Pflanzenschutz, Amöben

Pflanzenschutz: Amöben ersetzen Fungizide – 175.000 Euro Förderung

Veröffentlicht am: 14.09.2026 um 14:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein DBU-gefördertes Projekt der Hochschule Wismar prüft Protostelium-Amöben als biologische Alternative zu chemischen Fungiziden im Gartenbau.

Hochschule Wismar entwickelt Amöben-Präparat gegen Pilzbefall
Nahaufnahme eines gesunden grĂĽnen Blattes in einem landwirtschaftlichen Feld bei Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die Sicherung landwirtschaftlicher Erträge gegen pilzliche Krankheitserreger steht zunehmend im Fokus ökologischer und ökonomischer Überlegungen. Da der Einsatz chemisch-synthetischer Fungizide aufgrund ökologischer Bedenken und strengerer regulatorischer Vorgaben kritisch hinterfragt wird, gewinnen biologische Alternativen an Bedeutung.

Ein aktuelles Forschungsvorhaben der Hochschule Wismar widmet sich in diesem Zusammenhang der Entwicklung eines neuartigen Pflanzenschutzmittels auf Basis von Amöben der Gattung Protostelium. Wie die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) in einem Bericht vom 14.09.2026 erläuterte, wird dieses Vorhaben durch die Stiftung finanziell unterstützt.

Neue Ansätze gegen weltweite Ernteausfälle

Die Notwendigkeit für effiziente Strategien im Pflanzenschutz wird durch globale Daten zur Ernährungssicherung verdeutlicht. Laut Informationen der Max-Planck-Gesellschaft führen Pilzerkrankungen weltweit zu einem Verlust von 20 bis 40 Prozent der jährlichen Ernten. Diese Ausfälle gefährden nicht nur die Wirtschaftlichkeit landwirtschaftlicher Betriebe, sondern stellen auch eine erhebliche Belastung für die globale Nahrungsmittelversorgung dar.

Das Projekt der Hochschule Wismar setzt hierbei auf einen biologischen Wirkmechanismus. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt stellt für die Entwicklung des Präparats, das als Ersatz für herkömmliche Fungizide dienen soll, Fördermittel in Höhe von rund 175.000 Euro zur Verfügung.

Ziel der Förderung ist es, eine praxisgerechte Lösung zu schaffen, die den Ertragsverlust minimiert, ohne dabei die negativen Begleiterscheinungen chemischer Substanzen in Kauf nehmen zu müssen.

Biologische Funktionalität und Überlebensfähigkeit der Mikroorganismen

Anzeige

Pilzerkrankungen vernichten weltweit 20 bis 40 Prozent der jährlichen Ernten — und chemische Fungizide stehen unter wachsendem regulatorischem Druck. Ein DBU-gefördertes Forschungsprojekt der Hochschule Wismar setzt auf Amöben der Gattung Protostelium, die getrocknet mindestens vier Monate überleben und den Pilzbefall im Obst- und Gemüsebau reduzieren sollen. Kostenlosen Praxisleitfaden zu biologischen Fungiziden anfordern

Im Zentrum der Forschung stehen Amöben der Gattung Protostelium. Diese Mikroorganismen sind in der Lage, Pilze zu kontrollieren und somit den Befall von Nutzpflanzen zu reduzieren. Ein entscheidender Faktor für die Marktfähigkeit eines solchen biologischen Produkts ist dessen Lagerstabilität und Anwendbarkeit unter realen landwirtschaftlichen Bedingungen.

Ein wesentliches Merkmal der untersuchten Amöben ist ihre Robustheit in getrocknetem Zustand. Nach Angaben der Projektbeteiligten überleben die Mikroorganismen in getrockneter Form für einen Zeitraum von mindestens 4 Monaten.

Diese Eigenschaft gilt als technologische Grundvoraussetzung, um das biologische Präparat industriell zu verarbeiten, zu transportieren und über eine Anbausaison hinweg für Landwirte vorzuhalten. Durch die Nutzung natürlicher Gegenspieler von Pilzen soll eine nachhaltige Reduktion des chemischen Pflanzenschutzes ermöglicht werden.

Anwendungsszenarien im Gartenbau und industrielle Kooperation

Die praktische Erprobung und der spätere Einsatz des Amöben-basierten Fungizid-Ersatzes konzentrieren sich zunächst auf einen spezifischen Bereich der Agrarwirtschaft. Laut den Projektunterlagen vom September 2026 ist die erste Anwendung des Präparats im Obst- und Gemüsebau vorgesehen.

Anzeige

Im Obst- und Gemüsebau zählt jedes rückstandsfreie Produkt — doch strengere Regeln gegen chemische Fungizide machen die Planung schwer. Der kostenlose Leitfaden zeigt in fünf Schritten, wie Sie auf biologische Wirkstoffe umstellen, welche Lagerbedingungen nötig sind und worauf Sie bei der Anwendung achten müssen. 5-Schritte-Checkliste zum Umstieg jetzt sichern

Da diese Kulturen besonders anfällig für Pilzinfektionen sind und gleichzeitig hohe Anforderungen an die Rückstandsfreiheit der Produkte gestellt werden, gilt dieser Sektor als idealer Testmarkt für biologische Innovationen.

Für die Überführung der Forschungsergebnisse in eine kommerzielle Nutzung arbeitet die Hochschule Wismar mit einem spezialisierten Wirtschaftspartner zusammen. Kooperationspartner des Projekts ist die E-Nema GmbH. Die Zusammenarbeit zielt darauf ab, die biologischen Erkenntnisse in produktionsreife Verfahren zu übersetzen und damit die Verfügbarkeit umweltschonender Pflanzenschutzlösungen für den gewerblichen Gartenbau zu erhöhen.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70099094 |