Phishing-Welle über WhatsApp: Behörden zerschlagen Kratos-Netzwerk
Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 15:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sicherheitsforscher schlagen Alarm: Eine koordinierte Phishing-Welle über WhatsApp setzt auf authentische Buchungsdaten, um Urlauber zu täuschen.
Die Angreifer geben sich als Hotelmitarbeiter aus und nutzen gestohlene Reservierungsinformationen wie Namen, Aufenthaltszeiträume und Hotelnamen. Diese Daten stammen vermutlich aus Datenlecks bei Dienstleistern großer Online-Reiseplattformen.
So funktioniert die Masche
Die Opfer erhalten eine WhatsApp-Nachricht mit der Aufforderung, ihre Buchung über einen Link zu verifizieren. Die dahinterstehende Website imitiert das Design der Originalplattform – und verlangt Kreditkartendaten.
Bitdefender Labs hat die Kampagne in über zehn Ländern identifiziert, darunter Deutschland. Allein auf einer großen Plattform wurden seit Anfang 2025 mindestens 8.800 US-Dollar erbeutet. Die Plattformbetreiber bestätigten, dass die Systeme einiger Partner durch Phishing-Mails kompromittiert wurden.
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Schlag gegen „Kratos“-Netzwerk
Am 20. Juli gelang Behörden ein bedeutender Erfolg: Die Phishing-Plattform „Kratos“ wurde zerschlagen. Der mutmaßliche Entwickler der Infrastruktur wurde in Indonesien festgenommen, weltweit über 200 Server unschädlich gemacht.
Das System funktionierte nach dem Modell „Phishing-as-a-Service“. Rund 1.800 Franchisenehmer nutzten den Dienst für monatlich etwa 15.000 Kampagnen. Seit 2024 soll das Netzwerk über 300.000 Euro erwirtschaftet haben – mit Opfern in mehr als 30 Ländern.
Parallel läuft in Münster ein Verfahren gegen eine weitere Tätergruppe. Ihr wird vorgeworfen, durch gefälschte Bankseiten rund 180.000 Euro erbeutet zu haben.
KI macht Betrug gefährlicher
Die Bedrohungslage verschärft sich durch künstliche Intelligenz. Das FBI warnte erst diesen Monat vor KI-gestützten Betrugsversuchen mit Deepfakes. Zudem beobachteten Experten die Kampagne „SpearSpecter“, bei der eine iranische Gruppe KI-gestütztes Phishing über WhatsApp und E-Mail einsetzt, um Schadsoftware zu verbreiten.
Auch „Text Salting“-Techniken bereiten Sorgen: Unsichtbare Fülltexte umgehen KI-Schutzmechanismen in E-Mail-Filtern – seit April 2026 millionenfach registriert.
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Reisende in der Pflicht
Juristen und Polizei raten zu erhöhter Vorsicht, besonders bei Zahlungsaufforderungen über Messenger-Dienste außerhalb offizieller Buchungskanäle. Ein Fall aus Bielefeld zeigt die Gefahr: Ein Reisender wurde im April 2026 bei einer Buchung für Schweden betrogen, nachdem er einem Link des vermeintlichen Vermieters folgte.
Der Österreichische Oberste Gerichtshof stärkte im Mai die Verbraucherrechte: Online-Vermittlungsplattformen müssen Kunden nach der Buchung unverzüglich Namen und Anschrift des Vermieters nennen. Das Vorenthalten dieser Informationen gilt als irreführende Geschäftspraktik.
Die Empfehlung der Experten: Bei Zweifeln das Hotel direkt über offizielle Telefonnummern kontaktieren. Keine Links in unaufgeforderten WhatsApp-Nachrichten anklicken. Und Parkgebühren oder lokale Entgelte nur über offizielle Stellen oder zertifizierte Parkwächter vor Ort bezahlen.
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