Phishing-Welle 28. August: 159% mehr .vu-Domains in 4 Monaten
Veröffentlicht am: 30.08.2026 um 06:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher und Betreiber von Warnsystemen haben am 28. August 2026 eine Serie neuer bösartiger Websites und Phishing-Domains identifiziert. Angesichts der hohen Qualität der Fälschungen raten Experten dringend davon ab, Zugangsdaten auf nicht verifizierten Plattformen einzugeben. Die beobachteten Kampagnen zeichnen sich durch eine zunehmende technische Komplexität aus, die darauf abzielt, herkömmliche Sicherheitsmechanismen zu umgehen.
Massive Zunahme bösartiger .vu-Domains
Daten des KnowBe4 Threat Lab belegen für den Zeitraum von April bis Juli 2026 einen Anstieg von 159,6 % bei Phishing-Seiten, welche die länderspezifische Top-Level-Domain von Vanuatu (.vu) missbrauchen. In diesem Zeitraum wurden 1.660 eindeutige bösartige Domains sowie 28.167 Phishing-E-Mails registriert.
Die Analysen zeigen, dass 99,9 % der bösartigen .vu-Einträge in eingebetteten URLs platziert sind. Das durchschnittliche Alter dieser Domains liegt bei lediglich 20 Tagen, was eine schnelle Erkennung durch Blacklists erschwert. Primäre Ziele dieser Angriffe sind Nutzer in den Vereinigten Staaten, insbesondere in den Sektoren Bildung, Fertigung, Wirtschaft und Finanzen sowie in Regierungsbehörden.
Polymorphe Techniken erschweren die Erkennung
Das Internet Storm Center (SANS ISC) berichtete ebenfalls am 28. August 2026 über Phishing-Seiten, die polymorphen Code einsetzen. Bei jedem Aufruf einer solchen Seite wird ein einzigartiger SHA-256-Hash generiert, was statische Scanner wirkungslos macht. In einer Untersuchung von 50 Proben konnten 50 unterschiedliche Hashes und 21 eindeutige Seitentitel festgestellt werden.
Die Mutation des Codes umfasst laut den Experten randomisierte Namen, neu angeordnete Funktionen und veränderte Kodierungen. Ein Nebenprodukt dieser Verschleierung ist ein etwa 30-sekündiger Stillstand des Browsers, der durch die Ausführung des obfuskierte JavaScripts verursacht wird.
Obwohl die Komplexität hoch ist, fanden die Forscher keine Hinweise auf den Einsatz von Large Language Models (LLM); stattdessen scheinen konventionelle Obfuskatoren verwendet zu werden. Verteidiger werden dazu angehalten, verstärkt auf Verhaltenssignale zu achten.
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Kommerzialisierung von Angriffswerkzeugen
Die Bedrohungslage wird durch professionell vertriebene Phishing-Plattformen weiter verschärft. Island Research identifizierte am 28. August 2026 die Plattform NovaCookies, die als „Adversary-in-the-Middle“-Proxy (AitM) fungiert.
Das System wird für eine monatliche Abonnementgebühr von 320 US-Dollar angeboten und dient dazu, Sitzungen von Microsoft 365 zu kapern sowie Multifaktor-Authentifizierungs-Codes (MFA) zu erbeuten. NovaCookies nutzt unter anderem gefälschte DocuSign-Dokumente und Schutzmechanismen von Cloudflare, um Analysen zu verhindern.
Parallel dazu beobachtete ANY.RUN die Mirage2FA-Kampagne, die der Gruppe LinX Coders zugeschrieben wird. Diese Kampagne verzeichnete 9.332 Einbruchsvorfälle in 94 Ländern, wobei 4.532 Konten bei über 3.500 Organisationen kompromittiert wurden. In 51 % der Fälle stand der Diebstahl von Sitzungs-Cookies im Vordergrund, was herkömmliche Passwort-Zurücksetzungen wirkungslos macht.
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Finanzielle Verluste und regionale Betrugsmaschen
Auch der Kryptosektor bleibt im Visier. Eine gefälschte Website, welche die Solana-Neobank Avici imitierte, erbeutete laut Berichten vom 28. August 2026 über 600.000 US-Dollar von Nutzern. Die Opfer wurden aufgefordert, ihre Wallets zu verbinden, woraufhin die Gelder entwendet wurden. Infolge des Vorfalls sank der Wert des AVICI-Tokens um 38,54 % auf 0,2728 US-Dollar.
Zusätzlich zu diesen globalen Bedrohungen treten lokale Betrugsmuster auf. In der Region Nashville wurden hunderte betrügerische Websites identifiziert, die Hausdienstleistungsunternehmen imitieren. Diese Seiten wurden massenhaft mithilfe von KI erstellt und nutzen duplizierte Inhalte ohne verifizierbare Unternehmenshintergründe. Behörden mahnen hier zu besonderer Vorsicht bei der Beauftragung von Dienstleistungen über das Internet.
