Petrelintid-Studie: Übelkeit bei 20 Prozent, Placebo-Gruppe bei 6 Prozent
Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 00:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet Diabetes & Endocrinology liegen die vollständigen Ergebnisse der Phase-2-Studie ZUPREME 1 zum Amylin-Analogon Petrelintid vor. Die von Zealand Pharma durchgeführte Dosisfindungsstudie untersuchte das Prüfpräparat randomisiert, doppelblind und placebokontrolliert an 32 Zentren in Polen, Rumänien sowie den USA.
Von insgesamt 714 gescreenten Probanden wurden 493 Personen randomisiert und 485 tatsächlich behandelt. Die Untersuchung liefert vertiefte Einblicke in das Wirkungs- und Nebenwirkungsprofil von Amylin-Wirkstoffen im Adipositasbereich.
Studiendesign und beobachteter Gewichtsverlust
Die Studienpopulation bestand aus Erwachsenen ohne Typ-2-Diabetes mit einem mittleren Alter von 47 Jahren, einem durchschnittlichen Ausgangsgewicht von 107,1 Kilogramm und einem Body-Mass-Index von 36,7 kg/m². 53 Prozent der Teilnehmer waren weiblich, 86 Prozent wurden als weiß erfasst.
Die Zuteilung erfolgte in einem 5:1-Verhältnis auf wöchentliche subkutane Injektionen von Petrelintid in Dosierungen von 1,0, 2,5, 5,0, 7,0 oder 9,0 Milligramm beziehungsweise Placebo über eine Gesamtdauer von 42 Wochen inklusive Dosissteigerung.
Den primären Endpunkt bildete die relative Gewichtsveränderung nach 28 Wochen. Im Wirksamkeits-Schätzmodell verzeichneten die Petrelintid-Arme eine Gewichtsreduktion von -7,9 Prozent (1,0 mg), -7,9 Prozent (2,5 mg), -9,8 Prozent (5,0 mg), -9,3 Prozent (7,0 mg) und -9,4 Prozent (9,0 mg), während die Kontrollgruppe -1,7 Prozent erreichte.
Die kontrollbereinigte maximale Abnahme betrug 8,1 Prozent bei einer Dosis von 5,0 mg. Nach 42 Wochen belief sich der Gewichtsverlust auf -8,7 Prozent (1,0 mg), -9,2 Prozent (2,5 mg), -10,7 Prozent (5,0 mg), -10,5 Prozent (7,0 mg) und -10,2 Prozent (9,0 mg) gegenüber unverändert -1,7 Prozent unter Placebo. Im Treatment-Policy-Estimand reichten die Werte bis zu -10,2 Prozent gegenüber -1,4 Prozent.
Begleitend verbesserten sich mehrere kardiometabolische Parameter: Der Taillenumfang verringerte sich um bis zu -10,8 Zentimeter im Vergleich zu -4,3 Zentimetern unter Placebo. Das hochsensitive C-reaktive Protein sank um bis zu -41 Prozent (-6 Prozent unter Placebo) und die Triglyceride nahmen um bis zu -21 Prozent ab (-9 Prozent unter Placebo).
Zudem sank der Ruhepuls um bis zu -2,9 Schläge pro Minute (Placebo: Anstieg um +0,3 bpm), während das Nüchterninsulin um 11 bis 30 Prozent zurückging (-4 Prozent unter Placebo).
Verträglichkeit und Behandlungsabbrüche
Gastrointestinale Reaktionen blieben überwiegend auf leichte Verläufe beschränkt. Übelkeit trat bei 20 Prozent der mit Petrelintid Behandelten auf (79 von 404), verglichen mit 6 Prozent unter Placebo (5 von 81).
