Pflege-KI: 5,6 Millionen Bedürftige bis 2035 treiben Digitalisierung
01.06.2026 - 00:30:41 | boerse-global.deDer demografische Wandel setzt das deutsche Gesundheitssystem massiv unter Druck. Immer mehr Pflegeeinrichtungen setzen daher auf digitale Helfer und KI-gestützte Systeme.
In Worms testen Pflegeheime bereits den Einsatz künstlicher Intelligenz zur Unterstützung des Personals. Das berichten regionale Behörden und Branchenexperten übereinstimmend. Die Entwicklung ist Teil eines bundesweiten Trends: Krankenkassen und Technologieunternehmen suchen händeringend nach Lösungen für eine alternde Gesellschaft und den wachsenden Fachkräftemangel.
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Bis 2035 wird die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland auf 5,6 Millionen steigen, so die Prognose des Statistischen Bundesamtes. Allein durch Zuwanderung lässt sich der Personalmangel nicht beheben – darin sind sich Fachleute einig.
Menschliche Würde als Maßstab
Anneke Riehl, Landesgeschäftsführerin der Barmer in Schleswig-Holstein, machte Ende Mai deutlich: Der Einsatz von KI in der Pflege sei nicht mehr wegzudenken. Die Technologie müsse jedoch als Entlastung dienen, nicht als Ersatz für menschliche Zuwendung. „Digitale Werkzeuge müssen die Würde der Pflegebedürftigen jederzeit wahren“, betonte sie.
Der Fokus liegt zunehmend auf dezentralen Versorgungskonzepten. Datengetriebene Technologien sollen es ermöglichen, dass Patienten länger in den eigenen vier Wänden bleiben können – und der Umzug ins Pflegeheim sich verzögert oder ganz vermeiden lässt.
Praxisprojekte im ganzen Land
Mehrere Initiativen zeigen, wie die Digitalisierung in der Pflege konkret aussehen kann:
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Amerang: Das Innovationszentrum „Altersgerechtes Wohnen“ der Medical Park stellt Alltagshelfer für ein selbstbestimmtes Leben vor. Dazu gehört der humanoide Roboter „Iwa“, der für soziale Interaktion und zur Entlastung des Pflegepersonals entwickelt wurde. Am 20. Juni lädt das Zentrum zu einem Tag der offenen Tür.
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Bad Kreuznach: Die Kreisverwaltung startete Anfang Juni das auf zwei Jahre angelegte Projekt „DiBiWohn+“. Ziel ist es, ältere Menschen durch digitale Teilhabe in ihrer Selbstständigkeit zu stärken.
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Worms: Über die reine Altenpflege hinaus setzt die Region auch in der Jugendhilfe auf digitale Unterstützung. Das St. Marien-Zentrum eröffnete etwa einen naturbasierten Gemeinschaftsgarten zur Förderung der Entwicklung.
In Österreich nutzen Rettungsdienste bereits KI zur Zusammenfassung von Patientendaten und zur Erstellung von Einsatzberichten. Das entlastet die Einsatzkräfte erheblich – vor allem bei lebensrettenden Maßnahmen.
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Milliardenmarkt mit Wachstumsdynamik
Der Markt für intelligente Sprachassistenten im Gesundheitswesen boomt. 2023 lag sein Volumen bei rund 500 Millionen Euro. Bis 2033 wird ein jährliches Wachstum von 14 Prozent erwartet. Treiber sind die Telemedizin, personalisierte Patientenversorgung und der Kostendruck in Krankenhäusern. Zu den wichtigsten Playern zählen Microsoft, Nuance und eGain.
Neue Geschäftsmodelle entstehen, um die Lücke zwischen Technologieentwicklern und Pflegepraxis zu schließen. Das Startup TechNurse etwa hat einen rechtlichen Rahmen geschaffen, der Medizinproduktehersteller direkt mit Pflegekräften vernetzt. So sollen neue Tools praxisnah entwickelt werden.
Reformstau und neue Herausforderungen
Doch die Branche steht vor weiteren Umwälzungen. Für Anfang Juli 2026 wird ein neuer Entwurf zur Pflegereform erwartet. Heimbetreiber – etwa in Bad Tölz-Wolfratshausen – schlagen Alarm. Die geplanten Verschärfungen bei Pflegegraden und höhere Eigenanteile könnten Angehörige zusätzlich belasten und die Versorgungsqualität gefährden.
Parallel zur technologischen Modernisierung setzen Kommunen weiter auf menschliche Arbeitskraft. Die Stadt Bottrop veranstaltete Ende Mai ihren ersten „Welcome Day“ für internationale Pflegekräfte. Ziel ist es, ausländischen Fachkräften die Integration zu erleichtern und eine Willkommenskultur zu etablieren.
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