Pflanzenmilch-Boom, Hafer-

Pflanzenmilch-Boom endet: Hafer- und Sojamilch verlieren Käufer

Veröffentlicht: 05.07.2026 um 23:30 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Pflanzliche Milchersatzprodukte verlieren an Zulauf, während traditionelle Milch und neue Technologien an Bedeutung gewinnen.

Milchalternativen im Wandel: Nachfrage sinkt, Innovationen boomen
Eine Glasflasche Rohmilch auf einem Holztisch, im unscharfen Hintergrund moderne Pflanzenmilchkartons. Symbolisiert Konsumverschiebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Während die Boomphase vorbei ist, gewinnen traditionelle Milchprodukte und technologische Innovationen an Bedeutung.

Weniger Käufer für Hafer- und Sojamilch

Der Markt für Milchalternativen zeigt erste Sättigungstendenzen. Laut einer YouGov-Studie sank die Käuferreichweite in Deutschland von 44,8 auf 43,8 Prozent. In den USA fiel der Absatz pflanzlicher Milch 2024 sogar um sechs Prozent. Parallel dazu stieg dort der Kuhmilchkonsum erstmals seit 2009 wieder an.

In sozialen Medien wie TikTok feiert Rohmilch ein Comeback als vermeintliches „Superfood“. Dennoch bleibt Deutschland ein relevanter Markt: 2025 wurden 52 Millionen Kilogramm Fleischalternativen abgesetzt – bei einem stabilen Umsatz von 750 Millionen Euro. Während Frankreich und Italien weiter zulegten, gaben die Märkte in den Niederlanden und Spanien nach.

Abnehmspritzen verändern die Nachfrage

Medikamente zur Gewichtskontrolle beeinflussen zunehmend das Konsumverhalten. Rund zwölf Prozent der US-Bevölkerung nutzten 2025 GLP-1-Präparate. 60 Prozent der Anwender geben an, weniger Geld für Lebensmittel auszugeben. Goldman Sachs prognostiziert, dass bis 2028 bis zu 70 Millionen Amerikaner solche Mittel nehmen könnten. Konzerne wie Nestlé und Danone reagieren und setzen verstärkt auf spezifische Proteinprodukte.

Neue Kennzeichnungsregeln aus Brüssel

Das EU-Parlament verabschiedete Mitte Juni 2026 neue Vorschriften. Begriffe wie „Veggie-Kotelett“ oder „veganes Huhn“ sind künftig tabu. „Veggie-Burger“ bleibt erlaubt. Landwirtschaftsminister Rainer kritisierte die Regelungen als weiteren Bürokratieaufwand. Eine neue EU-Strategie zur Nutztierhaltung mit Fokus auf Züchtungstechniken wird ebenfalls erwartet.

Bier statt Hafer: Münchner Start-up setzt auf Treber

Trotz der Stagnation im Massenmarkt drängen Start-ups mit Nischenprodukten nach vorne. Ein Münchner Unternehmen bringt im September 2026 eine Milchalternative auf Basis von Biertreber auf den Markt. Das Produkt soll dreimal mehr Protein und deutlich weniger Zucker als Hafermilch enthalten. Gegründet von Absolventinnen der Technischen Universität München, wird das Team mit 500.000 Euro gefördert und in ein Nachhaltigkeitsprogramm eines großen Online-Händlers aufgenommen.

Auch die Forschung beschäftigt sich mit Inhaltsstoffen. Eine Übersichtsarbeit der Tufts University wertete 21 klinische Studien aus. Das Ergebnis: Süßstoffe wie Aspartam oder Sucralose könnten die Darmflora beeinflussen und zu höheren Insulinwerten führen. Die Autoren raten zu sparsamem Gebrauch.

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Milchpreise zwischen Stabilität und Krise

Die wirtschaftliche Lage im Milchsektor bleibt angespannt. FrieslandCampina senkte den Garantiepreis für konventionelle Milch im Juli 2026 leicht auf 41,25 Euro pro 100 Kilogramm. Bio-Milch stieg dagegen auf 63,50 Euro.

In der Schweiz steckt die Molkerei Cremo in der Sanierung. Das zweitgrößte Unternehmen der Branche verarbeitet jährlich 363 Millionen Kilogramm Milch und beschäftigt 660 Mitarbeiter. Eine Schließung würde rund 1.800 Milchproduzenten in der Region treffen.

Megaprojekt in der Sahara

International entstehen Projekte in völlig neuen Dimensionen. In der algerischen Sahara entsteht für 3,5 Milliarden US-Dollar eine Milchviehanlage für 270.000 Kühe. Die Produktion von Milchpulver soll Ende 2027 anlaufen und perspektivisch die Hälfte des algerischen Bedarfs decken. Das Projekt umfasst 117.000 Hektar und soll 5.000 Arbeitsplätze schaffen.

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