Wenn Diät und Bewegung allein nicht mehr weiterhelfen, rückt eine neue Wirkstoffklasse in den Fokus: Amylin-Analoga. Die Phase-2-Studie ZUPREME 1 zeigt für Petrelintid nach 42 Wochen bis zu 10,7 Prozent Gewichtsverlust — bei überwiegend leichten gastrointestinalen Nebenwirkungen. Unser kostenloser Report ordnet die Studiendaten verständlich ein. Kostenlosen Studien-Report jetzt anfordern
Erbrechen betraf 3 Prozent gegenüber 6 Prozent in der Kontrollgruppe, Diarrhoe jeweils 7 Prozent und Obstipation 7 Prozent gegenüber 4 Prozent. In der maximal wirksamen Dosisstufe wurden weder Erbrechen noch therapiebedingte Abbrüche infolge gastrointestinaler Effekte verzeichnet.
Insgesamt traten 18 schwerwiegende unerwünschte Ereignisse auf (3 Prozent unter Petrelintid gegenüber 4 Prozent unter Placebo), Todesfälle gab es keine. Dauerhafte Abbrüche wegen Magen-Darm-Beschwerden lagen bei 1,5 Prozent, Dosisreduktionen bei 2,2 Prozent. Zwischen 88 und 98 Prozent der Probanden erreichten die drei höchsten Erhaltungsdosen.
Eine frühere Topline-Mitteilung von Roche vom 5. März 2026 bestätigte bereits die statistische Signifikanz aller fünf Dosisarme nach 28 Wochen. Darin wurde zudem festgehalten, dass Abbrüche infolge unerwünschter Ereignisse im stärksten Arm bei 4,8 Prozent lagen (Placebo: 4,9 Prozent) und weibliche Teilnehmerinnen deutlich stärker an Gewicht verloren als Männer.
Mechanismus und klinische Einordnung
Amylin wird gemeinsam mit Insulin von den Betazellen der Bauchspeicheldrüse freigesetzt, verzögert die Magenentleerung und dämpft die Glukagonausschüttung.
In einem Kommentar in The Lancet erläuterten Madsbad und Holst von der Universität Kopenhagen, dass Amylin-Rezeptoren aus dem Calcitonin-Rezeptor und RAMP-Proteinen bestehen und als Sättigungssignal über Pfade wirken, die komplementär zu GLP-1 verlaufen. Dies begründe Kombinationstherapien mit additiven Effekten, wobei offenbleibe, ob deren Verträglichkeit einer Monotherapie überlegen sei.
Dr. Marie Spreckley von der University of Cambridge wies darauf hin, dass drei schwerwiegende Ereignisse – zwei Fälle von Gallensteinen sowie eine obstruktive Pankreatitis – mit Petrelintid in Verbindung gebracht wurden. Da die Studie keinen direkten Vergleich mit GLP-1-Wirkstoffen enthielt, seien Aussagen über eine überlegene Verträglichkeit noch nicht belegt.
Viele brechen ihre Abnehmtherapie ab, weil Übelkeit oder Erbrechen den Alltag bestimmen. Die ZUPREME-1-Daten zu Petrelintid zeigen: Übelkeit trat bei 20 Prozent der Behandelten auf, Erbrechen seltener als unter Placebo — und in der wirksamsten Dosisstufe gab es keine therapiebedingten Abbrüche wegen Magen-Darm-Beschwerden. Was das für Verträglichkeit und Dosierung bedeutet, lesen Sie in unserem kostenlosen Report. Verträglichkeits-Check jetzt kostenlos sichern
Hintergrund der Forschung sind Real-World-Daten von Garvey et al., wonach bis zu 75 Prozent der Patienten injizierbare GLP-1-Rezeptoragonisten innerhalb von 12 Monaten absetzen, häufig infolge gastrointestinaler Beschwerden.
Roche, das 2025 eine Vorabzahlung von 1,65 Milliarden US-Dollar für Petrelintid leistete, startete das Phase-3-Programm mit den Studien ZUPREME-3, ZUPREME-4 und ZUPREME-5 mit zusammen rund 7.000 Teilnehmern, deren primäre Auswertungen für Ende 2028 vorgesehen sind.
