Pestizide, Leopoldina

Pestizide: Leopoldina warnt vor unbefristeten Zulassungen

Veröffentlicht am: 02.06.2026 um 13:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wissenschaftler der Leopoldina kritisieren EU-PlĂ€ne fĂŒr dauerhafte Pestizid-Genehmigungen ohne regelmĂ€ĂŸige SicherheitsprĂŒfungen.

Pestizide: Leopoldina warnt vor unbefristeten Zulassungen Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de
Pestizide: Leopoldina warnt vor unbefristeten Zulassungen Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Leopoldina sieht erhebliche Risiken fĂŒr Gesundheit und Umwelt.

Unbefristete Zulassungen statt regelmĂ€ĂŸiger PrĂŒfungen

Die PlĂ€ne der EU-Kommission könnten den Pflanzenschutz in Europa grundlegend verĂ€ndern. Statt Wirkstoffe wie bisher fĂŒr sieben bis fĂŒnfzehn Jahre zu genehmigen, sollen sie kĂŒnftig unbefristet auf dem Markt bleiben dĂŒrfen. Die regelmĂ€ĂŸige Neubewertung wĂŒrde damit entfallen.

Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina Ă€ußerte in einer Analyse vom Juni 2026 erhebliche Bedenken. Ohne feste ÜberprĂŒfungszyklen drohten neue Erkenntnisse zu Langzeitfolgen nicht mehr in die Sicherheitsstandards einzufließen. Konkret nennen die Wissenschaftler die Anreicherung von TrifluoressigsĂ€ure (TFA) im Trinkwasser oder die SchĂ€digung von Bodenorganismen.

Anzeige

Angesichts der steigenden Umweltbelastungen durch Schadstoffe rĂŒcken die Auswirkungen auf die eigene Gesundheit immer stĂ€rker in den Fokus. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie stille EntzĂŒndungen im Körper durch die richtige Wahl von Lebensmitteln natĂŒrlich bekĂ€mpfen können. 12 natĂŒrliche EntzĂŒndungs-Killer jetzt entdecken

Besonders gefĂ€hrdet wĂ€ren demnach Kinder und Schwangere – die regelmĂ€ĂŸige gesundheitliche Kontrolle wĂŒrde seltener.

ZusĂ€tzlich plant die EU-Kommission, die Abverkaufsfristen fĂŒr bereits zugelassene Pestizide zu verlĂ€ngern. Statt wie bisher 1,5 Jahre sollen HĂ€ndler kĂŒnftig drei Jahre Zeit haben, um RestbestĂ€nde zu verkaufen. Das verlĂ€ngert die Verweildauer ausgemusterter Substanzen in der Umwelt und der Nahrungskette.

Globale Giftigkeit steigt – 2030-Ziel in Gefahr

Die Debatte um die EU-PlÀne fÀllt zusammen mit alarmierenden Forschungsergebnissen. Eine im Juni 2026 im Fachjournal Science veröffentlichte Studie der RPTU Kaiserslautern-Landau untersuchte den weltweiten Einsatz von 625 Wirkstoffen zwischen 2013 und 2019. Das Ergebnis: Die GesamttoxizitÀt der ausgebrachten Pestizide ist drastisch gestiegen.

Damit entfernt sich die internationale Gemeinschaft weiter von den UN-BiodiversitÀtszielen der COP15 von 2022. Diese sehen eine Halbierung des Pestizidrisikos bis 2030 vor.

Hauptverantwortlich fĂŒr den Anstieg sind Brasilien, China, die USA und Indien. Rund 80 Prozent der weltweiten ToxizitĂ€t entfallen auf den Anbau von Obst, GemĂŒse, Mais, Soja, Getreide und Reis. Einzig Chile liegt laut Studie auf Kurs, die 2030-Ziele zu erreichen.

Anzeige

Ob MĂŒdigkeit oder Gelenkbeschwerden – viele Zivilisationskrankheiten stehen in engem Zusammenhang mit der QualitĂ€t unserer Nahrungsmittel und Umweltfaktoren. Ein kostenloser Selbsttest hilft Ihnen herauszufinden, ob Ihr Körper bereits unter Belastungen leidet und welche 9 goldenen ErnĂ€hrungsregeln Ihnen sofort helfen. Zum kostenlosen Ratgeber und Selbsttest

Glyphosat-Studie zurĂŒckgezogen – Lehren aus der Vergangenheit

Die aktuellen VorschlĂ€ge werfen ein Schlaglicht auf frĂŒhere Fehlentscheidungen. Die EU-Zulassung fĂŒr Glyphosat lĂ€uft Ende 2033 aus. Eine zentrale Studie aus dem Jahr 2000, die die Unbedenklichkeit des Mittels belegte, wurde Ende 2025 offiziell zurĂŒckgezogen. Der Fall zeigt: Neue Methoden und Daten machen regelmĂ€ĂŸige Neubewertungen unverzichtbar.

Parallel dazu haben Umweltorganisationen in Frankreich im Mai 2026 Klage eingereicht. Sie werfen dem Staat vor, seine Schutzpflicht gegenĂŒber BĂŒrgern vor PFAS-Chemikalien – sogenannten „Ewigkeitschemikalien“ – verletzt zu haben. Zwar hat Frankreich 2026 Verbote fĂŒr PFAS in Kosmetik und Textilien erlassen, die KlĂ€ger fordern jedoch einen vollstĂ€ndigen Emissionsstopp und die Anwendung des Verursacherprinzips.

Biologische Alternativen: Fortschritt mit HĂŒrden

WÀhrend die Regulierung neu justiert wird, forschen Institute an Alternativen zu synthetischen Pestiziden. Das AIT Austrian Institute of Technology entwickelt mikrobielle Lösungen, die Pflanzen widerstandsfÀhiger gegen Stress und Krankheiten machen sollen. Diese Innovationen passen zum EU-Green-Deal-Ziel, den Pestizideinsatz bis 2030 zu halbieren.

Konkrete Projekte zeigen erste Erfolge:

  • Biostimulanzien: Das lizenzierte Mittel „Biotrinsic W10“ verbessert die Trockentoleranz von Mais.
  • Biopestizide: Das produkt „KLA5-2“ wird gegen Pilzerkrankungen getestet.
  • Integrierte Modelle: In Vietnam lĂ€uft seit 2025 ein Pilotprojekt auf 13 Hektar. Organische DĂŒnger und biologische SchĂ€dlingsbekĂ€mpfung halten die Reisernten stabil – ohne Wachstumsstimulanzien und ĂŒbermĂ€ĂŸigen Pestizideinsatz.

Doch der Weg zur Marktreife ist lang. Die Zulassung neuer biologischer Lösungen dauert derzeit fĂŒnf bis sieben Jahre. Und die Ausgangslage ist herausfordernd: 70 Prozent der EU-Böden enthalten laut Umweltstudien PestizidrĂŒckstĂ€nde. Der Umbau der Landwirtschaft wird dauern – selbst wenn die Politik jetzt die Weichen stellt.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und MĂ€rkten ohne GewĂ€hr; Änderungen jederzeit möglich. BörsengeschĂ€fte können zu hohen Verlusten fĂŒhren. Unsere BeitrĂ€ge werden ganz oder teilweise automatisiert mit UnterstĂŒtzung von AI erstellt und geprĂŒft.

de | wissenschaft | 69470408 |