Penicillinallergie, PANDA-Pass

Penicillinallergie: PANDA-Pass soll rund 90 Prozent falsche EintrÀge korrigieren

Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 15:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Aktuelle Resistenzdaten und die ÜberprĂŒfung fraglicher Penicillinallergien sollen passendere Therapien ermöglichen und den Einsatz von Reserveantibiotika begrenzen.

RKI-Tool und Allergiepass sollen Antibiotikaresistenzen eindÀmmen
Steriler Labortisch mit medizinischen Instrumenten und Petrischalen in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Im Kampf gegen die zunehmende Unwirksamkeit von Standardmedikamenten setzen Fachkreise verstĂ€rkt auf digitale Informationsangebote und eine verbesserte Diagnostik. Das Robert Koch-Institut (RKI) und das Bundesinstitut fĂŒr Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) stellen ein digitales Tool bereit, mit dem behandelnde Ärzte aktuelle Informationen ĂŒber Antibiotikaresistenzen abrufen können.

Parallel dazu hat das Penicillin Allergie Netzwerk Deutschland (PANDA) einen sogenannten Penicillinallergie-Delabeling-Pass vorgestellt. Beide Vorhaben zielen darauf ab, Fehlbehandlungen zu vermeiden und die Verbreitung widerstandsfÀhiger Erreger einzudÀmmen.

Digitales RKI-Tool schließt LĂŒcke bei Verschreibungsinformationen

Das von RKI und BfArM entwickelte Online-Instrument soll Ärzten dabei helfen, im Behandlungsalltag die bestmögliche Therapieentscheidung zu treffen und ein Therapieversagen zu verhindern. Als Datengrundlage dient die Antibiotika-Resistenz-Surveillance (ARS) des RKI, welche Erregerresistenzen sowohl aus dem stationĂ€ren als auch aus dem ambulanten Bereich in Deutschland erfasst.

Zwar sieht das europĂ€ische Recht vor, dass Fachinformationen zu Antibiotika stets Angaben zur aktuellen Resistenzsituation enthalten mĂŒssen, doch stehen diese Angaben in der Praxis hĂ€ufig weder zentral noch auf dem neuesten Stand zur VerfĂŒgung. Das neue digitale Werkzeug schließt diese DokumentationslĂŒcke durch den Zugriff auf jĂ€hrlich aktualisierte ARS-Daten.

Korrektur unbegrĂŒndeter Allergievermerke schĂŒtzt Reserveantibiotika

Einen anderen Hebel bedient die Initiative des PANDA-Netzwerks. Nach dessen Erhebungen geben bis zu 12% der erwachsenen Klinikpatienten in Deutschland eine Überempfindlichkeit gegen Penicillin an; bei Kindern besteht bei ca. 6% ein entsprechender Verdacht. Allergologische Untersuchungen belegen jedoch, dass die Annahme einer Penicillinallergie in rund 90% der FĂ€lle unzutreffend ist.

Weil in Akutsituationen oft die Zeit fĂŒr diagnostische AbklĂ€rungen fehlt, verzichten Mediziner bei solchen Vermerken hĂ€ufig auf gut vertrĂ€gliche Beta-Laktam-Antibiotika und weichen auf AusweichprĂ€parate aus, was die Resistenzbildung weiter anheizt.

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Der neu eingefĂŒhrte Delabeling-Pass richtet sich vor allem an KrankenhĂ€user. ErgĂ€nzend steht eine Einlegekarte fĂŒr Haus- und Kinderarztpraxen bereit, um Patientenakten nach Ausschluss einer Allergie verlĂ€sslich zu aktualisieren.

Hohe Resistenzquoten und stockende Wirkstoffentwicklung

Die Notwendigkeit zielgerichteter Verschreibungen unterstreichen auch internationale Beobachtungen. Matteo Bassetti, PrÀsident der Fachgesellschaft SITA, verwies darauf, dass fast 60% der Antibiotikatherapien bei kritisch kranken Patienten mit Carbapenem-resistenten Infektionen unangemessen seien.

Daten des Istituto Superiore di SanitĂ  (AR-ISS-Surveillance) zeigen fĂŒr Italien, dass die Resistenzquote von E. coli gegen Cephalosporine der 3. Generation im Jahr 2024 bei 27,7% lag, nach 26,7% im Jahr 2023. Bei Klebsiella pneumoniae lag der Anteil Carbapenem-resistenter StĂ€mme 2024 bei 24%, was trotz eines leichten RĂŒckgangs ein hohes Niveau darstellt.

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In Urinproben erreichten die Resistenzraten 15,8% fĂŒr E. coli gegen Cephalosporine der 3. Generation sowie 10,6% fĂŒr Klebsiella pneumoniae gegen Carbapeneme.

ZusĂ€tzlich erschwert die wirtschaftliche Situation der Pharmabranche die EinfĂŒhrung neuer Mittel. Coen van Hasselt, Professor fĂŒr Pharmakologie an der UniversitĂ€t Leiden, betonte, dass kaum noch neue Wirkstoffe auf den Markt drĂ€ngen.

Da Reserveantibiotika erst eingesetzt werden, wenn andere Optionen scheitern, fehle Herstellern oft die wirtschaftliche RentabilitÀt; zudem seien Patente etablierter Wirkstoffe vielfach abgelaufen.

Seine Forschungsgruppe arbeitet unter anderem an Modellierungen von Wirkstoffkombinationen zur Behandlung chronischer Lungeninfektionen. Van Hasselt plĂ€diert dafĂŒr, staatliche Finanzhilfen nach englischem Vorbild auch auf europĂ€ischer Ebene auszubauen, um Anreize fĂŒr dringend benötĂ€ne Neuentwicklungen zu schaffen.

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