Pflanzliche Mittel: 18 Übersichten finden nur bei sieben begrenzte Vorteile
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 11:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Pflanzliche Immun-Drinks und scharfe Knollen erfreuen sich in der kalten Jahreszeit großer Beliebtheit. Ein Medienbericht griff dazu kürzlich Berichte der ARD auf, die auf einen folgenschweren Fehler bei der Anwendung von Ingwer-Shots gegen Erkältungen hinweisen.
Zwar enthielt der Verweis auf den ARD-Beitrag keine weitergehenden Details zu konkreten Anwendungsfehlern, Preisen oder beteiligten Expertinnen, doch Fachleute ordnen das Potenzial der vermeintlichen Wundermittel zunehmend nüchtern ein.
Fehlende Belege für Schutz vor Erkältungen
Die Pharmazeutin Tina Werner stellt klar, dass Ingwer-Shots keinen wissenschaftlich belegten Schutz vor Erkältungen bieten. Zudem bergen industriell hergestellte Zubereitungen Nachteile: Fertige Immun-Drinks können viel Zucker enthalten.
Auch die verbreitete Annahme, Erkältungen ließen sich durch Vitamin C abwenden, trifft in dieser Form nicht zu. Zwar deutet eine Untersuchung mit rund 11.000 Teilnehmenden darauf hin, dass eine regelmäßige Einnahme zu tendenziell kürzeren und milderen Verläufen führen kann, eine Infektion verhindern kann Vitamin C jedoch nicht zuverlässig.
Ein gezieltes Ankurbeln des Immunsystems durch einzelne Lebensmittel ist nach Angaben der Pharmazeutin ohnehin nicht möglich. Für eine funktionierende Abwehr seien stattdessen ausreichender Schlaf, effektives Stressmanagement sowie eine ausgewogene Ernährung maßgeblich. Sollte der Verdacht auf einen konkreten Nährstoffmangel bestehen, rät Werner zu einer ärztlichen Abklärung.
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Traditionelle Zubereitung und wissenschaftliche Datenlage
In Medienberichten werden selbst hergestellte Getränke wie Ingwertee mit Zitrone und Honig zwar als wohltuende Hausmittel beschrieben, ein tatsächlicher Schutz vor viralen Infekten ist aber auch hier nicht belegt.
Für die Zubereitung von zwei Portionen eines solchen Tees werden 500 Milliliter Wasser mit 20 Gramm frischem Ingwer – für Einsteiger genügen 10 bis 15 Gramm – zugedeckt über 20 Minuten sanft geköchelt.
Nach einer Abkühlzeit von 3 bis 5 Minuten auf unter 40 Grad Celsius werden ein Esslöffel Zitronensaft und zwei Teelöffel Honig eingerührt. Das Heißgetränk benötigt eine Gesamtzeit von 25 Minuten und schlägt mit einem Nährwert von 28 Kilokalorien pro Portion zu Buche.
Dass pflanzliche Naturstoffe nicht automatisch eine gesicherte Heilwirkung bedeuten, zeigt auch die klinische Forschung. Eine Auswertung in der Fachzeitschrift Phytotherapy Research vom 6. Oktober 2026 bündelte 18 systematische Übersichten zu 16 pflanzlichen Arzneimitteln.
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Lediglich in sieben Übersichten zeigten sich Hinweise auf mögliche, begrenzte Vorteile spezifischer Zubereitungen aus Ginseng, Efeu, Echinacea, Eukalyptus und Schwarzem Holunder. Elf Übersichten lieferten hingegen keine ausreichenden oder eindeutigen Belege.
Von den analysierten Übersichten galten 13 als methodisch hochwertig und fünf als mittelmäßig; eine allgemeine Empfehlung für sämtliche Produkte leitete das Team nicht ab. Viele pflanzliche Substanzen wurden bislang vorrangig in Zellstudien untersucht, während belastbare klinische Daten oft fehlen oder postulierte Wirkungen unrealistisch hohe Dosen erfordern würden.
Grenzen der Selbstmedikation bei Infekten
Auch aus medizinischer Sicht erfordern Atemwegserkrankungen einen sachlichen Umgang. Dr. Anke Reichelt de Tenorio von den Medius-Kliniken erläuterte am 11. Oktober 2026, dass Erkältungen in den meisten Fällen durch Viren hervorgerufen werden.
Da Antibiotika ausschließlich gegen Bakterien wirken, sind sie bei typischen Erkältungskrankheiten wirkungslos. Sinnvoll seien vielmehr körperliche Ruhe, eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Präparate, die gezielt einzelne Beschwerden lindern.
Ein unnötiger Einsatz von Antibiotika birgt Gefahren, da er die Bildung resistenter Keime fördert. Ihr Einsatz bleibt spezifischen bakteriellen Komplikationen wie bestimmten Lungenentzündungen vorbehalten. Verschlechtert sich der Zustand deutlich oder treten Warnzeichen wie Fieber sowie anhaltender, schmerzhafter Husten auf, ist eine ärztliche Untersuchung erforderlich.

