PFAS-Wirkstoffe, Gutachten

PFAS-Wirkstoffe: Gutachten empfiehlt Streichung von 111 Arzneimitteln

Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Umweltbundesamt-Studie empfiehlt Absetzung von 139 PFAS-haltigen Medikamenten. Pharmaverbände warnen vor Versorgungsengpässen und langen Zulassungszeiten.

UBA-Gutachten: Streichung von 139 PFAS-Arzneimitteln empfohlen
Eine Blisterpackung mit weißen Medikamententabletten auf einer sterilen Edelstahloberfläche. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein Gutachten der Universität Freiburg im Auftrag des Umweltbundesamts (UBA) hat eine Debatte über die Zukunft zahlreicher Arzneimittel ausgelöst. Die Untersuchung empfiehlt die Streichung von 111 Human- und 28 Tierarzneimitteln, deren Wirkstoffe PFAS-Strukturen enthalten – also jene langlebigen Fluorverbindungen, die wegen ihrer Umweltpersistenz zunehmend in der Kritik stehen. Die Pharmabranche reagiert mit deutlicher Kritik und verweist auf ohnehin angespannte Lieferketten.

Was das Gutachten konkret vorschlägt

Laut den Ergebnissen des UBA existieren für den Großteil der betroffenen Präparate bereits Alternativen ohne PFAS-Strukturen: Bei 87 Prozent der Humanarzneimittel und 65 Prozent der Tierarzneimittel sehen die Autoren PFAS-freie Ersatzoptionen als vorhanden an.

Auffällig ist zugleich, dass 41 der 111 identifizierten Humanwirkstoffe in Deutschland derzeit gar nicht verfügbar sind – ein Umstand, der die praktische Tragweite der Empfehlung relativiert, aber auch zeigt, wie global verflochten die betroffenen Lieferketten bereits sind.

Kritik der Pharmabranche

Der Verband Pharma Deutschland weist die Empfehlungen als praxisfern zurück. Aus Sicht des Verbands blendet die Studie zentrale regulatorische Realitäten aus. So dauere ein Zulassungsverfahren im Schnitt 746 Tage, wie Zahlen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) aus dem Jahr 2024 zeigen.

Die Entwicklung eines gänzlich neuen Wirkstoffs benötige sogar zwischen 12 und 13,5 Jahren. Eine schnelle Substitution der betroffenen Präparate sei vor diesem Hintergrund kaum realistisch.

Zusätzlich verweist der Verband auf die ohnehin fragile Versorgungslage: Anfang 2026 seien 546 Lieferengpässe verzeichnet worden, während die Importabhängigkeit aus Asien bei 68 Prozent liege. Eine pauschale Streichung PFAS-haltiger Wirkstoffe könne diese Abhängigkeit nach Einschätzung des Verbands weiter verschärfen, statt sie zu verringern.

Parallele Entwicklung: Neues Gesetz verändert Erstattungspraxis

Die Debatte um PFAS-Wirkstoffe trifft auf eine Branche, die sich zugleich mit einer anderen gesetzlichen Neuerung auseinandersetzt. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, veröffentlicht am 29. Juli 2026 und seit dem 30. Juli 2026 in Kraft, hat die bundesweiten Praxisbesonderheiten nach Paragraf 130b SGB V gestrichen.

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Zudem sind Cannabisblüten künftig nicht mehr erstattungsfähig – erstattet werden nur noch Dronabinol, Nabilon und standardisierte Extrakte. Auch Homöopathika und Anthroposophika fallen nicht mehr unter die Kassenleistungen.

Der GKV-Spitzenverband hat inzwischen klargestellt, dass bestehende bundesweite Praxisbesonderheiten weiterhin gelten und dass zukünftig mit Zusatznutzen bewertete Arzneimittel in die Wirtschaftlichkeitsprüfung einbezogen werden können.

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Ein Regressrisiko für verordnende Ärzte bleibt dabei jedoch bestehen. Pharma Deutschland begrüßt zwar die Klarstellung, fordert aber Nachbesserungen. Verbands-Hauptgeschäftsführerin Dorothee Brakmann verlangte, die bestehenden Unsicherheiten für die Praxis auszuräumen.

Zwei Baustellen, ein gemeinsamer Nenner

Sowohl die PFAS-Debatte als auch die Neuregelung der Erstattungspraxis treffen auf eine Branche, die strukturelle Abhängigkeiten und lange Entwicklungszyklen als zentrale Hemmnisse für schnelle Anpassungen sieht.

Während das UBA-Gutachten primär umweltpolitisch motiviert ist, argumentiert die Industrie mit Versorgungssicherheit und regulatorischer Realität. Wie die Empfehlungen zur Streichung PFAS-haltiger Wirkstoffe in konkrete politische Maßnahmen münden, bleibt bislang offen.

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