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People Pleasing: 70% der Frauen tragen emotionale Last allein

Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 02:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Psychologen sehen einen klaren Zusammenhang zwischen übermäßiger Gefälligkeit und chronischer Überlastung, besonders bei Frauen.

People Pleasing: Warum ständiges Ja-Sagen zur Erschöpfung führt
Eine nachdenkliche Frau an einem modernen Schreibtisch in einem professionellen Büroumfeld. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ständig helfen, nie Nein sagen – und am Ende völlig erschöpft. Psychologen sehen einen klaren Zusammenhang zwischen dem Verhaltensmuster des „People Pleasing“ und chronischer Überlastung. Besonders Frauen sind betroffen.

Was steckt hinter dem „Ja“-Zwang?

People Pleaser stellen die Bedürfnisse anderer systematisch über ihre eigenen. Sie wollen Konflikte vermeiden oder Bestätigung erhalten. Laut Psychologin Dr. Juli Fraga äußert sich das in einem übermäßigen Verantwortungsgefühl für die Emotionen anderer. Betroffene können kaum ablehnen.

Die sogenannte „People Pleasing Scale“ aus der Fachzeitschrift Current Psychology zeigt: Dieses Verhalten ist meist nicht angeboren, sondern erlernt. Es kann eine Unterwerfungsreaktion sein – ein Schutzmechanismus aus der Kindheit gegen Ablehnung.

Die Folge? Chronischer Stress und Angstzustände. Wer die eigene Selbstfürsorge vernachlässigt, riskiert emotionale Erschöpfung.

Emotionale Arbeit: Frauen tragen die Hauptlast

Ein entscheidender Faktor ist die ungleiche Verteilung emotionaler Aufgaben. Rund 70 Prozent der Frauen fühlen sich in Beziehungen für die emotionale Fürsorge hauptverantwortlich – bekannt als „Emotional Labor“.

Hinzu kommt die Pflege von Angehörigen. Daten der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) belegen: 51 Prozent der Frauen kümmern sich um pflegebedürftige Verwandte, aber nur 41 Prozent der Männer. Beruf, Haushalt und Pflege – diese Dreifachbelastung lässt viele Frauen ihre Grenzen ignorieren.

Strukturelle Probleme verschärfen die Krise

Die Gesellschaft macht es nicht einfacher. Die NGG warnt vor einer möglichen Aufweichung des Acht-Stunden-Tags. Zehn bis zwölf Stunden Arbeit würden die Planung von Kinderbetreuung und Pflege massiv erschweren.

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Schon jetzt deckt das Kita-Angebot den Bedarf nicht. In Städten wie Schweinfurt oder Kreisen wie Recklinghausen liegt die Betreuungsquote für Kinder unter drei Jahren bei lediglich 30 Prozent. Das Deutsche Jugendinstitut sieht einen Bedarf von 47 bis 51 Prozent.

Bereits 20 Prozent aller Beschäftigten haben Probleme, Beruf und Familie zu vereinbaren. Bei Alleinerziehenden sind es sogar 42 Prozent. Und wer zwölf Stunden arbeitet, hat ein doppelt so hohes Unfallrisiko.

Erschöpfung hat viele Gesichter

Klassischer Burnout ist nicht die einzige Form der Überlastung. Philosophin Marina Christodoulou beschrieb in der Fachzeitschrift Angelaki das Konzept der „ontologisch-existenziellen Erschöpfung“. Diese tiefe Ermüdung entsteht durch ständigen Optimierungsdruck, Geschwindigkeit und globale Unsicherheiten.

Auch hormonelle Umstellungen spielen eine Rolle. Rund neun Millionen Frauen in Deutschland befinden sich in den Wechseljahren. Gynäkologin Katrin Schaudig warnt: Symptome wie Schlafstörungen und Stimmungstiefs werden oft falsch eingeordnet – und verstärken die bestehende Belastung.

Wie man aus der Falle ausbricht

Die BARMER empfiehlt gezielte Abgrenzungsübungen. Das „INGA-Prinzip“ hilft: Interesse zeigen, Nein sagen, Grund nennen, Alternative anbieten. Oder einfach eine bewusste „Stopptaste“ vor jeder Zusage drücken.

Betrieblich gibt es neue Ansätze. Die Klinik Wartenberg in Bayern führte „Chronoworking“ ein – Arbeitszeiten, die an den biologischen Rhythmus der Mitarbeiter angepasst sind.

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Studien von Gallup und Sozialpsychologe Ron Friedman zeigen zudem: Starke soziale Bindungen am Arbeitsplatz senken das Burnout-Risiko. Vertrauen und gegenseitige Unterstützung erfüllen das Grundbedürfnis nach Verbundenheit und Autonomie.

Manchmal hilft nur eine radikale Pause. Gründerin Sierra Balgar nutzte im Frühjahr 2026 eine zweimonatige Auszeit in Vietnam zur Regeneration. Ihr Fazit: Erfolgskriterien neu definieren – und öfter mal Nein sagen.

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