Pflegereform, RentenbeitrÀge

Pflegereform: RentenbeitrĂ€ge fĂŒr Millionen Angehörige sinken auf 70%

Veröffentlicht: 02.07.2026 um 16:11 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Geplante KĂŒrzung der RentenbeitrĂ€ge fĂŒr pflegende Angehörige auf 70 Prozent stĂ¶ĂŸt auf breite Kritik von VerbĂ€nden und Politik.

Pflegereform 2027: RentenbeitrĂ€ge fĂŒr Angehörige sinken drastisch
Eine Ă€ltere Hand wird von einer jĂŒngeren Hand gehalten, symbolisiert Pflege und UnterstĂŒtzung im Kontext der Pflegereform. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Bundesregierung will die Pflegeversicherung mit einem neuen Gesetz retten – und spart dabei ausgerechnet bei denen, die zu Hause pflegen.

Der Referentenentwurf zum Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG) sieht drastische Einschnitte vor. Besonders umstritten: Die RentenbeitrĂ€ge fĂŒr pflegende Angehörige sollen auf 70 Prozent des bisherigen Niveaus sinken. VerbĂ€nde, Krankenkassen und Landespolitiker laufen Sturm.

„Massiver RĂŒckschlag“ fĂŒr Millionen Angehörige

Rund zehn Millionen Menschen in Deutschland pflegen Angehörige zu Hause. Pflegeforscher Heinz Rothgang spricht von einem „massiven RĂŒckschlag“ fĂŒr diese Gruppe. Der Deutsche Pflegerat warnt vor steigender Altersarmut – und davor, dass die Bereitschaft zur hĂ€uslichen Pflege sinkt.

Die Alzheimer Gesellschaften in Nordrhein-Westfalen bezeichnen das Vorhaben als „Programm, das die notwendige WertschĂ€tzung vermissen lĂ€sst“. Allein in NRW leben rund 1,4 Millionen PflegebedĂŒrftige, darunter etwa 400.000 Menschen mit Demenz.

ZusĂ€tzlich plant das Gesetz eine VerschĂ€rfung der Einstufungskriterien fĂŒr Pflegegrade. Der Entlastungsbetrag fĂŒr Menschen mit Pflegegrad 1 soll ganz wegfallen.

Milliardenloch – und höhere BeitrĂ€ge

Die finanzielle Lage der Pflegeversicherung ist prekĂ€r. FĂŒr 2027 droht ein Defizit von 7,6 Milliarden Euro. Im Jahr darauf könnte die LĂŒcke auf ĂŒber 15 Milliarden Euro anwachsen.

Ursachen: Kosten aus der Pandemie (fĂŒnf bis sechs Milliarden Euro) und jĂ€hrliche RentenbeitrĂ€ge fĂŒr pflegende Angehörige (rund fĂŒnf Milliarden Euro), die bisher nicht aus Steuermitteln gegenfinanziert werden.

Die Regierung will gegensteuern: Ab Januar 2027 steigt die Beitragsbemessungsgrenze auf 6.450 Euro monatlich. Der Zuschlag fĂŒr Kinderlose klettert von 0,6 auf 0,7 Punkte.

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Oliver Blatt, Chef des GKV-Spitzenverbandes, fordert einen kompletten Neustart der Reform. Auch die Unionsfraktionschefs aus sechs BundeslĂ€ndern lehnen die KĂŒrzungen ab. Ihr Vorschlag: Die Krankenabsicherung von BĂŒrgergeldempfĂ€ngern komplett aus Steuern finanzieren.

StationÀre Pflege: Fehlanreize und steigende Kosten

Doch nicht nur die hĂ€usliche Pflege ist betroffen. Die AOK Nordost kritisiert, dass Heimbetreiber ÜberschĂŒsse aus unbesetzten Stellen behalten dĂŒrfen. Die Kasse fordert eine vollstĂ€ndige RĂŒckzahlung solcher Mittel.

Die Eigenanteile fĂŒr Heimbewohner steigen indes weiter. Aktuelle Fallbeispiele zeigen: Selbst in hohen Pflegegraden mĂŒssen Bewohner monatlich rund 3.300 Euro zuzahlen. Private RĂŒcklagen schmelzen dahin.

Das Kuratorium Deutsche Altershilfe (KDA) schlĂ€gt eine einkommens- und vermögensabhĂ€ngige Begrenzung der Eigenanteile vor – um PflegebedĂŒrftige und ihre Familien zu entlasten.

Politischer Widerstand formiert sich

Auch innerhalb der Regierungskoalition wĂ€chst der Unmut. Die CSU-Abgeordnete Emmi Zeulner kritisiert neben den RentenkĂŒrzungen auch die geplante zeitliche Streckung der ZuschĂŒsse zu den Eigenanteilen.

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Ein weiterer Streitpunkt: die mögliche Absenkung oder Streichung der Einkommensgrenze von 100.000 Euro fĂŒr die Unterhaltspflicht von Kindern gegenĂŒber pflegebedĂŒrftigen Eltern.

Kommunale SpitzenverbĂ€nde schlagen Alarm. Der Landkreistag NRW warnt, dass die Kreise zunehmend als AusfallbĂŒrgen einspringen mĂŒssten. Seit 2023 seien die Kosten fĂŒr die Hilfe zur Pflege jĂ€hrlich um ĂŒber 20 Prozent gestiegen. Die Forderung: Der Bund und die Pflegeversicherung sollen die pflegebedingten Kosten vollstĂ€ndig ĂŒbernehmen.

Disclaimer zu unseren Artikeln: Keine Anlageberatung, keine Kauf oder Verkaufsempfehlung. Angaben zu Kursen, Unternehmen und MĂ€rkten ohne GewĂ€hr; Änderungen jederzeit möglich. BörsengeschĂ€fte können zu hohen Verlusten fĂŒhren. Unsere BeitrĂ€ge werden ganz oder teilweise automatisiert mit UnterstĂŒtzung von AI erstellt und geprĂŒft.

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