Pharmaforschung in Deutschland: Standortbewertung sinkt auf 5,65 Punkte
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Rahmenbedingungen für die pharmazeutische Forschung in Deutschland verharren auf einem schwierigen Niveau. Trotz gesetzlicher Initiativen wie dem Medizinforschungsgesetz (MFG) zeichnet eine Untersuchung der Beratungsagentur Vintura im Auftrag des Fraunhofer-Verbunds Gesundheit und des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) das Bild einer anhaltenden Stagnation.
Die Erhebung, für die 71 Fachleute aus öffentlichen und privaten Institutionen befragt wurden und die nach 2024 bereits zum dritten Mal stattfand, belegt einen schleichenden Attraktivitätsverlust der Bundesrepublik im internationalen Wettbewerb.
Sinkende Standortattraktivität und Translationsprobleme
Die Einschätzung des Forschungsstandorts Deutschland verschlechtert sich kontinuierlich. Auf einer Skala bis 10 Punkte vergaben die befragten Fachleute für das Jahr 2026 im Durchschnitt lediglich 5,65 Punkte. Damit sank der Wert das zweite Jahr in Folge, nachdem er vor zwei Jahren noch bei 6,03 Punkten gelegen hatte.
Zwar konnten bei den regulatorischen Verfahren erste Fortschritte erzielt werden – so verkürzten sich die Genehmigungszeiten für klinische Studien um 19 Tage –, doch reicht dies offenbar nicht aus, um spürbare Impulse zu setzen.
Laut Fraunhofer Gesundheit und vfa zeigen sich nach wie vor gravierende Defizite bei der Translation, also der Übertragung wissenschaftlicher Erkenntnisse in die praktische medizinische Anwendung.
Die Zahl der klinischen Studien sowie der deutsche Anteil am globalen Patienten-Recruiting blieben nahezu unverändert. Ulrike Köhl vom Fraunhofer-Verbund Gesundheit machte vor allem bürokratische Hürden, bestehende Finanzierungslücken und den Föderalismus für die Bremsspuren am Standort verantwortlich.
Die Standortbewertung für Pharmaforschung in Deutschland ist das zweite Jahr in Folge gesunken — auf 5,65 von 10 Punkten. Wer trotzdem hier investiert, braucht eine klare Einordnung: Was die 19 Tage schnelleren Genehmigungen wirklich bringen, wo die Translation stockt und welche Standortklausel gerade diskutiert wird. Jetzt kostenlosen Standort-Report anfordern
Rückstand im weltweiten Innovationswettbewerb
Die Stagnation wirkt sich zunehmend auf die Versorgung aus. Nach Angaben von Fraunhofer Gesundheit und vfa stieg die Zahl der von der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA als versorgungsrelevant eingestuften, in der Europäischen Union jedoch nicht zugelassenen Medikamente von 36 im Jahr 2023 auf 41 im Jahr 2025. Angaben aus der forschenden Pharma- und Biotech-Industrie verdeutlichen diesen Trend: Jedes dritte in den USA neu zugelassene Medikament erreicht Deutschland mittlerweile nicht mehr, obwohl zwei Drittel dieser Präparate über einen hohen Innovationsstatus verfügen.
Gleichzeitig verliert der europäische Kontinent insgesamt an forschungspolitischer Bedeutung. Aus der Branche wird darauf verwiesen, dass der europäische Anteil an der weltweiten Pharmaforschung von mehr als 40 Prozent auf knapp 30 Prozent zurückgegangen ist.
Der Anteil an klinischen Studien hat sich binnen einer Dekade auf 9 Prozent halbiert. Im Global Innovation Index der Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) zählt Deutschland zudem erstmals nicht mehr zu den zehn innovationsstärksten Volkswirtschaften.
Erschwert wird die Situation durch die extremen Rahmenbedingungen der Branche. Die Entwicklung neuer Medikamente erfordert üblicherweise 10 bis 15 Jahre, während die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns bei über 90 Prozent liegt. Vor diesem Hintergrund wiegt das globale Marktungleichgewicht schwer: Die USA vereinen über 50 Prozent des weltweiten Pharmamarktes auf sich, während Deutschland lediglich einen Anteil von 4 bis 5 Prozent hält.
Jedes dritte in den USA neu zugelassene Medikament erreicht Deutschland nicht mehr — bei zwei Dritteln mit hohem Innovationsstatus. Für Entscheider, die ihre Pipeline sichern wollen, lohnt der Blick auf die regulatorischen Wege und die geplanten Anreize. Der Leitfaden fasst zusammen, was heute belegbar ist und was noch Entwurf bleibt. Standort-Fahrplan für Ihre Pipeline jetzt sichern
Vorschlag für gezielte Standortanreize
Angesichts dieser Entwicklung stehen auch die finanziellen und regulatorischen Rahmenbedingungen zur Debatte. Eine Expertenkommission brachte den Vorschlag einer gezielten Standortklausel ins Gespräch: Während der erhöhte Herstellerabschlag von 15,5 Prozent beibehalten werden soll, könnten investierende Unternehmen von Teilen der finanziellen Zusatzbelastungen aus dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz ausgenommen werden, um die Bereitschaft zu Forschungsinvestitionen im Land zu stützen.
