Phishing verdoppelt sich: 50 Prozent aller Cyberangriffe im Q2 2026
Veröffentlicht am: 01.08.2026 um 00:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein meldet eine deutliche Zunahme professioneller Phishing-Versuche. Betrüger zielen verstärkt auf sensible Identitätsdaten ab, um sie im Darknet zu handeln oder für Finanzstraftaten zu missbrauchen. IT-Sicherheitsexperten bestätigen: Phishing ist inzwischen die Hauptursache für Sicherheitsvorfälle in Unternehmen.
Fälschungen auf hohem Niveau
Die aktuellen Kampagnen imitieren bekannte Institutionen mit erstaunlicher Genauigkeit. Die Verbraucherzentrale warnt vor gefälschten E-Mails im Namen des Steuerportals ELSTER. Unter dem Vorwand einer nötigen Datensynchronisierung sollen Empfänger PDF-Dokumente herunterladen oder Links folgen. Kurze Fristen, etwa bis Anfang August, erhöhen den psychologischen Druck.
Auch Finanzdienstleister stehen im Visier. Watchlist Internet berichtet von betrügerischen Nachrichten im Namen von PayPal: Mal versprechen sie eine Rückzahlung von 95,66 Euro, mal warnen sie vor einer unautorisierten Zahlung von 909 Euro. Sparkassen-Kunden locken die Täter mit angeblichen Sicherheitsupdates auf gefälschte Anmeldeseiten.
Phishing als Einfallstor Nummer eins
Die Zahlen von Cisco Talos zeigen die Dimension des Problems: Im zweiten Quartal 2026 begannen mehr als 50 Prozent aller untersuchten Sicherheitsvorfälle mit Phishing. Im ersten Quartal lag die Quote noch bei etwa 33 Prozent.
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Besonders dreist: Vishing (Voice Phishing) über Microsoft Teams. In dokumentierten Fällen installierten Angreifer innerhalb von weniger als 17 Stunden nach dem Erstkontakt Ransomware in fremden Netzwerken. Fernwartungstools helfen ihnen dabei, Sicherheitsmechanismen zu umgehen. Rund 65 Prozent der analysierten Fälle betrafen den Missbrauch von Authentifizierungsmechanismen.
Neue Wege über WhatsApp und Paketdienste
Kriminelle erweitern ihr Repertoire: Die Polizei warnt vor WhatsApp-Maschen mit Online-Abstimmungen und QR-Codes. Ziel ist die Kontoübernahme, um anschließend Geldforderungen an Kontakte zu stellen. In Rostock entstand so bereits ein Schaden von über 3.000 Euro.
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Eine weitere Masche spielt sich an der Haustür ab: Falsche Paketlieferanten verlangen eine geringe Gebühr für die Zustellung. Beim Bezahlen wird die PIN ausgespäht und die Bankkarte unbemerkt gegen eine Kopie getauscht.
So schützen Sie sich
Das LKA Schleswig-Holstein und der Weiße Ring raten: Niemals Passwörter auf Webseiten eingeben, die über E-Mail-Links erreicht wurden. Stattdessen die offiziellen Portale oder Apps manuell aufrufen.
Experten empfehlen zudem Phishing-resistente Anmeldeverfahren. Klassische Zwei-Faktor-Authentifizierung (MFA) können Angreifer per Echtzeit-Phishing aushebeln. Passkeys bieten mehr Schutz: Sie sind fest mit der legitimen Internetadresse verknüpft und funktionieren auf gefälschten Seiten nicht. Systemhäuser sehen in der Beratung dazu ein wachsendes Geschäftsfeld – weg von manipulierbaren Geheimnissen wie Passwörtern oder SMS-Codes.
Bei Verdacht auf Identitätsdiebstahl gilt: Konten sofort sperren, Zugangsdaten ändern und Strafanzeige erstatten. Regelmäßige Kontrolle von Bonität und Kontoauszügen hilft, unbefugte Abbuchungen frühzeitig zu erkennen.
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