Pflegeneuordnungsgesetz, Euro

Pflegeneuordnungsgesetz: 131 Euro Entlastungsbetrag sollen fĂŒr NeuzugĂ€nge entfallen

Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 19:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Regionale Betreuungsangebote entstehen, wĂ€hrend Auslastungsprobleme und geplante Änderungen bei Pflegeleistungen die TrĂ€ger vor wirtschaftliche Herausforderungen stellen.

Tagespflege unter Druck: ReformplÀne und Finanzierung belasten Anbieter
Ein heller, freundlicher Aufenthaltsraum in einer Tagespflegeeinrichtung mit Blick in einen Garten. Illustration mit AI erstellt.

Tagespflegeeinrichtungen und teilstationÀre Betreuungsangebote gewinnen vor dem Hintergrund des demografischen Wandels stetig an Bedeutung. Sie sollen pflegende Angehörige entlasten, soziale Isolation verhindern und kognitive sowie motorische FÀhigkeiten von Senioren fördern.

WÀhrend Kommunen und WohlfahrtsverbÀnde vielerorts neue Projekte initiieren, verschÀrfen finanzielle Belastungen und geplante gesetzliche Neuregelungen die wirtschaftliche Situation vieler TrÀger.

Regionale Initiativen und aktivierende BetreuungsansÀtze

Vor Ort setzen Betreiber auf eine Kombination aus sozialer Teilhabe, Alltagsstrukturierung und therapeutischer UnterstĂŒtzung. In Hagenow öffnet die Tagespflege „Neue Heimat“ am 7. Oktober 2026 von 10 bis 16 Uhr ihre RĂ€umlichkeiten zum Tag der Tagespflege fĂŒr Interessierte.

Neben Besichtigungen und BeratungsgesprĂ€chen ermöglicht die Einrichtung den GĂ€sten individuelle Betreuungstermine sowie den Zugang zu Angeboten wie Friseur, Fußpflege oder Ergotherapie.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern richtet sich die Tagespflege Villa Auguste in Malchow an Senioren ab Pflegegrad 2. In dem von 1902 bis 1904 erbauten und 2014/2015 sanierten GebĂ€ude betreut ein fĂŒnfköpfiges Team 15 Frauen und MĂ€nner aus der Stadt und dem Umland. Das Programm umfasst Bewegung, Spiele, AusflĂŒge und GedĂ€chtnistraining auf freiwilliger Basis.

Im rheinland-pfÀlzischen Kaiserslautern eröffnete das Deutsche Rote Kreuz am 12. MÀrz 2026 den kostenlosen PflegeTreff als ersten Baustein des Pilotprojekts CareQuartier Plus. Seit dem 19. MÀrz 2026 steht das Angebot in der DRK-Sozialstation donnerstags von 15 bis 19 Uhr offen und verbindet ambulante wie stationÀre Pflege, Beratung, Therapie, Ehrenamt und ein NotfallgÀstezimmer.

Das Vorhaben soll bis Ende 2027 wissenschaftlich ausgewertet werden; im Jahr 2023 war laut dem Statistischen Landesamt Rheinland-Pfalz mehr als ein Drittel der Stadtbevölkerung mindestens 65 Jahre alt.

Vergleichbare AnsĂ€tze zeigen sich auch im internationalen Raum: Im nordmazedonischen Ohrid nahm am 1. Oktober 2026 ein Tageszentrum fĂŒr aktives Altern den Betrieb auf.

Die Weltbank und das Ministerium fĂŒr Sozialpolitik, Demografie und Jugend stellten 1.250.919 Denar bereit, wĂ€hrend sich die Gemeinde Ohrid mit 438.000 Denar beteiligte und die Nebenkosten ĂŒbernimmt. FĂŒr die derzeit rund 30 Nutzer stehen neben einem Kleinbus Angebote fĂŒr Bewegung, geistige AktivitĂ€t und generationenĂŒbergreifende Begegnungen bereit.

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Wirtschaftliche Herausforderungen und Auslastungsprobleme

Trotz des Bedarfs stehen Einrichtungen vor wirtschaftlichen HĂŒrden. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) Hamburg warnte vor VersorgungslĂŒcken, Personalabbau und Auslastungsproblemen; ein wirtschaftlicher Betrieb sei mit lediglich 70 Prozent Auslastung dauerhaft nicht darstellbar.

Im hessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg, wo Ende 2025 laut Kreissprecher 117.103 Menschen lebten – darunter 40.369 ĂŒber 60 Jahre –, ist die Zahl der 133 TagespflegeplĂ€tze rĂŒcklĂ€ufig. Insgesamt galten dort zuletzt 9.574 Personen als pflegebedĂŒrftig, von denen 6.646 zu Hause versorgt wurden.

In der Tagespflege der Diakonie Rotenburg werden tĂ€glich 18 Senioren und pro Woche bis zu 78 Personen versorgt. Bei Pflege-Sachleistungen erhalten Betroffene mit Pflegegrad 2 monatlich 796 Euro und mit Pflegegrad 3 monatlich 1.497 Euro, wĂ€hrend fĂŒr Verhinderungspflege ab Pflegegrad 2 jĂ€hrlich 3.539 Euro zur VerfĂŒgung stehen.

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Gesetzliche ReformplÀne und deren Konsequenzen

ZusÀtzliche Dynamik bringt die Bundespolitik. Das Bundeskabinett beschloss am 30. September 2026 den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes, das noch Bundestag und Bundesrat passieren muss. Laut Dienstleister Solitas stiegen die Gesamtausgaben der Pflegeversicherung von rund 17 Milliarden Euro im Jahr 2005 auf mehr als 70 Milliarden Euro im Jahr 2025 bei rund 6 Millionen LeistungsempfÀngern.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass fĂŒr kĂŒnftige NeuzugĂ€nge mit Pflegegrad 1 der monatliche Entlastungsbetrag von 131 Euro entfĂ€llt, wĂ€hrend BestandsfĂ€lle geschĂŒtzt bleiben. FĂŒr die pflegegrade 2 bis 5 soll ein Sozialraumbudget von bis zu 175 Euro im Monat fĂŒr niedrigschwellige Alltagsangebote geschaffen werden, das jedoch nicht fĂŒr regulĂ€re ambulante Pflegedienste genutzt werden darf.

BeschĂ€ftigte in den Regionen befĂŒrchten, dass ein Wegfall der bisherigen EntlastungsbetrĂ€ge die Nachfrage weiter dĂ€mpfen und bestehende Betreuungsangebote gefĂ€hrden könnte.

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