PCOS, PMOS

PCOS wird PMOS: Neuer Name rückt Stoffwechselrisiken stärker in den Fokus

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 12:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der globale Konsens benennt das Syndrom um; die weltweite Einführung soll innerhalb einer dreijährigen Übergangsfrist bis 2028 erfolgen.

PMOS statt PCOS: Neuer Name rückt Stoffwechsel und Hormone ins Zentrum
Ein steriler, minimalistischer Labortisch mit einem leeren Objektträger und einem Glasröhrchen vor einem neutralen Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Einordnung des bisher als polyzystisches Ovarialsyndrom bekannten Krankheitsbildes befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Ein globaler Konsens sieht vor, die Erkrankung künftig als Polyendokrines Metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) zu bezeichnen.

Fachmedien und Experten ordnen diesen Schritt als notwendige Neuausrichtung ein, um den hormonellen und stoffwechselspezivischen Dimensionen des Syndroms gerecht zu werden und die gesundheitliche Versorgung betroffener Frauen zu verbessern.

Irreführende Altbezeichnung und verändertes Krankheitsverständnis

Die bisherige Bezeichnung betonte primär die Eierstöcke und das Auftreten von Zysten. Dies erwies sich in der klinischen Praxis als irreführend, da viele Patientinnen gar keine Zysten aufweisen. Wie Dr. Anuja Dokras darlegte, handelt es sich bei den im Ultraschall sichtbaren Bläschen nicht um echte Zysten, sondern um normale, unreife Eierstockfollikel. Lediglich 70 Prozent der Betroffenen weisen dieses Ultraschall-Merkmal auf.

PMOS gilt als breitere metabolische und reproduktive Erkrankung statt als reine Störung der Ovarien. Zu den zentralen Faktoren zählen genetische Einflüsse, hormonelle Ungleichgewichte, Entzündungsprozesse und Umweltfaktoren. Eine Schlüsselrolle nimmt die Insulinresistenz ein, die Blutzuckerwerte, Androgenaktivität und das langfristige Stoffwechselrisiko maßgeblich beeinflusst.

Erhöhte Insulinspiegel stimulieren die ovarielle Produktion männlicher Hormone wie Testosteron und senken das sexualhormonbindende Globulin (SHBG). Ein unregelmäßiger Eisprung führt zudem zu einem Mangel an Progesteron, was unregelmäßige oder starke Blutungen sowie eine verdickte Gebärmutterschleimhaut nach sich ziehen kann.

Hohe Dunkelziffer und systemische Risiken

Weltweit betrifft das Syndrom schätzungsweise eine von zehn Frauen im gebärfähigen Alter, andere Erhebungen sprechen von etwa jeder achten Frau. Schätzungsweise 70 Prozent der weltweiten Fälle gelten als undiagnostiziert.

In Deutschland sind rund eine Million Frauen betroffen, was einem Anteil von 5 bis 10 Prozent der Frauen im gebärfähigen Alter entspricht. Viele Betroffene berichten von jahrelangen Konsultationen bei Gynäkologen, Endokrinologen und Dermatologen, ohne dass die systemische Belastung erkannt wurde.

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Die gesundheitlichen Folgen reichen weit über den Zyklus hinaus. Fast drei von vier Betroffenen weisen Übergewicht auf. Gleichzeitig tritt die Insulinresistenz auch bei normalgewichtigen und schlanken Frauen auf und kann bereits vor auffälligen Glukosetests bestehen. Langfristig steigen die Risiken für Typ-2-Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich an. Zudem leidet etwa jede dritte betroffene Frau an einer Hashimoto-Thyreoiditis.

Diagnostische Standards und Behandlungsstrategien

Die internationale Leitlinie empfiehlt bei der PMOS-Diagnose ein glykämisches Screening sowie eine regelmäßige Neubewertung unabhängig vom Body-Mass-Index. Als präzisestes Testverfahren gilt der orale Glukosetoleranztest mit 75 Gramm Glukose (75-g-oGTT), während Nüchternglukose und HbA1c-Werte weniger sensitiv sind.

Von einer routinemäßigen Insulinmessung wird abgeraten. Zur vollständigen Diagnostik gehören Blutuntersuchungen männlicher und weiblicher Hormone, des Anti-Müller-Hormons, der Blutfettwerte und der Schilddrüsenparameter.

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Therapeutisch stehen metabolische Interventionen im Mittelpunkt. Neben einer ballaststoff- und proteinreichen Ernährung, Krafttraining, ausreichend Schlaf, Zyklusdokumentation und psychischer Unterstützung umfasst das medizinische Management gezielte Optionen: Zur Verbesserung metabolischer Werte kann bei Erwachsenen Metformin erwogen werden.

Ergänzend kommen GLP-1-Präparate in Betracht. Bei bestehendem Kinderwunsch wird Clomifen eingesetzt, ansonsten kann die Antibabypille verordnet werden.

Dreijährige Übergangsphase bis 2028

Die Entscheidung für den neuen Namen erfolgte nach einem 14-jährigen Einsatz von Medizinern, Organisationen und Betroffenen. Erste Einrichtungen haben die Nomenklatur bereits übernommen; so wurde das Penn PCOS Center in PMOS Center at Penn Fertility Care umbenannt.

Andere Institutionen stehen vor der Anpassung: Der britische National Health Service (NHS) wurde aufgefordert, seine Informationsseiten entsprechend zu aktualisieren, wo die Umstellung noch aussteht.

Neelam Heera-Shergill, Geschäftsführerin der Organisation Cysters, betonte vor diesem Hintergrund den Stellenwert einer inklusiven und gemeinschaftszentrierten Kommunikation. Für die weltweite Einführung gilt eine Übergangsfrist von drei Jahren, womit der Terminologiewechsel voraussichtlich bis 2028 abgeschlossen sein wird.

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