Phishing-Dienst Kratos zerschlagen: 200 Server, 1.800 Täter
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 16:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Mehr als 200 Server wurden unschädlich gemacht, ein mutmaßlicher Entwickler in Indonesien festgenommen. Der Fall zeigt: Cyberkriminelle werden immer professioneller und greifen zunehmend auch Sicherheitsmechanismen wie die Zwei-Faktor-Authentisierung (2FA) an.
Phishing als Dienstleistung
„Kratos“ funktionierte nach dem „Phishing-as-a-Service“-Modell. Die Betreiber stellten gegen Gebühr Baukästen bereit, mit denen Kriminelle täuschend echte Kopien von Microsoft-Anmeldeseiten erstellen konnten. Über 1.800 Täter nutzten die Plattform und führten monatlich rund 15.000 Phishing-Kampagnen durch.
Seit Ende 2024 schädigte der Dienst Hunderttausende Opfer in über 30 Staaten. Besonders alarmierend: „Kratos“ konnte gängige Zwei-Faktor-Authentisierungen umgehen. Der erwirtschaftete Ertrag der Gruppe wird auf über 300.000 Euro geschätzt. Die Zerschlagung der Serverstruktur Anfang der Woche ist ein schwerer Schlag gegen die Verfügbarkeit solcher kriminellen Dienstleistungen.
Neobanken im Visier von Betrügern
Die Relevanz solcher Ermittlungserfolge untermauern aktuelle Zahlen der Financial Intelligence Unit (FIU). Neobanken geraten verstärkt ins Visier von Betrügern. 2025 meldete die Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen 108.158 Verdachtsmeldungen im Zusammenhang mit Neobanken – eine deutliche Steigerung gegenüber 34.357 Meldungen im Vorjahr.
Damit entfielen 29 Prozent aller Meldungen auf diesen Sektor, während es im Vorjahr lediglich 13 Prozent waren. Ein weiteres Beispiel für organisierte Kriminalität ist die „Operation Chargeback“. Zwischen 2016 und 2021 nutzten Täter über 19 Millionen fingierte Abonnements und verursachten einen Gesamtschaden von mehr als 300 Millionen Euro.
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Datenlecks als Treibstoff für Angriffe
Zusätzliche Gefahr für Bankkunden geht von massiven Datenabflüssen bei anderen Dienstleistern aus. Einer Datenbank für kompromittierte Konten wurden kürzlich 55,3 Millionen Datensätze aus einem Leck beim Unternehmen Suno hinzugefügt. Die Daten, bereits im November 2025 entwendet, enthalten E-Mail-Adressen, Telefonnummern und detaillierte Zahlungsinformationen wie Kartentypen und Adressen.
Parallel bestätigte der Handelskonzern Lidl eine Datenschutzverletzung bei einem externen IT-Dienstleister. Betroffen sind Kunden des Onlineshops in Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Entwendet wurden Namen, Geburtsdaten und E-Mail-Adressen. Solche Informationen dienen Cyberkriminellen oft als Basis für passgenaue Phishing-E-Mails.
In Vietnam warnte die Polizei zudem vor künstlicher Intelligenz: Täter analysieren den Schreibstil und Signaturen aus gehackten E-Mail-Konten, um glaubwürdige Zahlungsaufforderungen zu verfassen.
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Prozess in Münster gestartet
Während internationale Schläge die Infrastruktur angreifen, findet in Deutschland die strafrechtliche Aufarbeitung lokaler Banden statt. Vor dem Landgericht Münster hat ein Prozess gegen sechs Männer begonnen. Ihnen wird vorgeworfen, mit gefälschten Bankseiten bundesweit über 180.000 Euro erbeutet zu haben. Bei Hausdurchsuchungen in Nordrhein-Westfalen entdeckten Beamte 90.000 Euro Bargeld unter einem Bett und weitere 5.000 Euro unter einem Backofen.
Experten raten angesichts der aktuellen Bedrohungslage zur erhöhten Wachsamkeit bei E-Mails, die zur Änderung von Kontodaten oder zur Durchführung von Überweisungen auffordern. Trotz der bei „Kratos“ beobachteten Umgehungstechniken bleibt die Zwei-Faktor-Authentisierung ein wesentlicher Bestandteil der Kontensicherung – kombiniert mit einer sorgfältigen Prüfung der Absenderadressen.
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