PCOS-Umbenennung, Millionen

PCOS-Umbenennung: 170 Millionen Frauen leiden an systemischer Hormonstörung

02.06.2026 - 23:31:16 | boerse-global.de

Forscher benennen das Polyzystische Ovarialsyndrom in PMOS um. Die neue Bezeichnung betont den systemischen Stoffwechselcharakter der Erkrankung.

PCOS-Umbenennung: 170 Millionen Frauen leiden an systemischer Hormonstörung - Bild: ĂŒber boerse-global.de
PCOS-Umbenennung: 170 Millionen Frauen leiden an systemischer Hormonstörung - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Aus dem Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) wird das Polyendokrine Metabolische Ovarialsyndrom (PMOS). Der neue Name spiegelt wider, was Forscher lÀngst wissen: Es handelt sich nicht um eine reine Eierstockerkrankung, sondern um eine systemische Stoffwechsel- und Hormonstörung.

14 Jahre Forschung, 22.000 Teilnehmerinnen

Die Entscheidung basiert auf einer globalen Untersuchung, die ĂŒber 14 Jahre lief. Wissenschaftler werteten Daten von mehr als 22.000 Betroffenen aus. Insgesamt 56 Organisationen aus Forschung, Klinik und Patientenvertretung waren beteiligt. Veröffentlicht wurde der Konsens im Mai 2026 im Fachjournal The Lancet und auf dem EuropĂ€ischen Endokrinologie-Kongress in Prag.

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Dr. Melanie Cree von der University of Colorado Anschutz, Teil des Expertenteams, erklĂ€rte: Die alte Bezeichnung sei irrefĂŒhrend. Sie suggeriere Zysten an den Eierstöcken – dabei handelt es sich medizinisch um arretierte Follikel. Der Fokus auf die Ovarien verstellte den Blick auf die komplexen endokrinen und metabolischen Ursachen.

170 Millionen Frauen betroffen – aber 70 Prozent ohne Diagnose

Die WHO schÀtzt, dass weltweit rund 170 Millionen Frauen im gebÀrfÀhigen Alter an PMOS leiden. Das ist etwa jede achte Frau. Dennoch haben bis zu 70 Prozent der Betroffenen keine offizielle Diagnose. Im Schnitt dauert es zwei Jahre, bis die Erkrankung korrekt identifiziert wird.

Die Umbenennung soll die Aufmerksamkeit auf die systemischen Risiken lenken. Denn PMOS ist weit mehr als ein Fortpflanzungsproblem. Die aktuellen Daten zeigen deutlich erhöhte Risiken:

  • KardiovaskulĂ€re Komplikationen: 1,68-fach erhöht
  • Herzinfarktrisiko: 2,5-fach ĂŒber dem Durchschnitt
  • Schlaganfallrisiko: 1,71-fach gesteigert

Hinzu kommen Insulinresistenz, Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen und Fettleber. Auch Symptome wie Schnarchen und starke Gewichtszunahme werden nun in den klinischen Kontext gestellt.

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Neue Therapien und KI im Klinikalltag

Die grundlegenden Diagnosekriterien bleiben stabil. FĂŒr eine PMOS-Diagnose mĂŒssen weiterhin zwei von drei Kriterien erfĂŒllt sein: unregelmĂ€ĂŸige Menstruationszyklen, erhöhte mĂ€nnliche Hormone oder perlschnurartige Follikel im Ultraschall.

In der Behandlung setzen Ärzte zunehmend auf multidisziplinĂ€re AnsĂ€tze. Neben LebensstilĂ€nderungen und Metformin kommen GLP-1-Agonisten zum Einsatz. Seit Januar 2026 gilt Letrozol als neue Erstlinientherapie bei Unfruchtbarkeit.

Auch technologische Fortschritte prĂ€gen die Entwicklung. Im Mai 2026 erhielt das KI-System „Diagens AI AutoVision“ in China die Zulassung fĂŒr die klinische Karyotyp-Analyse. Die Software verarbeitet Chromosomenbilder in elf Minuten – bisher dauerte das 34 Minuten. Die Genauigkeit liegt bei ĂŒber 99 Prozent.

Und noch eine Neuerung: Die FDA gab Ende Mai 2026 ein inhalatives Insulin fĂŒr Kinder ab sechs Jahren frei. Das erweitert die Behandlungsmöglichkeiten fĂŒr junge Patientinnen mit metabolischen Störungen erheblich.

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