Petrelintide: Phase-2-Studie zeigt bis zu 10,7 Prozent Gewichtsverlust
Veröffentlicht am: 30.09.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn der medikamentösen Therapie von Ăbergewicht und Adipositas rĂŒcken neue Wirkstoffklassen in den Fokus der klinischen Forschung. Laut einem Bericht vom 29. September 2026 wurden in der Fachzeitschrift The Lancet Diabetes & Endocrinology die Ergebnisse der Phase-2-Studie ZUPREME-1 zum Wirkstoff Petrelintide veröffentlicht.
Bei 485 behandelten Erwachsenen mit Adipositas zeigte das von Zealand Pharma entwickelte PrĂ€parat eine Gewichtsreduktion von bis zu 10,7 Prozent bis Woche 42 gegenĂŒber 1,7 Prozent unter Placebo, einhergehend mit geringeren gastrointestinalen Nebenwirkungen als zuvor erwartet.
Studiendesign und Resultate der ZUPREME-1-Untersuchung
Die randomisierte und placebokontrollierte Phase-2-Studie wurde an 32 Zentren in den USA, Polen und RumĂ€nien durchgefĂŒhrt und von Zealand Pharma finanziert. Die 485 randomisierten Teilnehmenden wiesen zu Beginn einen mittleren Body-Mass-Index von 36,7 kg/mÂČ sowie ein mittleres Alter von 47 Jahren auf.
Begleitend zur wöchentlichen Gabe von Petrelintide in Dosierungen zwischen 1,0 und 9,0 mg oder Placebo erhielten alle Teilnehmenden eine standardisierte Lebensstilberatung.
Nach 28 Behandlungswochen lag die mittlere GewichtsverÀnderung je nach Dosisgruppe zwischen ?7,9 Prozent und ?9,8 Prozent, verglichen mit ?1,7 Prozent in der Placebogruppe.
Bis zur 42. Woche zeigte sich ein gewichtsreduzierender Effekt ĂŒber alle Dosierungsstufen hinweg:
- 1,0 mg: 8,7 Prozent
- 2,5 mg: 9,2 Prozent
- 5,0 mg: 10,7 Prozent
- 7,0 mg: 10,5 Prozent
- 9,0 mg: 10,2 Prozent
- Placebo: 1,7 Prozent
Nach der Efficacy-Estimand-SchĂ€tzung betrug der Gewichtsverlust bis Woche 42 bis zu 10,7 Prozent gegenĂŒber 1,7 Prozent unter Placebo. Bei Anwendung des Treatment-Policy-Ansatzes belief sich der Verlust auf 10,2 Prozent gegenĂŒber 1,4 Prozent.
Das Programm umfasste zudem die PrĂ€sentation zusĂ€tzlicher Daten der Studie auf dem Jahrestreffen der European Association for the Study of Diabetes (EASD), das fĂŒr den Zeitraum vom 28. September bis zum 2. Oktober 2026 angesetzt ist.
Kardiometabolische Marker und VertrÀglichkeitsprofil
Neben dem Körpergewicht verÀnderten sich mehrere Begleitparameter. Der Taillenumfang reduzierte sich unter Petrelintide um bis zu 10,8 Zentimeter im Vergleich zu 4,3 Zentimetern in der Placebogruppe.
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Die EntzĂŒndungs- und Lipidwerte verbesserten sich ebenfalls: Der Wert fĂŒr hochsensitives C-reaktives Protein (hsCRP) sank um bis zu 41 Prozent gegenĂŒber 6 Prozent unter Placebo, die Triglyceride nahmen um bis zu 21 Prozent ab im Vergleich zu 9 Prozent unter Placebo. Der Puls verringerte sich um bis zu 2,9 SchlĂ€ge pro Minute, wĂ€hrend er in der Kontrollgruppe um 0,3 SchlĂ€ge pro Minute stieg.
Hinsichtlich der Nebenwirkungen trat Ăbelkeit bei 20 Prozent (79 von 404 Teilnehmenden) unter Petrelintide und bei 6 Prozent (5 von 81) unter Placebo auf. Erbrechen verzeichneten 3 Prozent (12 Teilnehmende) gegenĂŒber 6 Prozent (5 Teilnehmende) unter Placebo.
Durchfall trat in beiden Gruppen bei 7 Prozent auf (30 unter Petrelintide, 6 unter Placebo), wÀhrend Verstopfung bei 7 Prozent (28) der Petrelintide-Gruppe und 4 Prozent (3) der Placebogruppe beobachtet wurde.
Schwerwiegende unerwĂŒnschte Ereignisse traten bei 14 Personen (3 Prozent) unter Petrelintide und bei 3 Personen (4 Prozent) unter Placebo auf; TodesfĂ€lle gab es keine. Drei der schwerwiegenden Ereignisse wurden Petrelintide zugeschrieben: zwei FĂ€lle von Gallensteinen sowie ein Fall einer obstruktiven Pankreatitis.
Gastrointestinale Ereignisse fĂŒhrten bei 1,5 Prozent der Behandelten zum dauerhaften Studienabbruch und bei 2,2 Prozent zu einer Dosisreduktion. Bei der maximal wirksamen Dosis wurden weder Erbrechen noch AbbrĂŒche aufgrund von Magen-Darm-Beschwerden registriert.
Mechanismen und wissenschaftliche Einordnung
In einem begleitenden Kommentar der Fachzeitschrift The Lancet Diabetes & Endocrinology werden lang wirkende Amylin-Agonisten als neue Wirkstoffklasse beschrieben.
Das Peptid Amylin wird gemeinsam mit Insulin aus den Betazellen der BauchspeicheldrĂŒse freigesetzt, verzögert die Magenentleerung, hemmt die Glukagonsekretion nach den Mahlzeiten und vermittelt Signale der SĂ€ttigung. Diese Stoffwechselpfade ergĂ€nzen teilweise die Wirkmechanismen gĂ€ngiger GLP-1-Rezeptoragonisten.
Viele Abnehm-Interessierte kennen das Problem: Die Sorge vor Ăbelkeit und Magen-Darm-Beschwerden bremst die Entscheidung fĂŒr eine medikamentöse Therapie. Die neue Wirkstoffklasse der Amylin-Agonisten wird in ersten Studiendaten mit einem anderen VertrĂ€glichkeitsprofil in Verbindung gebracht â ohne direkten Vergleich zu GLP-1-Mitteln bleibt jedoch offen, ob sie tatsĂ€chlich besser vertragen wird. Unser Ratgeber zeigt, welche Daten es gibt und welche noch fehlen. Ratgeber jetzt kostenlos anfordern
Die Autoren der ZUPREME-1-Studie betrachten Petrelintide daher als potenzielle Behandlungsoption fĂŒr Patientengruppen, die GLP-1-Therapien weniger gut vertragen.
Fachleute des Science Media Centre weisen jedoch darauf hin, dass ohne einen direkten klinischen Vergleich mit GLP-1-Mitteln keine Ăberlegenheit bei der VertrĂ€glichkeit abgeleitet werden könne; hierfĂŒr seien gröĂere und lĂ€nger angelegte Untersuchungen erforderlich. Zealand Pharma hat unterdessen drei weltweite Phase-3-Studien initiiert, um die klinische BestĂ€tigung der bisherigen Resultate zu prĂŒfen.
