PFAS in Arzneimitteln: 87 Prozent haben sichere Alternativen
Veröffentlicht: 14.07.2026 um 09:23 Uhr, Redaktion boerse-global.de
WĂ€hrend frĂŒher vor allem PCB im Fokus standen, rĂŒcken nun per- und polyfluorierte Chemikalien (PFCs) sowie bromierte Flammschutzmittel ins Zentrum. Eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA) vom Juli 2026 zeigt: Ein vorausschauendes Chemikalienmanagement wird immer dringender.
Stockholm-Konvention als strategischer Rahmen
Das UBA empfiehlt eine frĂŒhzeitige Identifizierung von Stoffen mit POP-Eigenschaften. Die Untersuchung formuliert konkrete VorschlĂ€ge fĂŒr regulatorische MaĂnahmen im Rahmen der Stockholm-Konvention. Ziel ist eine Chemikalienpolitik, die den Austausch bekannter Schadstoffe gegen potenziell schĂ€dliche Ersatzstoffe verhindert.
Parallel dazu traten im Juli 2026 neue LeitfĂ€den fĂŒr die umweltfreundliche öffentliche Beschaffung von IT-Infrastruktur in Kraft. Sie betreffen Server, Datenspeicher und Computerperipherie. Anbieterfragebögen sollen die UmweltvertrĂ€glichkeit bereits im Beschaffungsprozess sicherstellen.
PFAS in Medikamenten: Oft gibt es Alternativen
Ein Gutachten der UniversitĂ€t Freiburg im Auftrag des UBA untersuchte die Ersetzbarkeit von PFAS in Arzneimitteln. Das Ergebnis: FĂŒr rund 87 Prozent der 111 untersuchten Humanarzneimittel existieren PFAS-freie Alternativen. Bei den 28 Tierarzneimitteln lag die Quote bei 65 Prozent.
Kritisch bewerten Fachleute den Zerfall dieser Stoffe. Ăber 80 Prozent der PFAS-Wirkstoffe können zu TrifluoressigsĂ€ure (TFA) degradieren. Diese Verbindung gilt als hochmobil und reichert sich in GewĂ€ssern an. Das UBA baut deshalb einen Arzneimittelindex Umwelt auf, um diese Daten systematisch zu erfassen.
Landwirtschaft und Infrastruktur als Eintragsquellen
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Doch PFAS gelangen nicht nur ĂŒber Medikamente in die Umwelt. Eine Untersuchung von PAN Europe vom Juli 2026 zeigt: 78 Prozent der konventionell angebauten Erdbeerproben wiesen PestizidrĂŒckstĂ€nde auf. In 58 Prozent der FĂ€lle wurden PFAS-Pestizide nachgewiesen â besonders hĂ€ufig der Wirkstoff Fludioxonil. Ăkologisch erzeugte Proben blieben dagegen rĂŒckstandsfrei.
Ein EU-Parlamentarier wies Mitte Juli 2026 zudem auf mögliche PFAS-Freisetzungen aus Windkraftanlagen hin. RotorblĂ€tter, Getriebe und Schmierstoffe könnten die Chemikalien abgeben. Skandinavische Grenzwerte liegen hier teils um das 25- bis 50-fache unter den EU-Vorgaben. Als Beispiel fĂŒr lokale Belastungen nannte er hohe PFAS-Konzentrationen im Grundwasser von Mannswörth. Die genaue Ursache ist noch unklar.
Wasserwirtschaft unter Druck
FlĂŒsse wie Rhein und Neckar stoĂen aufgrund von Niedrigwasser und chemischen EintrĂ€gen nahe an Belastungsgrenzen. Besonders TFA und ArzneimittelrĂŒckstĂ€nde bereiten Probleme. WasserabhĂ€ngige Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche mĂŒssen ihre SchadstoffeintrĂ€ge weiter reduzieren.
Die KlĂ€ranlage in Ludwigshafen meldete im Juli 2026 eine EinschrĂ€nkung der Nitrifikationsleistung. Die Folge: vorĂŒbergehend erhöhte Ammoniumstickstoff-Werte im Rhein. Eine GefĂ€hrdung fĂŒr Menschen wurde ausgeschlossen. Auswirkungen auf tierische Organismen sind jedoch nicht auszuschlieĂen.
Recycling als Ausweg
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Um SchadstoffeintrĂ€ge zu minimieren, rĂŒcken innovative Recyclingverfahren in den Fokus. Das Fraunhofer-Institut IGB stellte im FrĂŒhjahr 2026 Ergebnisse einer Studie vor: Mit Mikroorganismen und Mikroalgen lieĂen sich Edelmetalle wie Palladium und Neodym aus Elektroschrott gewinnen â mit höherer Freisetzungsrate als mit rein chemischen Methoden.
Der Bundesrat verabschiedete am 10. Juli 2026 das neue Verpackungsgesetz. Es bereitet die Umsetzung der europĂ€ischen Verpackungsverordnung bis Mitte August 2026 vor. Die Industrie fordert einen verlĂ€sslichen Rechtsrahmen fĂŒr technologische Lösungen wie das chemische Recycling. Dass hochwertige Rezyklate industriell einsetzbar sind, zeigte ein Fachforum im Juni 2026: Fahrzeugkomponenten wurden erfolgreich mit einem Rezyklatanteil von 65 Prozent in Serie gefertigt.
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