Pflegekrise, Millionen

Pflegekrise: 6 Millionen Bedürftige, bis 2055 zwei Millionen mehr

Veröffentlicht am: 29.08.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die DRK Schwesternschaft Wuppertal eröffnet Haus Nova mit Spezialpflege, digitalen Bettsystemen und 67 Plätzen für Lang- und Kurzzeitpflege.

Haus Nova: DRK eröffnet Pflegezentrum mit digitaler Ausstattung
Modernes, helles Zimmer in einer Pflegeeinrichtung mit einem technologisch ausgestatteten Pflegebett. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Anforderungen an die stationäre Pflege wandeln sich durch den demografischen Wandel und den technologischen Fortschritt stetig. Ein aktuelles Beispiel für diese Entwicklung ist die Inbetriebnahme der neuen Pflegeeinrichtung „Haus Nova“ durch die DRK Schwesternschaft Wuppertal.

Mit der Eröffnung am Willibrord-Lauer-Weg 11 reagiert der Träger auf den steigenden Bedarf an spezialisierten Pflegeplätzen und setzt dabei verstärkt auf digitale Unterstützungssysteme und bauliche Besonderheiten.

Kapazitäten und spezialisierte Versorgungsbereiche

Die neue Einrichtung verfügt über insgesamt 45 Betten in der Langzeitpflege sowie 22 Plätze für die Kurzzeitpflege. Ein wesentlicher Aspekt des Konzepts ist die Spezialisierung auf Patientengruppen mit besonderen Anforderungen.

So wurden im „Haus Nova“ acht Einzelzimmer explizit für die Versorgung von Menschen mit Adipositas eingerichtet. Diese Räumlichkeiten sind mit speziellen Betten ausgestattet, die für ein Gewicht von 200 bis 300 Kilogramm ausgelegt sind.

Neben der Adipositas-Versorgung liegt der Fokus der Einrichtung auf der Betreuung von Bewohnern mit neurologischen Erkrankungen sowie auf Personen, die ein herausforderndes Verhalten zeigen. Um die Attraktivität für Fachkräfte zu steigern und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern, wurde im Erdgeschoss zudem eine Kindertagesstätte für Kinder von Mitarbeitern integriert.

Digitale Assistenzsysteme und intelligente Ausstattung

Die technologische Ausstattung der Einrichtung zielt darauf ab, sowohl die Versorgungsqualität für die Bewohner zu erhöhen als auch das Pflegepersonal zu entlasten. Zum Einsatz kommen intelligente Bettsysteme, die über Funktionen zur Mikrolagerung verfügen. Diese Technik unterstützt die Dekubitusprophylaxe durch automatisierte, minimale Bewegungsreize.

Zusätzlich sind die Betten mit Sensoren zur Erkennung von Bettnässe ausgestattet. Diese digitale Überwachung ermöglicht eine bedarfsgerechte Pflegeintervention, ohne die Nachtruhe der Bewohner durch unnötige Routinekontrollen zu stören. Diese Form der digitalen Ausstattung spiegelt einen Trend in der Branche wider, bei dem Sensorik und automatisierte Hilfsmittel zunehmend Einzug in den Pflegealltag halten.

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Mobile Diagnostik und sektorübergreifende Ansätze

Ergänzend zu stationären Innovationen gewinnen mobile Lösungen an Bedeutung, um die Versorgung von Senioren in ihren Lebensräumen zu stabilisieren. Das Caritas-Krankenhaus Lebach präsentierte im Rahmen des Innovationsfondsprojekts DIKOM eine „Mobile Geriatrie Unit“ (MGU). Dabei handelt es sich um einen 12 Tonnen schweren Diagnostik-Lkw, der bundesweit als einmalig gilt.

Das Fahrzeug ist mit modernster Medizintechnik ausgestattet, darunter Computertomographie (CT), digitales Röntgen, Ultraschall sowie EEG- und EKG-Geräte. Zudem verfügt die Einheit über ein Point-of-Care-Labor und telemedizinische Anbindungen. Ziel der MGU ist es, durch Diagnostik vor Ort unnötige Klinikeinweisungen zu vermeiden und damit sowohl die Patienten als auch Hausärzte und Pflegeteams zu entlasten.

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Infrastrukturelle Herausforderungen und politische Forderungen

Trotz einzelner Leuchtturmprojekte steht die Digitalisierung der Pflegebranche insgesamt vor erheblichen Hürden. Der GKV-Spitzenverband wies im August 2026 darauf hin, dass die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland auf rund 6 Millionen angewachsen ist und bis zum Jahr 2055 ein weiterer Anstieg um 2 Millionen erwartet wird. Finanziell wurde das System bereits im Jahr 2025 durch ein Bundesdarlehen in Höhe von 500 Millionen Euro gestützt.

Die Vernetzung der Einrichtungen mit der Telematikinfrastruktur (TI) verläuft heterogen. Daten vom Mai 2026 zeigen, dass zwar 84 Prozent der Pflegeeinrichtungen eine entsprechende Authentifizierung beantragt haben, jedoch erst zwei Drittel im TI-Adressbuch verzeichnet sind. Nur etwa ein Drittel nutzt bislang sichere E-Mail-Dienste für den Datenaustausch.

Vor diesem Hintergrund fordert der GKV-Spitzenverband einen „DigitalPakt Pflege“. Vorgeschlagen wird unter anderem, die Förderung digitaler Anschaffungen gemäß § 8 Abs. 8 SGB XI, die bisher einmalig bis zu 12.000 Euro betrug, alle drei Jahre zu ermöglichen.

Auch das Bündnis „Digitalisierung in der Pflege“ betont die Notwendigkeit einer nachhaltigen Refinanzierung der laufenden Kosten und einer engeren Praxisbegleitung, um die technologische Unterstützung im Pflegealltag flächendeckend zu etablieren.

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