 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dieses Ergebnis habe unter den Erwartungen gelegen. Zum Vergleich: Ein Jahr zuvor hatte das bevorstehende Support-Ende von Windows 10 die PC-Nachfrage im dritten Quartal 2025 noch um 8,2 Prozent auf fast 70 Millionen Einheiten getrieben.

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PC-Absatz bricht weltweit zweistellig ein

Die Zurückhaltung der Käufer schlägt direkt auf die weltweiten Lieferzahlen durch. Nach Vorabdaten des Marktforschungsunternehmens Counterpoint gingen die weltweiten PC-Auslieferungen im dritten Quartal 2026 im Vorjahresvergleich um 21 Prozent auf 57 Millionen Einheiten zurück, was einem Minus von 13,8 Prozent gegenüber dem Vorquartal entspricht. Für das vierte Quartal 2026 prognostiziert Counterpoint einen weiteren Rückgang um 27 Prozent im Jahresvergleich.

Besonders hart traf es die führenden PC-Hersteller im dritten Quartal 2026:
- Lenovo lieferte 15 Millionen Einheiten aus (minus 23 Prozent im Jahresvergleich) und hielt einen Marktanteil von 26,3 Prozent.
- HP verzeichnete 10,3 Millionen Geräte (minus 31 Prozent) bei 18,1 Prozent Marktanteil.
- Dell kam auf 7,6 Millionen Einheiten (minus 25 Prozent) und erreichte 13,3 Prozent Marktanteil.
- Apple behauptete 5,6 Millionen Geräte (minus 11 Prozent) und steigerte seinen Marktanteil auf 9,8 Prozent gegenüber 8,7 Prozent im Vorjahr.
- ASUS verzeichnete 5,2 Millionen Auslieferungen (minus 7 Prozent im Jahresvergleich, aber plus 19,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal) bei 9,2 Prozent Marktanteil.

Die Marktforscher von Omdia rechnen für das Gesamtjahr 2026 mit einem Rückgang der weltweiten PC-Auslieferungen um 12 Prozent auf 245 Millionen Einheiten. Besonders das Niedrigpreissegment leidet: Für PCs unter 500 US-dollar wird ein Einbruch um 28 Prozent auf etwa 62,1 Millionen Einheiten erwartet.

Explodierende Preise für Arbeitsspeicher und Grafikchips

Als Haupttreiber der Krise gelten drastische Preissprünge bei Komponenten. Laut TrendForce machten Prozessor, Arbeitsspeicher und Solid-State-Laufwerke im dritten Quartal 2026 rund 68 Prozent der gesamten PC-Herstellkosten aus. Der Hersteller HP gab an, dass Speicherkomponenten im Jahr 2026 etwa 35 Prozent der Teilekosten ausmachten, verglichen mit 15 bis 18 Prozent im Vorquartal.

Der Durchschnittspreis für einen DDR4-8Gb-Speicherbaustein kletterte laut DRAMeXchange im Oktober 2026 auf ein Allzeithoch von 27,50 US-Dollar. Das entspricht einem Plus von 5,77 Prozent gegenüber September (26 US-Dollar) und etwa dem Vierfachen des Niveaus vom Oktober 2025 (7 US-Dollar).

Für ein DDR5-6000-Kit mit 32 Gigabyte Kapazität wurden im Oktober 2026 mindestens 454 US-Dollar fällig, während eine 64-Gigabyte-Variante ab 915 US-Dollar gelistet war.

Zudem zieht das Preisniveau bei Grafikkarten an. Bei der Nvidia RTX 5050 ermittelte TechSpot im Oktober 2026 in den USA einen Preisanstieg von 310 auf 420 US-Dollar innerhalb eines Monats – ein Plus von 35 Prozent, womit die Karte 68 Prozent über der unverbindlichen Preisempfehlung lag.

Aus Branchenkreisen verlautete zudem, dass AMD ab November 2026 die Lieferpreise für GPUs und GDDR6-Speicherpakete an Grafikkartenhersteller erneut anhebt.

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Chiphersteller unter Druck

Die Halbleiterhersteller stellen sich auf eine langwierige Durststrecke im PC-Sektor ein. Intel meldete für das dritte Quartal 2026 in seiner PC-Sparte einen Umsatzrückgang um 5 Prozent im Vorjahresvergleich auf 8,1 Milliarden US-Dollar.

Intel-Finanzchef David Zinsner stellte für das vierte Quartal 2026 einen weiteren sequenziellen Umsatzrückgang im Client-Geschäft von mehr als 20 Prozent in Aussicht. Die Schwäche werde mindestens bis in das erste Halbjahr 2027 anhalten. Vorstandschef Lip-Bu Tan berichtete, Kunden führten die PC-Kaufzurückhaltung direkt auf die hohen Speicherpreise und die mangelnde Verfügbarkeit zurück.

Der Branchenexperte Steven Dickens vom Analysehaus Hyperframe hält eine anhaltende Teileknappheit bis ins Jahr 2029 für möglich. Der Speicherhersteller SK Hynix rechnet gar mit Engpässen bis zum Jahr 2030, da Fertigungskapazitäten vorrangig für margenstarke Server- und KI-Systeme reserviert werden.

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