PET-Recycling: Nur 50% des Materials wird zu Granulat verarbeitet
Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Übergang zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft stellt Industrie und Politik vor komplexe Herausforderungen. Ein zentrales Element dieser Entwicklung ist die Wiederverwertung von Kunststoffen, um Ressourcen zu schonen und Abfallmengen zu reduzieren.
Ein Einblick in die praktische Umsetzung dieser Ziele bot sich am 27. August 2026, als die Landtagsabgeordnete Ellen Stock das Unternehmen BTB-PET-Recycling in Bad Salzuflen besuchte. Der Austausch verdeutlichte sowohl die technologischen Fortschritte als auch die ökonomischen Hürden, mit denen spezialisierte Recyclingbetriebe im aktuellen Marktumfeld konfrontiert sind.
Zwei Jahrzehnte Expertise im PET-Recycling
Das Unternehmen BTB-PET-Recycling blickt auf eine langjährige Erfahrung in der Branche zurück. Seit nunmehr 20 Jahren widmet sich der Betrieb der Aufbereitung von PET-Flaschen. Ziel des Prozesses ist die Herstellung von lebensmitteltauglichem Regranulat, das erneut in der Produktion von Verpackungen eingesetzt werden kann.
Diese Form des Recyclings gilt als Paradebeispiel für einen geschlossenen Wertstoffkreislauf, da das Material theoretisch mehrfach ohne Qualitätsverlust im Lebensmittelbereich genutzt werden kann.
Trotz der langjährigen Erfahrung zeigt die betriebliche Praxis, dass die Kreislaufwirtschaft keine verlustfreie Kette darstellt. Nach Informationen des Unternehmens kann derzeit lediglich etwa die Hälfte des angelieferten Materials erfolgreich zu neuem Granulat weiterverarbeitet werden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, Sortierprozesse und die Reinheit der Ausgangsstoffe weiter zu optimieren, um die Effizienz der Wiederverwertung zu steigern.
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und globaler Wettbewerb
Neben den technischen Aspekten bestimmen zunehmend globale Marktmechanismen über den Erfolg regionaler Recycling-Initiativen. Während des Besuchs der Abgeordneten am 27. August 2026 thematisierte Geschäftsführer Volker Buchholz die schwierige wirtschaftliche Lage der Branche.
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Ein Hauptproblem stellt demnach der Wettbewerb mit Neuware aus Asien dar. Günstiges, frisch produziertes Granulat setze die Preise für recyceltes Material massiv unter Druck, was die Rentabilität von Kreislaufsystemen in Europa gefährde.
Ein weiterer entscheidender Faktor sind die Betriebskosten am Standort Deutschland. Buchholz verwies in diesem Zusammenhang auf die Belastung durch Energiekosten und forderte die Einführung wettbewerbsfähiger Industriestrompreise.
Ohne politische Flankierung sei es für mittelständische Recyclingunternehmen schwierig, gegen die internationale Konkurrenz zu bestehen und gleichzeitig die hohen Qualitätsstandards für lebensmitteltaugliche Rezyklate zu halten.
Politische Einordnung und Ausblick
Der Besuch der Landtagsabgeordneten Ellen Stock diente primär der Information über die Realitäten der Abfallvermeidung und der stofflichen Verwertung. Die Kreislaufwirtschaft wird politisch oft als tragende Säule einer nachhaltigen Wirtschaftsweise definiert, doch die Einblicke in Bad Salzuflen zeigen, dass die praktische Umsetzung eng an ökonomische Rahmenbedingungen geknüpft ist.
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Die Diskussionen verdeutlichten, dass für eine erfolgreiche Transformation der Kunststoffindustrie nicht nur technologische Innovationen vonnöten sind, sondern auch politische Weichenstellungen bei den Energiekosten und dem Schutz vor Marktverzerrungen durch Importe.
Die Sicherung regionaler Recyclingkapazitäten bleibt somit eine zentrale Aufgabe, um die Abhängigkeit von Primärrohstoffen zu verringern und die ambitionierten Ziele zur Abfallvermeidung langfristig zu erreichen.
