Pflegeberatung: 87% Zufriedenheit, aber Millionen kennen das Angebot nicht
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der deutschen Sozialwirtschaft und im Stiftungswesen zeichnen sich bedeutende personelle Veränderungen ab. Mehrere Organisationen aus der Altenhilfe, der Kinderhospizarbeit und dem Denkmalschutz haben ihre Führungsgremien neu besetzt oder Wechsel angekündigt. Gleichzeitig zeigen aktuelle Jahresberichte die wirtschaftliche Lage großer Träger in einem herausfordernden Umfeld.
Führungswechsel bei Traditionsstiftungen
Der Verein Herzenswünsche aus Münster vollzieht einen Generationswechsel. Nach 34 Jahren legte Wera Röttgering ihr Amt als erste Vorsitzende nieder. Ihre Nachfolgerin Sabine Ziegler arbeitet bereits seit 28 Jahren für die 1992 gegründete Organisation, die sich um Wunscherfüllungen für schwer kranke Kinder kümmert. Der Verein trägt seit 1995 das DZI-Spendensiegel und wird von einer kleinen Stammbelegschaft sowie zahlreichen Ehrenamtlichen getragen.
Auch bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz steht ein Wechsel an. Lutz Heitmüller scheidet zum Jahresende 2025 als kaufmännischer Vorstand aus. Zum 1. Januar 2026 übernimmt Dr. Juliane Parys seine Nachfolge. Dr. Steffen Skudelny bleibt weiterhin für den ideellen Bereich verantwortlich. Die Stiftung hat seit ihrer Gründung über 7.500 Denkmale mit mehr als 750 Millionen Euro unterstützt.
Neue Leitungen in Pflege und Hospiz
In der stationären Langzeitpflege und Hospizversorgung werden zentrale Positionen neu besetzt. Das Alterszentrum am Buechberg in Fislisbach leitet ab Frühjahr 2027 Simon Paul Kleiner. Er folgt auf Thomas Rohrer, der die Einrichtung über 15 Jahre führte. Kleiner bringt langjährige Erfahrung aus der Akut- und Langzeitpflege mit.
Die Kinderhospiz Sankt Martin gGmbH in Polling hat bereits zum 1. Juli 2026 ein neues Geschäftsführer-Duo berufen. Steffen Röger und Simone Kraus leiten die Gesellschaft, die für 2028 die Eröffnung eines stationären Kinderhospizes im Kloster Polling plant. Das Projekt mit acht Betten erfordert Baukosten von rund 20 Millionen Euro. Derzeit klafft noch eine Deckungslücke von etwa 3 bis 3,5 Millionen Euro. Für den Betrieb werden schätzungsweise 40 Pflegekräfte benötigt.
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Wirtschaftliche Lage der großen Träger
Die Finanzberichte großer diakonischer Träger für 2025 zeigen eine stabile, aber von Kostensteigerungen geprägte Entwicklung. Die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel meldeten Gesamterträge von 2,05 Milliarden Euro – ein Plus von 3,7 Prozent. Das Jahresergebnis lag bei 13,8 Millionen Euro. Die Mitarbeiterzahl stieg auf 25.900 Personen an. Vorstandschef Bartolt Haase und Finanzchef Christoph Nolting verwiesen auf eine Kampagne für Menschen mit Behinderungen. Sie erzielte zwar hohe digitale Reichweite, war jedoch auch mit massiven verbalen Anfeindungen gegen die Zielgruppe konfrontiert.
Die Stiftung Liebenau verzeichnete für 2025 Erlöse von 727 Millionen Euro bei einem Personalaufwand von 414 Millionen Euro. Mit über 10.380 Mitarbeitenden an Standorten in mehreren europäischen Ländern investierte die Stiftung 89 Millionen Euro. Ein Schwerpunkt lag auf dem Umbau am Standort Hegenberg. Die Verbandsführung appellierte an die Politik, notwendige Sozialreformen voranzutreiben – besonders vor dem Hintergrund verhandelter Kürzungen im Sozialbereich von mindestens 8,6 Milliarden Euro.
Innovationen in der Patientenversorgung
Neben personellen und finanziellen Entwicklungen zeigen aktuelle Projekte neue Ansätze in der Gesundheitsversorgung. Das Sana-Herzzentrum Cottbus startete im Juli 2026 gemeinsam mit der AOK Nordost das Projekt „Cardiolotse“. Ziel ist eine persönliche Begleitung von Herzpatienten für bis zu ein Jahr nach dem Klinikaufenthalt, um die Wiederaufnahmerate zu senken.
Das Universitätsklinikum Heidelberg meldete im Juli 2026 den Einsatz eines neuen extravaskulären Defibrillator-Systems. Die Elektrode wird außerhalb des Herzens platziert und schont so die Gefäße.
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Pflegeberatung: Hohe Zufriedenheit, aber Bekanntheitsproblem
Eine Evaluation des IGES-Instituts lieferte neue Daten zur Qualität der allgemeinen Pflegeberatung. Die Zufriedenheit der Versicherten mit der Beratung der Pflegekassen liegt bei 87 Prozent. Die Telefonberatung nutzen 43 Prozent der Befragten, die Videoberatung spielt mit unter einem Prozent kaum eine Rolle. Herausfordernd bleibt die Bekanntheit des Angebots: Rund ein Drittel der Versicherten gab an, die Beratungsmöglichkeiten nicht zu kennen.
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