Pflege in Thüringen: Zahl der Stützpunkte soll von 7 auf 22 steigen
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deAuf der Landespflegekonferenz in Weimar stand die geplante Neuregelung der pflegerischen Versorgungslandschaft im Mittelpunkt der Beratungen. Die Thüringer Landesregierung strebt dabei eine deutliche Ausweitung der regionalen Anlaufstellen an, um Ratsuchenden und Betroffenen kürzere Wege zu ermöglichen.
Sozialministerin Katharina Schenk legte dem Kabinett einen ersten Entwurf für ein neues Pflegeentwicklungsgesetz vor, mit dem zentrale Vereinbarungen aus dem Regierungsvertrag forciert werden sollen. Die Reform zielt darauf ab, die Strukturen an den rasch wachsenden Bedarf einer alternden Bevölkerung anzupassen.
Ausbau der Pflegestützpunkte in allen Landkreisen
Ein Kernpunkt der Reformpläne betrifft die Beratungsangebote vor Ort. Nach Angaben des Thüringer Sozialministeriums soll die Zahl der Pflegestützpunkte landesweit von derzeit 7 auf insgesamt 22 Einrichtungen steigen.
Das Vorhaben sieht vor, dass künftig alle Landkreise sowie die kreisfreien Städte über eine solche wohnortnahe Beratungsstelle verfügen. Bislang existieren lediglich 7 Stützpunkte, unter anderem in Suhl, Jena und Weimar sowie in den Landkreisen Schmalkalden-Meiningen und Kyffhäuser.
Für die Umsetzung der Pläne stellt die Landesregierung finanzielle Mittel bereit: Am 27. Oktober 2026 wurde bekannt, dass fast eine Million Euro in den Pflegebereich investiert werden sollen, wobei das Geld zunächst vor allem in die planerische Vorbereitung fließt.
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Die entsprechenden Planungskosten übernimmt das Land vollständig; das Sozialministerium hat hierfür jährlich 930.000 Euro vorgesehen. Bis die gesetzlichen Neuerungen greifen, wird allerdings noch Vorlaufzeit benötigt: Das Ministerium rechnet mit einem Inkrafttreten des Pflegeentwicklungsgesetzes für Anfang 2028.
Hohe Quote häuslicher Betreuung verschärft den Handlungsdruck
Die Notwendigkeit einer Neuordnung belegen die demografischen Kennzahlen des Landes. Nach Angaben des Sozialministeriums leben in Thüringen rund 195.000 pflegebedürftige Menschen. Bemerkenswert ist dabei der hohe Anteil der häuslichen Pflege: Rund 80% der Betroffenen werden im eigenen Wohnumfeld betreut.
Ein solches Niveau war nach ministeriellen Einschätzungen ursprünglich erst für das Jahr 2030 erwartet worden. Berichten zufolge prognostizieren Erhebungen, dass im Jahr 2030 im Freistaat mindestens 195.000 Personen dauerhaft auf pflegerische Unterstützung angewiesen sein werden. Diese Entwicklung stellt die bestehenden ambulanten und familiären Betreuungsnetzwerke vor wachsende Herausforderungen.
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Krankenkassen fordern ergänzende digitale Vermittlung
Während die Regierung den Schwerpunkt auf den Ausbau der Vor-Ort-Beratung legt, verweisen Akteure aus dem Gesundheitswesen auf zusätzliche Erfordernisse. Aus Sicht der Krankenkasse Barmer reicht die reine Erhöhung der Anlaufstellen nicht aus.
Der Landesgeschäftsführer der Barmer in Thüringen, Robert Büssow, mahnte an, dass mehr Stützpunkte allein keine bessere Pflegeversorgung schaffen würden. Er sprach sich dafür aus, die Maßnahmen durch die Einführung eines landesweiten Heimfinders zu ergänzen, der an eine verpflichtende Meldung freier Betreuungskapazitäten gekoppelt sein müsste, um Versorgungsengpässe transparent zu machen und Pflegeplätze effizienter zu vermitteln.
Mehr zum Thema bei n-tv: „Thüringen: 22 statt 7 - Zahl der Pflegestützpunkte soll steigen - n“
