Pflegeversicherung, Millionen

Pflegeversicherung: 500 Millionen Euro fehlen schon in den kommenden Wochen

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 11:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

GKV und AOK beziffern Finanzlücken bis 2027; das Kabinett beschloss Maßnahmen, während weitere Reformschritte noch offen sind.

Pflegeversicherung: Milliardenlücken trotz geplanter Reformmaßnahmen
Ein heller, minimalistisch gestalteter Flur in einer modernen Pflegeeinrichtung mit einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Die finanzielle Lage der sozialen Pflegeversicherung bleibt trotz anstehender gesetzlicher Weichenstellungen angespannt. Nach Einschätzung von Oliver Blatt, dem Vorstandsvorsitzenden des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), steht das System vor akuten Liquiditätsproblemen.

In den kommenden Wochen fehlen im Ausgleichsfonds rund 500 Mio. Euro, um die Zahlungsfähigkeit zu gewährleisten; zur Überbrückung ist ein Darlehen vorgesehen. Auch bis zum Ende des Jahres 2026 zeichnet sich laut Blatt bereits ein Defizit von 1,2 Mrd. Euro ab.

Akute Finanzlücken und Forderungen der Kassen

Die Warnungen der Kassenvertreter verdeutlichen die fragile Finanzbasis. Laut Berechnungen des GKV-Spitzenverbandes benötigt die Pflegeversicherung im Jahr 2027 insgesamt 10 Mrd. Euro. Zwar soll eine Anhebung des Kinderlosenzuschlags um zusätzliche 0,3 Prozentpunkte jährlich 3,3 Mrd. Euro einbringen, dennoch verbleibt nach GKV-Berechnungen für 2027 eine Finanzierungslücke von 1 Mrd. Euro.

Blatt verwies zudem auf Corona-Altlasten in Höhe von 5 Mrd. Euro, welche die Pflegeversicherung getragen habe. Er forderte die Bundesländer auf, die Investitionskosten für Heime zu übernehmen, was die Heimbewohner um monatlich 500 Euro entlasten würde.

Auch vonseiten des AOK-Bundesverbandes wird schnelles Eingreifen angemahnt. Die Vorstandsvorsitzende Carola Reimann forderte ein weiteres Bundesdarlehen zur kurzfristigen Absicherung des Systems. Nach Angaben der AOK droht bis Ende 2026 ein zusätzliches, in der bisherigen Kabinettsrechnung unberücksichtigtes Finanzloch von mehr als 1 Mrd. Euro.

Für 2027 weise der Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes (PNOG) in der Kabinettsfassung eine Deckungslücke von 1,35 Mrd. Euro aus. Reimann drängte darauf, dass eine Pflegestrukturkommission binnen drei Monaten grundlegende Vorschläge vorlegen solle.

Eckpunkte und Reichweite des Pflegeneuordnungsgesetzes

Das Bundeskabinett beschloss am 30. September 2026 den Entwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes. Ohne Eingriffe hätte das rechnerische Defizit der Pflegekassen bei einem Beitragssatz von 3,6 Prozent im Jahr 2027 rund 7,6 Mrd. Euro betragen. Für die Folgejahre wurden die Fehlbeträge auf 15,4 Mrd. Euro (2028), 16,9 Mrd. Euro (2029) und 17,4 Mrd. Euro (2030) beziffert.

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Die Pflegekassen melden für die kommenden Wochen eine Lücke von rund 500 Mio. Euro im Ausgleichsfonds; bis Ende 2026 zeichnet sich ein Defizit von 1,2 Mrd. Euro ab. Wer wissen will, was das für Beiträge und Eigenanteile bedeutet, findet in diesem kostenlosen Leitfaden die wichtigsten Posten und Fristen im Überblick. Pflegekosten-Leitfaden jetzt anfordern

Das Reformpaket sieht Spar- und Einnahmemaßnahmen vor, deren Finanzwirkung laut Entwurf für 2027 auf 6,25 Mrd. Euro beziffert wird. In den Folgejahren sollen sie 14,46 Mrd. Euro (2028), 16,46 Mrd. Euro (2029) und 17,96 Mrd. Euro (2030) betragen. Der allgemeine Beitragssatz bleibt voraussichtlich bei 3,6 Prozent, während der Kinderlosenzuschlag von 0,6 Prozent auf 0,9 Prozent steigen soll.

Zudem sind ab 2027 eine monatliche Beitragsbemessungsgrenze von 6.112,50 Euro sowie ein Beitragszuschlag von 0,52 Prozent für mitversicherte Ehegatten vorgesehen. Für den Digitalisierungsbereich sind im Zeitraum 2027 bis 2031 insgesamt 1,6 Mrd. Euro vom Bund sowie 400 Mio. Euro von den Ländern eingeplant.

Strukturelle Herausforderungen und offene Reformschritte

Trotz der beschlossenen Finanzmaßnahmen gilt die langfristige Stabilisierung nicht als gesichert. Die Einsetzung der geplanten Pflegestrukturkommission, die weitergehende Reformvorschläge erarbeiten soll, wurde im Bundeskabinett vertagt. Dirk Wiese, Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Fraktion, stellte die Einsetzung für die Folgewoche in Aussicht. Die Vorschläge des Gremiums sollen ab Juli 2027 wirksam werden.

Die Dringlichkeit tiefgreifender Reformen spiegeln auch demografische Kennzahlen wider. Laut der Pflegebeauftragten der Bundesregierung, Claudia Staffler, stieg die Zahl der Pflegebedürftigen seit 2017 von 3 Mio. auf 6 Mio. an; in den kommenden fünf Jahren wird ein Zuwachs um eine weitere Million erwartet.

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Der Kinderlosenzuschlag soll von 0,6 auf 0,9 Prozent steigen, ab 2027 kommt ein Zuschlag von 0,52 Prozent für mitversicherte Ehegatten hinzu. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ihre künftige Belastung abschätzen und wo Angehörige heute noch entlasten können. Beitrags-Check für 2026 starten

Bei einem aktuellen Haushaltsvolumen der Pflegekassen von rund 80 Mrd. Euro belaufe sich das Defizit für die kommenden zwei Jahre auf insgesamt 23 Mrd. Euro, nachdem im ersten Halbjahr bereits ein Minus von 700 Mio. Euro verzeichnet worden sei.

Da 86 Prozent der Betroffenen zu Hause versorgt werden, forderte die Pflegebeauftragte mehr Prävention, Entlastung der pflegenden Angehörigen sowie Bürokratieabbau. Am 5. Oktober 2026 brachte zudem die AfD-Fraktion eine Kleine Anfrage zur finanziellen Lage und zu möglichen Steuerfinanzierungen in den Bundestag ein.

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