Phishing-Alarm, Cyberangriffe

Phishing-Alarm: Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen um 53% gestiegen

Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 12:22 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Gefälschte Nachrichten und QR-Codes zielen auf Konten und Zahlungen. Sicherheitsforscher melden steigende Angriffe sowie hohe finanzielle Schäden.

Phishing-Wellen nehmen zu: Neue Betrugsmaschen bedrohen Unternehmen
Dunkler, moderner Serverraum mit langen Reihen von Server-Racks in blauem Umgebungslicht. Illustration mit AI erstellt.

Sicherheitsunternehmen und Ermittlungsbehörden schlagen Alarm wegen großangelegter Phishing-Wellen. Kriminelle missbrauchen dabei etablierte Markennamen wie Zoom, DocuSign oder T-Mobile, um über gefälschte E-Mails und Kurzmitteilungen sensible Zugangsdaten und Finanzinformationen abzugreifen.

Die Angreifer kombinieren zunehmend technische Werkzeuge wie generative künstliche Intelligenz mit Methoden des Social Engineerings, um ihre Täuschungsversuche glaubwürdiger zu gestalten.

Gezielte Kampagnen gegen Unternehmen

Nach Erkenntnissen des Sicherheitsunternehmens Kaspersky läuft derzeit eine zweistufige Phishing-Kampagne, die zunächst Firmenkonten in Westeuropa, Nahost, Lateinamerika, Russland, Armenien und Aserbaidschan mit gefälschten DocuSign-Nachrichten ins Visier nahm. Mehr als eine Woche später folgte eine zweite Welle im Namen von Zoom, in der Angreifer mit einer Kontosperrung drohten.

Über hinterlegte Links leiteten die Täter die Empfänger auf gefälschte Anmeldeseiten weiter, um Zugangsdaten und Kreditkarteninformationen zu stehlen. Bis zum 11.09.2026 registrierte Kaspersky mehr als 1.000 Phishing-E-Mails; die Kampagne bleibe weiterhin aktiv.

Auch das Microsoft Threat Intelligence Center beobachtete den Einsatz hochentwickelter Methoden: In einer Kampagne zur E-Mail-Kompromittierung verschickten Angreifer mithilfe generativer künstlicher Intelligenz innerhalb von nur 3 Tagen over 1 Mio. einzigartige Zahlungsaufforderungen.

Die Täter imitierten Führungskräfte, nutzten echtes Firmen-Branding und erstellten glaubhafte Rechnungen sowie gefälschte E-Mail-Verläufe. Ein erheblicher Teil dieser Angriffe richtete sich gegen US-Organisationen.

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Neue Angriffsvektoren im DACH-Raum

Die Bedrohungslage spitzt sich auch im deutschsprachigen Raum zu. Nach Angaben von Check Point Research stieg die Zahl der Cyberangriffe auf deutsche Unternehmen im August 2026 auf 1.844 Attacken pro Woche, was einem Zuwachs von 53 % entspricht – der stärkste Anstieg im regionalen Vergleich.

In Österreich kletterte die Zahl auf 2.468 Angriffe pro Woche (ein Plus von 41 %), während die Schweiz 1.515 Angriffe wöchentlich verzeichnete (plus 36 %). Weltweit lag der Durchschnitt bei 2.422 Angriffen pro Woche. Phishing gilt laut den Forschern weiterhin als das häufigste Einfallstor.

Gleichzeitig verlagern sich die Methoden in den analogen und mobilen Raum. Die Kriminalpolizei Kiel ermittelt in mehreren Fällen von sogenanntem Quishing: Geschäftskunden einer Bank erhielten gefälschte Briefe mit QR-Codes.

Nach dem Scannen und einer Anmeldung auf einer gefälschten Bankseite riefen vermeintliche Bankmitarbeiter an, um die Freigabe einer Überweisung unter dem Vorwand einer Stornierung zu erwirken. In einem Fall erbeuteten die Täter einen hohen fünfstelligen Betrag.

Die Polizei Köln wiederum warnt vor einer Masche namens „Ghost Pairing“ bei WhatsApp. Betrüger übernehmen Accounts und verleiten Kontaktpersonen über QR-Codes oder Links dazu, fremde Geräte mit dem eigenen Konto zu koppeln, um unbemerkt Nachrichten mitzulesen oder Geldforderungen zu stellen.

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Hohe Schäden und Schutzmaßnahmen

Wie gravierend die finanziellen Folgen sind, belegen offizielle Zahlen: Laut der Polizei Nordrhein-Westfalen gab es im Jahr 2025 rund 55.000 Cybercrime-Fälle mit einem Inlandsschaden von 41,5 Mio. Euro, zuzüglich rund 100.000 Straftaten mit dem Internet als Tatmittel. Nach Erhebungen von Verbraucherschützern und Datenschutzbehörden liegen die jährlichen Schäden bundesweit im dreistelligen Millionenbereich.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik weist darauf hin, dass über 80 % aller Phishing-Seiten mittlerweile SSL-Verschlüsselungen nutzen, weshalb ein Schlosssymbol im Browser keine Garantie für Echtheit bietet. Typische Alarmsignale bleiben künstliche Dringlichkeit, unpersönliche Anreden und abweichende Absender-Domains.

Experten raten zur konsequenten Nutzung von Zwei-Faktor-Authentifizierung, Passwort-Managern sowie technischer Schutzfilter und verweisen bei kompromittierten Zahlungsdaten auf den Sperr-Notruf 116 116. Das IT-Unternehmen Blackberry empfiehlt zudem, unerwartete Textnachrichten weder zu beantworten noch enthaltene Links zu öffnen und verdächtige Absender separat zu überprüfen.

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