Physiotherapie-Mangel: 723.000 Fachkräfte fehlen bis 2029
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Personalsituation in der deutschen Physiotherapie bleibt angespannt, während gleichzeitig die Anforderungen an die fachliche und organisatorische Leitung in klinischen Einrichtungen steigen. Ein Beispiel für diesen Trend ist die Pegasus Klinik Großenbrode. Die stationäre Eltern-Kind-Vorsorgeeinrichtung sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Leitung für die Physiotherapie in Vollzeit.
Das Anforderungsprofil umfasst neben der fachlichen und organisatorischen Leitung auch den Personaleinsatz sowie das Qualitätsmanagement. Bewerber müssen eine staatlich anerkannte Ausbildung oder ein Studium im Bereich Physiotherapie sowie mehrjährige Berufserfahrung vorweisen; erste Leitungserfahrungen werden zudem als wünschenswert angeführt.
Personalsuche in spezialisierten und großflächigen Versorgungsstrukturen
Neben spezialisierten Vorsorgeeinrichtungen wie der Pegasus Klinik suchen auch große Träger und spezialisierte Zentren verstärkt nach qualifiziertem Personal. Das VITREA Rehazentrum Norderstedt schreibt derzeit eine unbefristete Vollzeitstelle für Physiotherapeuten aus, wobei der Schwerpunkt auf funktionellen Therapien bei orthopädischen Reha- und Heilmittelpatienten liegt.
Voraussetzung für diese Position ist neben der staatlichen Anerkennung die Qualifikation in Manueller Therapie. Der Träger VITREA Deutschland betreibt bundesweit 27 Rehakliniken, zwei Akutkliniken sowie zahlreiche ambulante Zentren und Pflegeeinrichtungen mit insgesamt rund 8.800 Mitarbeitern.
Ein weiterer Fokus im Bereich der physiotherapeutischen Versorgung liegt auf der Altersmedizin. Die Friedrich von Bodelschwingh-Klinik gGmbH, die in Potsdam und Berlin-Wilmersdorf über 111 vollstationäre und 60 teilstationäre Behandlungsplätze verfügt, sucht Personal für ihr neues Zentrum für Alterspsychiatrie und -psychotherapie (ZAPP).
Für diese zunächst auf zwei Jahre befristete Teilzeitstelle werden Zusatzleistungen wie eine betriebliche Altersversorgung in Höhe von 4 Prozent des Bruttolohns sowie ein vergünstigtes Jobticket angeboten.
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Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Vergütungsstrukturen
Die Gehaltsstrukturen im Bereich der Physiotherapie variieren je nach Region und Spezialisierungsgrad. Für den Raum Potsdam und Brandenburg wird in aktuellen Ausschreibungen eine Gehaltsspanne von 2.500 bis 3.500 Euro brutto pro Monat angegeben. Laut Daten der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg liegt das durchschnittliche Bruttogehalt für Männer mit Spezialistentätigkeiten in der Physiotherapie bei 3.648 Euro.
Herausforderungen zeigen sich insbesondere bei der Integration ausländischer Fachkräfte. Berichten zufolge belaufen sich die Kosten für ein Anerkennungsverfahren in Deutschland auf etwa 10.000 Euro, die in Einzelfällen vom Arbeitgeber übernommen werden. Während eines einjährigen Nachholpraktikums vor der offiziellen Anerkennung im Jahr 2026 wurden Vergütungen von 2.800 Euro brutto dokumentiert.
Nach erfolgter Anerkennung stiegen die Bezüge auf 3.500 Euro brutto, ergänzt durch Sachbezüge und jährliche Sonderzahlungen. Die Arbeitsbelastung bleibt dabei hoch: In der ambulanten Versorgung sind Sitzungen oft auf 20 Minuten getaktet, was zu einer Behandlungszahl von teils 30 Patienten pro Tag führen kann.
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Prognosen zum Fachkräftemangel und internationale Kooperationen
Die langfristigen Prognosen für den Sektor deuten auf eine Verschärfung der Personalknappheit hin. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zum Jahr 2029 rund 723.000 Fachkräfte in der Branche fehlen werden. Dies würde nahezu einer Verdopplung des Defizits im Vergleich zum Jahr 2025 entsprechen.
Trotz dieser Herausforderungen findet ein fachlicher Austausch auf internationaler Ebene statt. Mitte September 2026 besuchten elf Fachleute des südkoreanischen KOHI-Instituts die TOMESA Fachklinik und die Klinik am Kurpark in Bad Salzschlirf.
Chefarzt Dr. Kartz-Bogislav Baller erläuterte den Gästen das deutsche Rehabilitationssystem. Die seit 1982 bestehende TOMESA-Einrichtung gilt als deutschlandweit einzige dermatologische Reha-Klinik mit Balneophototherapie in einem großen Therapiebecken.
Zusätzlich zur personellen Aufstellung gewinnen Informationsangebote für Patienten an Bedeutung. Das Städtische Klinikum Wolfenbüttel plant für den 28. September 2026 einen Informationsabend zum Thema Rückenschmerzen. Experten verschiedener Fachrichtungen sollen dabei über neurologische, naturheilkundliche sowie operative Ansätze referieren und praktische physiotherapeutische Übungen vorstellen.
