PFAS-Studie, Verbot

PFAS-Studie: 75 Prozent fordern Verbot, ändern aber nichts

Veröffentlicht: 09.07.2026 um 15:05 Uhr, Redaktion boerse-global.de

ETH-Umfrage zeigt: Trotz Forderung nach PFAS-Verbot ändert die Mehrheit ihr Kaufverhalten nicht. Sanierungskosten von über 100 Milliarden Euro erwartet.

PFAS-Studie: Verbraucher fordern Verbot, kaufen aber weiter
Eine Hand hält einen Wassertropfen, der mikroskopische Chemikalienstrukturen widerspiegelt, mit verschwommenem Hintergrund einer Küche. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine neue Studie zeigt: Die meisten Verbraucher fordern ein Verbot – handeln aber nicht danach.

Käufer fordern Verbote – kaufen aber weiter PFAS

Die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit ist groß. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der ETH Zürich und des Bundesamtes für Umwelt (Bafu), die heute veröffentlicht wurde. Von den 5.893 befragten Personen in der Schweiz befürworten rund drei Viertel ein generelles Verbot von PFAS in Alltagsgegenständen. Zudem fordern sie eine klare Kennzeichnungspflicht und strengere Grenzwerte.

Doch die Realität sieht anders aus: Über 60 Prozent der Befragten gaben an, ihr Kaufverhalten bisher nicht an der PFAS-Problematik auszurichten. Der Hauptgrund: fehlende Informationen, welche Produkte konkret belastet sind.

Jede zweite Person hat den Begriff PFAS zwar schon gehört, das Detailwissen bleibt aber gering. Besonders die Anreicherung der Chemikalien in Nahrungsmitteln wie Fleisch, Gemüse oder Milch wird laut Studie von vielen unterschätzt. Immerhin: Die Befragten wären bereit, für PFAS-freie Produkte höhere Preise oder eine geringere Auswahl in Kauf zu nehmen – sofern die Qualität stimmt.

PFAS im Trinkwasser und in Medikamenten

Die Chemikalien dringen selbst in streng kontrollierte Bereiche vor. Ein aktueller Bericht von Öko-Test über 53 stille Mineralwässer dokumentiert PFAS-Spuren in fast allen untersuchten Proben. Bei sieben Produkten wurde der ab 2026 geltende EU-Trinkwassergrenzwert bereits überschritten. In zwei Wassermarken von Handelsketten fanden die Tester zudem erhöhte Werte von krebserregendem Chrom(VI) – die Note: ungenügend.

Auch im medizinischen Sektor wird der Einsatz von PFAS kritisch geprüft. Ein Gutachten des Umweltbundesamtes (UBA) kommt zu dem Schluss: Für einen Großteil der Pharmazeutika wären Alternativen möglich. Demnach seien 87 Prozent der Humanarzneimittel und 65 Prozent der Tierarzneimittel, die derzeit PFAS enthalten, substituierbar. Das ist besonders relevant, weil über 80 Prozent dieser Wirkstoffe in der Umwelt zu Trifluoressigsäure (TFA) zerfallen können. Das UBA arbeitet daher an einem speziellen Arzneimittelindex, um die Umweltauswirkungen besser zu erfassen.

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100 Milliarden Euro: Die unmögliche Sanierung

Die technische und finanzielle Dimension der PFAS-Beseitigung ist gewaltig. Eine Studie im Fachjournal „Environmental Science: Processes & Impacts“ zeigt: Eine vollständige Sanierung PFAS-belasteter Standorte in Europa ist weder logistisch noch finanziell darstellbar. Mit den derzeit verfügbaren Maßnahmen ließen sich weniger als 2 Prozent der Stoffe aus der Umwelt entfernen.

Die Kosten für Sanierungsversuche werden auf über 100 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Besonders aufwendig ist die Entfernung von TFA – sie ist etwa 50-mal teurer als die Reinigung von PFOA oder PFOS. Die Autoren der Studie raten daher dringend: Stoppt die Emissionen direkt an der Quelle, statt auf nachträgliche Reinigung zu setzen.

Menschenrechtsbeschwerde und politische Weichenstellungen

Auf juristischer Ebene tut sich ebenfalls etwas. Die Organisation ClientEarth reichte gestern eine Menschenrechtsbeschwerde gegen Belgien beim Europäischen Ausschuss für soziale Rechte (ECSR) ein. Grund ist die laut Organisation europaweit höchste PFAS-Belastung in bestimmten Regionen, etwa um ein Industriewerk in Zwijndrecht. Den Behörden wird vorgeworfen, trotz langjähriger Kenntnis der Daten nicht ausreichend gehandelt zu haben. Eine Entscheidung über die Zulässigkeit der Beschwerde wird für 2027 erwartet.

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Parallel bereitet sich die Industrie auf strengere Regeln vor. Ein EU-weites PFAS-Verbot wird für 2027 prognostiziert. In der Schweiz erarbeitet der Bundesrat bis Ende 2027 einen Aktionsplan. Während einige politische Vorstöße – wie ein gestern im deutschen Agrar-Ausschuss beratener Antrag zum Verbot TFA-erzeugender Pflanzenschutzmittel – vorerst abgelehnt wurden, verstärkt sich der Trend zu PFAS-freien Alternativen.

Experten empfehlen Verbrauchern bereits jetzt den Umstieg auf langlebige Materialien. Gusseisenpfannen statt PTFE-beschichteter Produkte: Sie sind nicht nur hitzebeständiger, sondern setzen auch keine Ewigkeitschemikalien frei.

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