Phishing-Plattform Kratos zerschlagen: BKA und FBI schlagen Schlag gegen Cyberkriminalität
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 04:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundeskriminalamt (BKA) und das US-amerikanische FBI haben in einer koordinierten Aktion die Phishing-Plattform Kratos zerschlagen. Im Zuge der internationalen Operation wurden über 200 Server beschlagnahmt und der mutmaßliche Entwickler der Infrastruktur in Indonesien festgenommen. Die Ermittlungsbehörden setzen damit einen bedeutenden Schlag gegen die organisierte Cyberkriminalität, die zuletzt massiv an Intensität gewonnen hat.
Infrastruktur für weltweiten Identitätsdiebstahl
Nach Angaben der Ermittler fungierte Kratos als technisches Rückgrat für eine Vielzahl krimineller Akteure. Die Plattform war für monatlich rund 15.000 Phishing-Kampagnen verantwortlich und verzeichnete etwa 1.800 Abonnenten. Seit dem Jahr 2024 sollen die Betreiber mit diesem Modell über 300.000 Euro erbeutet haben. Kriminelle Gruppen in mehr als 30 Ländern nutzten den Dienst, um täuschend echte Phishing-Seiten für namhafte Dienste wie Microsoft, SharePoint und OneDrive zu erstellen.
Das technische Ziel der Angriffe war der Diebstahl von Anmeldedaten sowie Session-Cookies. Durch das Abgreifen dieser Cookies waren die Täter in der Lage, Sicherheitsvorkehrungen wie die Multifaktor-Authentifizierung (MFA) zu umgehen und direkten Zugriff auf Nutzerkonten zu erhalten.
Massive Zunahme von Betrugsdelikten im Jahr 2026
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Die Zerschlagung von Kratos erfolgt vor dem Hintergrund eines drastischen Anstiegs digitaler Straftaten. Aktuelle Statistiken des BKA für das erste Halbjahr 2026 verdeutlichen die angespannte Lage: Das Aufkommen von SMS-Phishing stieg demnach um 146 Prozent, während Online-Betrug um 134 Prozent und Delikte mit Schadsoftware um 69 Prozent zunahmen. Allein im zweiten Quartal 2026 wurden laut Behördenangaben rund 7,6 Milliarden Phishing-Mails versendet.
Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) konstatiert eine hohe Gefährdungslage. In aktuellen Analysen wird darauf hingewiesen, dass jede dritte unerwünschte E-Mail mittlerweile Phishing-Inhalte enthält. Rund 62 Prozent der befragten Internetnutzer gaben an, bereits Empfänger solcher Betrugsnachrichten gewesen zu sein.
Aktuelle Warnungen für Bankkunden
Trotz des Ermittlungserfolgs gegen Kratos halten die Angriffswellen gegen deutsche Finanzinstitute an. Die Verbraucherzentrale warnte am vergangenen Wochenende vor gezielten Kampagnen gegen Kunden der DKB und der Sparkassen. Im Falle der DKB versuchen Angreifer, Opfer unter dem Vorwand einer notwendigen Aktivierung von „3D Secure 2.0“ auf manipulierte Webseiten zu leiten. Sparkassen-Kunden werden indes mit angeblichen Sicherheits-Updates oder der Drohung einer Kontosperrung konfrontiert.
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Wie verlustreich solche Angriffe für Einzelpersonen sein können, zeigt ein vom BKA gemeldeter Fall, bei dem ein Opfer durch ein vermeintliches Sicherheitsupdate 35.000 Euro verlor. Als Reaktion auf die anhaltende Bedrohung hat die Europäische Zentralbank (EZB) die Anforderungen an die Kreditinstitute verschärft. Banken sind nun verpflichtet, bis Oktober 2026 umfassende Aktionspläne vorzulegen, um die Resilienz gegen Phishing-Angriffe nachhaltig zu erhöhen.
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