Phishing-Kit, Kratos

Phishing-Kit Kratos zerschlagen: 200 Server offline, 15.000 Kampagnen gestoppt

Veröffentlicht am: 23.07.2026 um 09:46 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Google verbessert die Verwaltung ungenutzter Konten, um Sicherheitsrisiken durch Datenlecks und veraltete Zugriffe zu minimieren.

Google erweitert Inactive Account Manager gegen Zombie-Accounts
Leuchtendes digitales Vorhängeschloss in einem Serverraum, das die sichere Verwaltung inaktiver Online-Konten darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Neue Sicherheitsfunktionen sollen das Problem ungenutzter Accounts eindämmen. Google hat seinen Inactive Account Manager erweitert – ein Werkzeug, das Nutzern erlaubt, das Schicksal ihrer Daten nach drei bis zwölf Monaten Inaktivität zu bestimmen.

Zombie-Accounts als Sicherheitsrisiko

Die Verwaltung ungenutzter digitaler Konten ist zu einem zentralen Sicherheitsthema geworden. Hintergrund sind aktuelle Datenlecks und verschärfte Plattformrichtlinien. Das Problem: Der Durchschnittsnutzer unterhält heute rund 100 Online-Konten – viele davon schlummern ungenutzt vor sich hin.

Googles Inactive Account Manager bietet nun eine strukturierte Lösung für Daten aus Gmail, YouTube, Blogger und Google Voice. Nutzer können festlegen, ob ihre Daten gelöscht oder an einen vertrauenswürdigen Kontakt übertragen werden sollen. Das System sendet vor automatischen Aktionen Warnungen per SMS und an alternative E-Mail-Adressen.

Während Plattformen wie Facebook und Apple bereits Legacy-Kontakt-Funktionen eingeführt haben, erlauben andere wie LinkedIn meist nur eine formelle Schließung auf Antrag.

Wenn alte Accounts zur Gefahr werden

Die Sicherheitsrisiken unverwalteter Konten zeigte ein Vorfall an einer kommunalen Wasseraufbereitungsanlage. Ein „Zombie-Account" eines ehemaligen Mitarbeiters – der noch Domain-Administrator- und SCADA-Zugriffsrechte besaß – wurde von Hackern kompromittiert. Die Angreifer nutzten gestohlene Zugangsdaten aus einem früheren Leak und verschafften sich Zugang zu kritischer Infrastruktur.

Auch andere Organisationen kämpfen mit credential-basierten Bedrohungen. Mitte Juni 2026 erlebte die Fast-Food-Kette Chick-fil-A einen Credential-Stuffing-Angriff auf Treuekonten – nach einem ähnlichen Vorfall 2023, der 71.000 Accounts betraf. Im Juli 2026 gelang es dem niederländischen Streamer Joshua Khane, einen 25 Jahre alten Microsoft-Account zurückzuerlangen, der nach einem hack dauerhaft gesperrt worden war.

Rechtliche Entwicklungen fĂĽr digitalen Nachlass

Die Rechtslage für inaktive und vererbte digitale Vermögenswerte entwickelt sich weiter. In Indien entschied der Gujarat High Court kürzlich, dass iCloud-Daten Teil eines Nachlasses sein können – mit der Begründung, dass Datenschutzrechte mit dem Tod erlöschen könnten. Das indische Datenschutzgesetz von 2023 erlaubt zudem, Personen zu benennen, die nach dem Tod Datenrechte ausüben dürfen.

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Trotz dieser Fortschritte ist das Bewusstsein in bestimmten Berufsgruppen gering. Eine Studie aus Westbengalen zeigte, dass 99 Prozent der Mediziner mit dem Konzept des digitalen Nachlasses nicht vertraut waren. Experten empfehlen zentrale Lösungen wie digitale Tresore, um Verifizierungsprozesse für Erben zu vereinfachen.

Neue Authentifizierung und Wiederherstellung

Um die Flut identitätsbezogener Sicherheitsvorfälle einzudämmen – Branchenanalysten bezifferten die Ausgaben für entsprechende Sicherheitslösungen 2024 auf 18,5 Milliarden Euro – kommen neue Werkzeuge zum Einsatz. Marktforscher erwarten, dass 2026 über 800 Millionen neue gestohlene Zugangsdaten in Umlauf kommen, bedingt durch Infostealer-Malware.

Google Workspace hat am 21. Juli 2026 UnterstĂĽtzung fĂĽr Inbound SCIM (System for Cross-domain Identity Management) eingefĂĽhrt. Diese Funktion automatisiert die Nutzersynchronisation und das Offboarding und reduziert so Sicherheitsrisiken durch manuelle Verwaltung.

Am selben Tag veröffentlichte Sicherheitsforscher eine Analyse zu Passkeys. Während synchronisierte Passkeys über iCloud oder Google praktisch sind, warnten Experten: Wer sein primäres Gerät verliert, benötigt robuste Wiederherstellungscodes oder einen zweiten Passkey auf einem separaten Gerät.

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Forscher der Texas A&M University stellten zudem HIPPO vor – eine Browsererweiterung, die Passwörter aus einem Master-Passwort und der Webseiten-Adresse generiert, ohne Daten zu speichern. Die im IEEE Internet Computing veröffentlichte Studie legt nahe, dass solche nicht-speichernden Manager sowohl die Nutzerzufriedenheit als auch das Sicherheitsgefühl verbessern könnten.

Schlag gegen Phishing-Infrastruktur

Auch die internationale Strafverfolgung intensiviert den Kampf gegen die Infrastruktur hinter Account-Übernahmen. Am 22. Juli 2026 haben Behörden aus Deutschland und den USA das Kratos-Phishing-Kit zerschlagen. Die Operation nahm über 200 Server vom Netz, die monatlich 15.000 Phishing-Kampagnen ermöglichten. Das Kit war speziell darauf ausgelegt, Session-Cookies zu stehlen und die Multi-Faktor-Authentifizierung zu umgehen – betroffen waren hunderttausende Nutzer weltweit.

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