Phishing-Plattform, Kratos

Phishing-Plattform Kratos zerschlagen: 1.800 Kriminelle, 15.000 Kampagnen

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 18:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen 61-Jährige. Bande erbeutete über eine Million Euro mit gefälschten Handelsplattformen.

Schwedin als mutmaßliche Betrügerin: Millionen-Schaden durch Fake-Trading
Digitale Handelsplattform mit abstrakten Finanzdiagrammen auf einem Computerbildschirm in einem dunklen Büro. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine 61-jährige Schwedin soll als Teil einer Bande Anleger um Millionen betrogen haben. Die Staatsanwaltschaft Mannheim hat Anklage erhoben. Das Landgericht muss nun entscheiden.

Fünf Fälle und eine zentrale Rolle

Die Frau war zwischen 2021 und 2023 als Geschäftsführerin für die Organisation tätig. Dafür kassierte sie rund 100.000 Euro. Die Bande lockte ihre Opfer mit gefälschten Trading-Plattformen. Die versprochenen Renditen gab es nie. Stattdessen floss das Geld direkt an die Hintermänner.

Mindestens 24 Personen aus sieben Bundesländern wurden um insgesamt 1,17 Millionen Euro geprellt. Die Angeschuldigte wurde im März 2026 nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft.

Immer die gleiche Masche

Die Ermittler warnen vor weiteren betrügerischen Angeboten. Im Fokus steht aktuell die Seite balios-ag.net. Die Betreiber nutzen die Identität einer echten Aktiengesellschaft. Sie kopieren deren Adresse und Firmennummer, um seriös zu wirken. Die niederländische Aufsichtsbehörde AFM stuft das als organisierten Anlagebetrug ein.

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Auch Plattformen wie Aspirefinance.org, Harindale.trade, ext-ltd.com und kryptofxmarket.com gelten als riskant. Das Muster ist immer gleich: Nach anfänglichen Scheingewinnen fordern die Betrüger bei Auszahlungswünschen zusätzliche Zahlungen. Unter dem Vorwand von Steuern, Gebühren oder Liquiditätsnachweisen wird Druck aufgebaut.

Rekordverdacht: FIU meldet 374.700 Fälle

Die Financial Intelligence Unit (FIU) des Zolls verzeichnete 2025 einen Rekordwert: Knapp 374.700 Verdachtsmeldungen. Das ist ein Anstieg von 41 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Rund 29 Prozent dieser Meldungen entfielen auf Neobanken. Sie werden zunehmend für betrügerische Transaktionen missbraucht.

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Ein Beispiel ist die „Operation Chargeback“ – einer der größten Kreditkartenbetrugsfälle in Deutschland. Über 19 Millionen Fake-Abonnements verursachten einen weltweiten Schaden von mehr als 300 Millionen Euro. Im November 2025 wurden bei koordinierten Razzien 21 Haftbefehle vollstreckt.

Phishing als Dienstleistung: Plattform „Kratos“ zerschlagen

Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) gelang ein weiterer Schlag. Sie zerschlugen die Plattform „Kratos“. Der Dienst bot „Phishing-as-a-Service“ an. Über 1.800 Kriminelle nutzten ihn für monatlich etwa 15.000 Phishing-Kampagnen. Seit 2024 erzielten die Betreiber damit Einnahmen von über 300.000 Euro. Ein mutmaßlicher Entwickler wurde in Indonesien festgenommen.

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