Phishing-Welle, Mails

Phishing-Welle: 82 Prozent der Mails entstehen mit KI

15.06.2026 - 05:53:40 | boerse-global.de

KI-generierte Phishing-Angriffe vervierzehnfachen sich. Behörden warnen vor neuen Betrugsmaschen mit Deepfakes und Voice Cloning.

KI-Kriminalität: Explosion von Phishing und Cyberbetrug 2026
Phishing-Welle - Eine schattenhafte Figur vor Bildschirmen mit Code und Finanzgrafiken, die KI-gesteuerten Cyberbetrug darstellt. 15.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Sicherheitsbehörden und Finanzinstitute verzeichnen einen drastischen Anstieg hochprofessioneller Betrugsversuche – angetrieben durch künstliche Intelligenz. Aktuelle Daten der Global Anti-Scam Alliance und Berichte deutscher Sparkassen belegen: Die Zahl der KI-gestützten Angriffe hat sich im Vergleich zum Vorjahr vervierzehnfacht. Mittlerweile generieren KI-Systeme rund 82 Prozent aller Phishing-Mails.

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Behörden warnen vor aktuellen Phishing-Wellen

Besonders das Steuerportal Elster und der Zahlungsdienstleister PayPal stehen im Fokus der Kriminellen. Im Namen von Elster verbreiten Angreifer derzeit gefälschte Steuerbescheide mit Links zu Dateneingabe-Seiten. Parallel dazu läuft eine WhatsApp-Kampagne: Nutzer werden unter dem Vorwand einer notwendigen Zwei-Faktor-Authentifizierung zur Preisgabe ihrer PayPal-Zugangsdaten aufgefordert.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) veröffentlichte am 14. Juni eine Warnung vor betrügerischen WhatsApp-Gruppen wie „IK Kern-Austauschkreis N77“ oder „Leuchtturm Navigation“. Dort geben Kriminelle unter Identitätsdiebstahl unerlaubte Aktienempfehlungen ab – zulasten der Ik Investment Partners Limited. Opfer werden gedrängt, Gelder über eine App namens „IK Markets Max“ einzuzahlen.

Enormes Schadensausmaß durch automatisierte Angriffe

Die Effizienz der Angreifer ist drastisch gestiegen. Die Erstellung überzeugender Phishing-Inhalte dauerte früher rund 16 Stunden – heute schaffen Kriminelle das in etwa fünf Minuten. Die Verlustzahlen sprechen eine klare Sprache: Für 2026 schätzen Experten die Gesamtverluste durch Online-Betrug in der EU auf rund 57 Milliarden Euro. Allein in Deutschland verloren Verbraucher im Vorjahr rund 10,6 Milliarden Euro. Jeder vierte Bürger war betroffen.

Global nimmt der sogenannte „Pig-Butchering“-Betrug massiv zu – eine perfide Kombination aus Beziehungsanbahnung und Anlagebetrug. In Ost- und Südostasien beziffern Experten die Schäden seit 2020 auf 75 Milliarden Dollar. Das US-Justizministerium beschlagnahmte in diesem Zusammenhang zwischen 2018 und 2025 rund 127.271 Bitcoin.

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Technologische Evolution der Betrugsmaschen

Kriminelle setzen vermehrt auf Voice Cloning und Deepfakes, um Vertrauen zu erschleichen. Auch das sogenannte „Quishing“ verbreitet sich zunehmend – hier manipulieren Angreifer QR-Codes für Phishing-Zwecke. Google Threat Intelligence dokumentierte im Mai 2026 zudem den ersten KI-generierten Zero-Day-Exploit, der die Zwei-Faktor-Authentifizierung umgehen kann.

Google reagierte auf den Missbrauch eigener KI-Modelle: Am 12. Juni reichte der Konzern eine Zivilklage gegen die Gruppe „Outsider Enterprise“ ein. Diese soll mithilfe des KI-Modells Gemini über 2,5 Millionen Betrugs-SMS versendet und rund 9.000 gefälschte Webseiten betrieben haben.

Internationale Strafverfolgung intensiviert Maßnahmen

Gegen die global agierenden Netzwerke gehen Behörden verstärkt koordiniert vor. Im Rahmen der „Operation Atlantic“ in Dubai kam es zu 275 Festnahmen. Die Ermittler identifizierten mehr als 20.000 betrügerische Krypto-Wallets. Interpol schätzt die weltweiten Verluste durch Telefonbetrug mittlerweile auf über 400 Milliarden Euro.

Trotz dieser Erfolge bleibt die Lage angespannt. Einem Bericht des Weltwirtschaftsforums zufolge betrachten 94 Prozent der Experten KI als Haupttreiber künftiger Bedrohungen der Cybersicherheit. Besonders kritisch: Kleinere Organisationen weisen aufgrund von Fachkräftemangel oft eine geringere technologische Resilienz auf. Das Financial Crimes Enforcement Network (FinCen) stufte zudem die Huione Group aufgrund von Geldwäsche-Risiken als hochriskant ein.

de | wissenschaft | 69541505 |