Pflege-Krise, Fachkräfte

Pflege-Krise: Fachkräfte schrumpfen, während Bedarf um 137% wächst

Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 12:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Pflegebranche kämpft mit massivem Personalmangel und steigenden Kosten. Neue Ausbildungen und Prävention sollen Abhilfe schaffen.

Pflegekrise in Deutschland: Fachkräftemangel und neue Lösungsansätze
Eine Pflegekraft, die einer älteren Person in einer häuslichen Umgebung hilft, symbolisiert den Bedarf an Pflegehelfern. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Immer mehr Menschen brauchen Pflege – doch die Zahl der Fachkräfte schrumpft dramatisch.

Fachkräftemangel erreicht neue Dimensionen

Die Pflegekammer NRW schlägt Alarm. In vielen Regionen des Bundeslandes scheiden dreimal so viele Pflegefachkräfte aus dem Berufsleben aus, wie neue Kräfte nachrücken. Besonders betroffen: die Pflegeassistenz und Alltagsbegleitung.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Allein in Nordrhein-Westfalen stieg die Zahl der Pflegebedürftigen auf rund 1,38 Millionen im Jahr 2023. Das ist ein Plus von 16 Prozent gegenüber 2021 – und ganze 137 Prozent mehr als 2013.

Die Folgen sind bereits spürbar. Im Raum Bayreuth musste ein heilpädagogisches Zentrum die Betreuung schwerbehinderter Kinder einschränken. Grund: fehlende Fachkräfte.

Häusliche Pflege dominiert – doch die Helfer fehlen

Neun von zehn Pflegebedürftigen leben zu Hause. Das zeigt der aktuelle Report des Medizinischen Dienstes. Fast 60 Prozent der Antragsteller entscheiden sich bei der Erstbegutachtung für Pflegegeld statt für ambulante Sachleistungen.

Die häufigsten Ursachen für Pflegebedürftigkeit: Demenzerkrankungen, Altersschwäche und Polyarthrose. Genau hier gewinnen Assistenzleistungen und Alltagsbegleitung an Bedeutung.

In Berlin-Neukölln gibt es deshalb eine ungewöhnliche Forderung: Asylbewerber sollen als Senioren- oder Behindertenbegleiter eingesetzt werden. Die Idee: Niederschwellige Unterstützung soll das professionelle Personal entlasten und soziale Teilhabe sichern.

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Neue Ausbildung als Rettungsanker?

Ab 1. Januar 2027 kommt eine bundesweit einheitliche Ausbildung zur Pflegefachassistenz. Die 18-monatige generalistische Ausbildung ersetzt dann 27 verschiedene landesrechtliche Regelungen. Das soll den Quereinstieg erleichtern.

Absolventen können in Krankenhäusern, der Altenpflege und ambulanten Diensten arbeiten. Eine weiterführende Fachausbildung ist möglich.

Doch die Branche hat auch andere Baustellen. Das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz vom Juli 2026 sorgt für Unmut. Der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) kritisiert die geplante Begrenzung des Pflegebudgets ab 2027 und den Wegfall verbindlicher Personalbemessungsinstrumente.

Private ambulante Pflegedienste im Rheinisch-Bergischen Kreis forderten in einem offenen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz eine Korrektur der Refinanzierungsregeln. Ihre Befürchtung: Tarifgebundene Anbieter refinanzieren Gehaltssteigerungen leichter – private Dienste haben das Nachsehen.

Prävention und Technik als Ausweg?

Das Bundesgesundheitsministerium setzt auf Vorbeugung. Mitte Juli 2026 startete eine Präventionsoffensive mit Maßnahmen wie dem „Check-up 60+“, Pflegebegleitung und verbesserten Reha-Angeboten. Ziel: Pflegebedürftigkeit hinauszögern. 2025 waren dafür 734 Millionen Euro eingeplant.

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Auch Technik soll helfen. Ein Modellprojekt in Karlsfeld testete über dreieinhalb Jahre digitale Werkzeuge wie Sprachdokumentation und interaktive Bewegungsprogramme. Ergebnis: Effizienzsteigerung bei der Dokumentation. Die Politik betont jedoch: Technologie kann den menschlichen Kontakt ergänzen, nicht ersetzen.

Die Opposition im Bundestag kritisiert derweil die mangelhafte Datenlage. Belastbare Zahlen zu Wartezeiten, Aufnahmestopps und tatsächlichem Personalbedarf fehlten. Die Fakten, die es gibt, sind alarmierend: Die Zahl der Kurzzeitpflegeplätze sank von 10.816 (2015) auf 8.293 (2023). Gleichzeitig haben sich die pflegebedingten Eigenanteile seit 2017 mehr als verdreifacht.

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